Herzenssache Tropen

Umweltschutz seit nunmehr 25 Jahren

Die Rainforest Alliance ist eine weltweit anerkannte Umwelt­schutz­organisation. 1987 in den USA als unabhängige Nicht­regierungs­organisation (NGO) gegründet, versteht sie sich
als eine Bewegung, die direkt im Brennpunkt der Tropen tätig ist. Ihr zweiter Hauptsitz wurde vor rund 15 Jahren in Costa Rica eröffnet. Schließlich ist Costa Rica ein Land mit größter Arten­vielfalt. Etwa so groß wie Niedersachsen stellt es nur
0,1 Pro­zent der globalen Landfläche, beher­bergt aber 5 Pro-
zent aller auf der Erde vorkommenden Arten. Damit finden in dem klei­nen Land in Mittelamerika mehr Tier- und Pflanzen­arten Schutz und Lebens­raum als in ganz Europa. Bis vor einigen Jahren fiel Costa Rica noch als einer der größten Tropen­holz­exporteure der Welt auf. Heute stehen viele ver­bliebene Wald­flächen unter beson­derem Schutz. Das Land
lebt immer mehr vom Tourismus – und hier zuneh­mend vom nachhaltig aus­ge­richteten. Costa Rica kann demnach als beispielhaft für viele andere Länder der Tropen betrachtet werden, deren sich die Rainforest Alliance heute annimmt.

Artenreichtum im sensiblen Gleichgewicht

Entlang des Tropengürtels wachsen viele Pflanzen, aus denen entweder Lebens­mittel oder Zutaten hergestellt oder deren Früchte weltweit vermarktet werden. Viele dieser Produkte sind längst zum Standard auf dem heimischen Ess­tisch geworden. Der Hunger nach Exoten wie Ananas, Zitrus­früchten, Bananen, Kaffee oder Kakao wächst aber weltweit, insbe­son­dere in Märkten mit hohem wirtschaftlichem Nach­holbedarf. Gleichzeitig reduziert sich das Potenzial an für die Landwirtschaft zu erschließenden Flächen. Schließlich leben schon heute annähernd sieben Milliar­den Menschen auf der Erde. Fast jede Sekunde kommen drei neue Erden­bürger dazu. Und bis zum Jahr 2050 sollen nach jüngsten Berech­nungen der Deutschen Stiftung für Weltbevöl­kerung etwa 9,2 Milliarden Menschen Platz auf unserem Planeten finden – und alle müssen ernährt werden.

Die Schönheit des Amazonas fasziniert.

Gerade die tropischen Waldregionen entlang des Äquators sind für das Weltklima von unschätz­barem Wert. Zudem stehen die Regen- und Nebelwälder in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien für eine einzigartige Artenvielfalt bei Flora und Fauna. Allein im tropischen Regenwald des Tieflandes wachsen auf einem Hektar bis zu 100 verschie­dene Baumarten. Da die Arten­vielfalt auf kleinster Fläche so ungeheuer groß ist, sind von jeder einzelnen Pflanzenart nur weni­ge Vertreter pro Hektar Fläche anzutref­fen. Viele Arten – Tiere übrigens genauso wie Pflanzen – hängen somit zu ihrem eigenen Gedeihen und Überleben von artfremden Nachbarn ab. In der tro­pischen Lebensgemeinschaft kämpfen sie gleichzeitig, wie nirgendwo sonst auf der Welt, um Licht, Wasser und Nährstoffe. Auch wenn die Bio­diversität in den Tropen ein­malig groß ist, so sind die tropischen Böden insbeson­dere im Regenwald nähr­stoffarm. Rodungen (meist Brand­rodungen) führen zwar zum kurzfristigen Eintrag von Nährstoffen. Doch der starke Tropenregen wäscht Mineralien und Co. schnell wieder aus; und für die Landwirtschaft freigelegte Flächen sind besonders von Bodenerosion betroffen. Gleichzeitig avancieren die Tropenre­gio­nen mehr und mehr zur Speisekammer für die ganze Welt. Die tropischen Böden urbar zu machen bedarf besonderer Ver­fahrens­weisen und eines großen Verantwortungs­bewusstseins der Landwirte in Großbetrieben und der Klein­bauern. Denn wer Primärregenwald rodet, nimmt in Kauf, dass dieser für die Nachwelt unwieder­bringlich verloren ist. Dadurch werden auch die sensiblen Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren vernichtet. Wiederaufforstungen – so wich­tig und unterstützenswert sie auch sind – können sich dem Urzustand allenfalls annäh­ern. Ihn wiederzu­erschaf­fen ist nicht möglich. Landwirtschaft in den Tropen bedeutete in der Vergangenheit, dass die vorhan­denen Böden schnell ausge­laugt wurden. In der Folge gab man schon nach kurzer Zeit abgewirt­schaf­tete Flächen auf und rodete mit Feuer einfach neuen Wald, bis auch diese neu erschlos­senen Böden ausge­beu­tet waren. Die Regenwälder der Erde fungieren u. a. als globale Lunge. Das gilt es zu schützen.

Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass die landwirtschaftliche Nutzung von Naturraum auch in den Tropen für das Überleben der Bevölkerung essentiell ist: Immerhin leben 500 Millionen Menschen mit zumeist niedrigsten Einkommen in den Regen- und Nebelwaldregionen der Erde. Die Landwirt­schaft ist für viele eine zentrale Einnahmequelle. Und viele glauben noch heute, dass es für ihr Auskommen keine andere Möglichkeit gibt, als sich die Natur bedingungs­los untertan zu machen. Dabei kann es durchaus ein modernes und gleichwohl natur­verträg­licheres Miteinander von Tieren, Pflanzen und Menschen geben – in kleinen Kooperativen wie auch auf großen Plantagen.

Trocknen der Kaffeeernte El Salvador

Nachhaltigkeit sichert die Lebensgrundlage aller

Auch und gerade angesichts des weltweit steigenden Appetits nach Lebens­mitteln, die zunehmend in den Tropen erzeugt werden, setzt sich die Rainforest Alliance für folgende Ziele ein: Die landwirtschaftliche Produktion muss man für die kom­ple­xen Lebens­gemein­schaf­ten entlang des Tropengürtels ökologisch verträglicher machen. Die Methoden des Landbaus müssen insge­samt nach­haltiger und die land­wirt­schaftliche Arbeit zum Beispiel auf Plantagen für die Men­schen sozial gerechter gestaltet werden. Die bestehenden wald- und landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen, wo immer möglich, für die Bewirtschaftung erhalten bleiben, oder sie werden mittel­fristig wieder einer erfolgreichen Bewirtschaftung zugeführt – und das so naturnah wie möglich. Die Verdrängung von Tropen­wäldern muss in ihrer Dynamik deutlich verlangsamt und Waldflächen sowie viele andere wertvolle Naturräume müssen nachhaltig geschützt werden.

Blauer Morpho