Unsere Antwort auf die Waldbrände im Amazonas-Regenwald

Amazonas-Regenwald in großer Gefahr: Was wir dagegen unternehmen

Als Reaktion auf die verheerenden Waldbrände im brasilianischen Amazonasgebiet haben wir uns unter anderem mit Umweltorganisationen, Wissenschaftlern und Hilfsgruppen vor Ort und weltweit zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen wir die anhaltende Zerstörung dieses wertvollen Ökosystems bekämpfen. Vor allem für die globale Klimastabilität sind Wälder von entscheidender Bedeutung.

Wir wollen unseren Einfluss im öffentlichen und privaten Sektor nutzen, um die brasilianische Regierung unter Druck zu setzen. Ziel ist es, dass diese die Umweltschutzvorschriften wiederherstellt. Denn sie sind für den Schutz des Amazonasgebietes gegen illegalen Holzeinschlag, zerstörerische Brandrodung und andere existenzielle Bedrohungen unerlässlich. Darüber hinaus haben wir uns verpflichtet, 100 Prozent der Mittel, die als Reaktion an uns über Instagram im August gespendet wurden, an Hilfsgruppen im brasilianischen Amazonasgebiet weiterzugeben. Darunter auch an unseren brasilianischen Partner COICA und unseren langjährigen Partner für nachhaltige Landwirtschaft IMAFLORA – sowie an weitere brasilianische NGOs, die sich für den Schutz des Amazonas und die Förderung indigener Rechte einsetzen, etwa das Instituto Socioambiental und Imazon. Hier kannst du direkt an die Organisationen spenden.

Feuer im Regenwald
Quelle: Mohsin Kazmi

Warum brennt der Wald?

Nach Angaben des brasilianischen National Institute for Space Research (INPE) haben Satellitendaten einen Anstieg der Waldbrände um jeweils 88 und 64 Prozent für Juni und Juli gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2018 gezeigt. Die Weltraumbehörde berichtet, dass ihre Satellitendaten seit Januar 2019 mehr als 74.000 Brände entdeckt haben, den höchsten Stand seit 2003.

Die Brände werden zum Teil von Farmern verursacht, die auf diese Weise mehr Land für die Bewirtschaftung und den Anbau von Rohstoffen gewinnen wollen. Hingegen sind natürliche Brände im Amazonasgebiet aufgrund des tropisch feuchten Klimas der Region sehr selten (obwohl sie infolge der globalen Erwärmung tatsächlich zunehmen).

Die Entwaldung im brasilianischen Amazonasgebiet ist jedoch das Ergebnis vieler verschiedener Faktoren. Neben der landwirtschaftlichen Expansion (hauptsächlich für die Rindfleischproduktion), wird die Abholzung auch durch illegalen Holzeinschlag, Bergbau, Bodenspekulation und Stadtentwicklung vorangetrieben. Aufgrund dieser komplexen Faktoren, aber auch weil politische Entscheidungen der neuen Regierung die Umweltbehörden lahmgelegt haben, ist der Kahlschlag stark angestiegen.

Der Amazonas ist der größte und artenreichste Wald der Welt und unbestritten eine der größten natürlichen Klimaretter der Welt. Er kann Kohlendioxid aufnehmen und ist eine wichtige Süßwasserquelle. Der Schutz des Amazonas sowie aller Wälder weltweit ist also unerlässlich, damit sie diese wesentlichen Funktionen weiterhin erfüllen können. Wälder stabilisieren das Klima und binden Kohlenstoff, produzieren gleichzeitig auch Sauerstoff, filtern Wasser und unterstützen die Biodiversität. Wir alle sind auf Wälder angewiesen, um saubere Luft und sauberes Wasser zu atmen und zu trinken – und sogar, um Medikamente zu produzieren. Mindestens 1,6 Milliarden Menschen sind direkt auf funktionierende Wälder angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Wie helfen wir?

Es ist wichtig, dass die weitere Zerstörung des Amazonas gestoppt und rückgängig gemacht wird. Wir arbeiten mit unseren Partnern in Brasilien und auf der ganzen Welt zusammen, um Druck auf die brasilianische Regierung auszuüben, den Amazonas für Mensch und Natur zu erhalten. Die Vorschriften gegen die Abholzung in Brasilien müssen wieder in Kraft treten und durchgesetzt werden.

Unternehmen, lokale und indigene Gemeinschaften, NGOs, die Zivilgesellschaft und Regierungen müssen auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten, den Amazonas zu schützen. Die politischen Entscheidungsträger müssen wirksame Vorschriften und Anreize schaffen und durchsetzen – um die Abholzung zu verhindern, die Wiederaufforstung degradierter Böden zu fördern und die nachhaltige Bewirtschaftung bestehender Wälder im Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen.

Aufgrund unseres breiten Partner-Netzwerks aus dem öffentlichen und privaten Sektor arbeiten wir an möglichen Handlungsoptionen als Reaktion auf diese Krise. Dazu gehört unter anderem, dass wir unsere Beratungsarbeit von internationalen Unternehmen, die sich gegen die Abholzung innerhalb ihrer Lieferketten stark machen, weiter intensivieren. Außerdem wollen wir unsere Initiative Accountability Framework weiterentwickeln. Gleichzeitig fordern wir Vorschriften und Bestimmungen innerhalb der EU und anderer politischer Bereiche, damit Menschen und Unternehmen effektive Nachhaltigkeitslösungen voranbringen können. Zusammen mit der finanziellen Unterstützung, die wir Hilfsgruppen vor Ort zukommen lassen, sind dies alles Maßnahmen, die die Rainforest Alliance als Reaktion auf die Krise ergreift.

Ein brennendes Feld im Amazonas
Quelle: Mohsin Kazmi

Warum Wälder eine wichtige, natürliche Klimalösung sind

Obwohl die Weltöffentlichkeit derzeit auf den brasilianischen Amazonas blickt, ist es wichtig zu beachten: Absichtlich gelegte Waldbrände nehmen zu und bedrohen tropische Wälder auf der ganzen Welt – vom Amazonas und Indonesien bis hin zu Guatemala und Mexiko. Wälder sind starke, natürliche Klimalösungen oder sogar Klimaretter. Denn zusammen mit verantwortungsvolleren landwirtschaftlichen Anbaumethoden können Wälder bis zu 37 Prozent der bis 2030 erforderlichen Treibhausgasreduktionen bewirken – und die globale Erderwärmung unter 2°C stabilisieren. Forschungen bestätigen, dass natürliche Klimalösungen wie Wälder entscheidend für die Eindämmung des Klimawandels sind, da sie Kohlenstoff binden und speichern können.

„Seit 30 Jahren konzentriert sich die Rainforest Alliance darauf, die Abholzung an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Anbau und Wirtschaft zu verhindern. Wälder, bessere landwirtschaftliche Anbaumethoden und ein ganzheitliches Landmanagement sind entscheidende Faktoren, um die Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren“, so Han de Groot, CEO der Rainforest Alliance. „Das bedeutet zwar, dass die Landnutzungspraktiken geändert werden müssen, um ökologisch nachhaltiger zu sein, aber es muss auch eine Änderung der Art und Weise erfolgen, wie die Landwirte für ihre harte Arbeit entlohnt werden, wie Unternehmen ihre Rohstoffe beziehen und was wir als Endverbraucher konsumieren. Wir brauchen daher einen ganzheitlichen, langfristigen Wandel.“

„Die Brände im Amazonasgebiet sind das Ergebnis komplexer politischer, finanzieller und sozialer Faktoren“, erklärt Henriette Walz, Deforestation Lead für die Rainforest Alliance. „Wir brauchen weitere gemeinsame Anstrengungen von Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern, um eine Botschaft zu senden. Wir wissen, dass es Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Abholzung und menschlichem Wohlergehen gibt. Wir müssen uns daher weiter auf eine nachhaltigere Landwirtschaft und ein nachhaltigeres Landmanagementsystem fokussieren.“