World Rainforest Day – wo wir stehen und wohin es gehen sollte

Veröffentlicht am 27. Juni von Han de Groot, CEO

 

Am 22. Juni war der World Rainforest Day. Bis zum nächsten Mal haben wir nun also ein knappes Jahr Zeit. Daher lohnt es sich, auf die vergangenen Jahre und die erfolgten Anstrengungen rund um die Themen Rettung der Wälder und Klimaschutz zurückzublicken: Welche Maßnahmen wurden beschlossen, was wird tatsächlich umgesetzt und welche Erfolge konnten erzielt werden?

 

Wir bemerken das Entstehen eines neuen Paradigmas und nicht nur deshalb, weil sich diverse Gruppen immer stärker dem Klima-Aktivismus widmen – beispielsweise die Schülerinnen und Schüler, die auf den Fridays-for-Future-Demos durch die Innenstädte ziehen. Es ist wirklich erfreulich, dass Umweltbewegungen inzwischen „erwachsen“ werden: Kurzfristigkeit abzulehnen rückt generationsübergreifend in den Fokus.

Um langfristig die Vermögenswerte zu schützen, erwarten immer mehr Investoren und Anteilseigner mutigere Klimaschutzmaßnahmen von den Unternehmen. Gleichzeitig ziehen Fondmanager ihre Investitionen aus fossilen Brennstoffen heraus.

Wenn wir unsere Wirtschaft nicht deutlich schneller als bisher umweltfreundlicher gestalten, müssen wir in Zukunft große Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre saugen, um den Planeten für den Menschen überhaupt bewohnbar zu halten.

Menschen auf der ganzen Welt mobilisieren sich, um dieses Szenario zu vermeiden. Nehmen wir zum Beispiel eine Gruppe von Umweltaktivisten in Großbritannien, die eine inspirierende Kampagne namens Rewilding the Earth starteten. Die Kampagne konzentriert sich darauf, den Gehalt von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu verringern, indem sie es den Ökosystemen ermöglicht, sich zu erholen. Eine weitere neu gegründete Gruppe, die Extinction Rebellion, nutzt gewaltfreien Widerstand, um die Regierungen dazu zu bewegen, entschlossene Maßnahmen gegen die klimatische und ökologische Notlage zu ergreifen.

 

Unsere Alltagssorgen, wie das Zahlen unserer Rechnungen oder Stress im Job, lenken uns häufig so sehr ab, dass wir das Ausmaß der bevorstehenden Klima-Krise gar nicht realisieren (wollen). Wenn jetzt keine gemeinsamen Anstrengungen unmittelbar erfolgen und wir aktiv gegen diesen Trend vorgehen, wird er sich unaufhaltsam zu einer globalen Katastrophe entwickeln.

Der World Rainforest Day  bietet – neben Tagen wie dem Earth Day im April und dem Tag des Artenschutzes im März – eine weitere Plattform, um wichtige Gespräche für ein gemeinsames Handeln für den Umweltschutz zu ermöglichen. Veränderungen sind möglich; dafür sollten wir aber nicht auf unerprobte und teure Geo-Engineering-Projekte oder futuristische Technologien warten. Diese sind nämlich noch längst nicht ausgereift.

Was wir brauchen – neben einem Übergang von fossilen zu nachhaltigen Energiequellen – ist ein Fokus auf bewährte natürliche Klimalösungen, die mit der Natur im Einklang stehen und sie aktiv unterstützen. Zu den Klimalösungen zählen Praktiken wie Waldschutz, Wiederherstellung, klimaschonende Landwirtschaft und verbessertes Landmanagement.

Wissenschaftler und Forscher sind sich einig, dass natürliche Klimalösungen ein großes Potenzial haben. Etwa 71 Prozent der durch Menschen verursachten CO2-Emissionen stammen von nur 100 Produzenten fossiler Brennstoffe. Die leistungsstärkste und kosteneffizienteste Lösung zur Reduzierung dieser Emissionen hat dabei bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen: der Wald. Er kann die Auswirkungen des Klimawandels mindern. Klimasmarte Landwirtschaft, Wiederaufforstung, Rekultivierung degradierter Landflächen und nachhaltige Gemeindeforstwirtschaft sind Möglichkeiten, um natürliche Kohlenstoffspeicher zu schützen und auszubauen.

 

Bäume nehmen bereits beim Wachstum Kohlendioxid auf und speichern es. Ein durchschnittlicher Baum kann etwa 21 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr speichern. Wälder sind demnach eine unerlässliche Klimaschutzmaßnahme und ihr Potenzial ist bisher weitgehend ungenutzt. Hinzu kommt, dass sie Sauerstoff produzieren, Wasser filtern und einen wichtigen Lebensraum für eine große Artenvielfalt darstellen.

Natürliche Klimalösungen können uns helfen, mehr als ein Drittel der durch das Pariser Abkommen geforderten Emissionsreduzierungen zu erreichen. Sie erhöhen auch die Klimaresistenz und -stabilität in Produktionslandschaften, die für viele globale Lieferketten von entscheidender Bedeutung sind. Es liegt auf der Hand, dass natürliche Klimalösungen allein im Kampf gegen den Klimawandel nicht ausreichen. Aber sie stellen einen wesentlichen Teil einer umfassenderen Lösung dar – eine Lösung, die unter anderem den Wechsel auf erneuerbare Energien beinhaltet. Eine zielgerichtete Ausbildung für Land- und Forstwirte zur Einschätzung der Risiken des Klimawandels, ist Teil dieses Kampfes – und die Programme der Rainforest Alliance tragen dazu bei.

Die Einführung klimaschonender Produktionsmethoden, die nachhaltig die Produktivität der Landwirte erhöhen und gleichzeitig die Umwelt schützen, ist der richtige Weg. Dazu gehören das Pflanzen neuer Baumbestände und klimabeständigen Getreides sowie ein nachhaltiger Umgang mit dem Erdreich.

 

Letztendlich sind nachhaltige Lebensgrundlagen ein wesentlicher Bestandteil natürlicher Klimalösungen. Die Schaffung und Erhaltung von Lebensgrundlagen und der Umweltschutz sind untrennbar miteinander verbunden. In den drei Jahrzehnten, die wir nun vor Ort schon mit den Farmern zusammenarbeiten, haben wir gelernt, dass diese nicht mehr dazu gezwungen sind, in bewaldete Gebiete zu expandieren, wenn das bereits vorhandene Land effektiver bebaut werden und so ihre Existenz absichern kann.

Als CEO von Rainforest Alliance habe ich immer wieder Gelegenheit, bei verschiedenen Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Economist Sustainability Summit 2019 zu sprechen und mehr Investitionen in natürliche Klimalösungen zu fordern. Gelegenheiten wie diese geben uns die Möglichkeit, mit Meinungsführern, CEOs, Regierungsvertretern und Industriechefs über die Lösungen zu sprechen, die Unternehmen und Regierungen umsetzen müssen, um die globale Klimakrise zu bewältigen. Lasst uns die 12 Monate bis zum nächsten World Rainforest Day dafür so gut wie möglich nutzen.

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