Sieben Dinge, die ihr über Böden wissen solltet

Wälder, Wasser, Artenvielfalt – von allen natürlichen Ressourcen entfacht der Boden in der Regel eher weniger Leidenschaft. Und das, obwohl alles Leben an Land auf ihn angewiesen ist. Vielleicht ist die enorme Bedeutung des Bodens einfach nicht so offensichtlich. Taucht man tiefer in das Thema ein, offenbart sich eine Welt voller Wunder. Hier sind sieben Beispiele:

Böden sind… kompliziert

Es fängt bereits mit der Frage an: Was ist der Boden? Einfach Erde… richtig? Naja, ein bisschen mehr ist es schon, nämlich eine Ansammlung an Mineralien, Luft, Wasser, organischem Material und lebenden Organismen. Er ist die Verbindung von Atmosphäre und Gesteinsschicht. Böden sind unglaublich vielfältig. Und sie verändern sich, je nach Ausgangsmaterial (der Gesteinsart unter ihnen), lokalem Klima und Topographie sowie Pflanzen, Tieren und Pilzen, die auf ihm leben. Ohne Erde wäre der Boden eine karge, leblose und steinige Landfläche.

Böden leben

Im Glaskasten wird das Netzwerk im Untergrund dieser kleinen Kiefer sichtbar. Foto: Professor Sir David Read

Jüngste Studien zeigen: Böden verfügen über ein Mikrobiom, ganz ähnlich dem unseres Verdauungssystems. In einem Teelöffel gesunder Erde befinden sich mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde. Die unzähligen Organismen in der Erde interagieren mit Pflanzen in faszinierender Weise. Viele Zusammenhänge beginnen Wissenschaftler gerade erst zu verstehen. Zum Beispiel: Bäume in Wäldern stehen miteinander in Verbindung. Ein unterirdisches Netzwerk aus Mykorrhiza (Pilze, die symbiotisch in und zwischen Wurzel-systemen leben) transportiert nicht nur Wasser und Nährstoffe zwischen einzelnen Pflanzen, Bäumen ist es durch chemische Elemente auch möglich, miteinander zu kommunizieren.

Was wir bisher über das Mikrobiom der Erde wissen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Ohne Zweifel warten zahlreiche Wunder darauf, direkt unter unseren Füßen entdeckt zu werden.

Böden können sterben

Leben kann vergehen. Und dazu haben wir Menschen im Boden kräftig beigetragen. Der kurzfristige Nutzen konventioneller Landwirtschaft steht in keinem Verhältnis zum langfristigen Schaden für Ökosysteme in Böden. In den Tropen erleben wir einen bitteren Kreislauf: Wälder werden gerodet, um an ihrer Stelle Landwirtschaft zu betreiben – ob Soja, Palmöl oder Nutztierhaltung. Die Ironie dabei: Böden im Regenwald sind kaum fruchtbar. Alle Nährstoffe befinden sich im Wald selbst. Nachdem diese Flächen kahlgeschlagen und sämtliche verbliebenen Nährstoffe aufgebraucht sind, bleibt ein ziemlich nutzloser Boden zurück. Farmer ziehen also weiter und das ganze beginnt erneut.

Bodenerosion in der Landwirtschaft. Foto: iStock

Böden sind keine erneuerbare Ressource

Böden bilden sich durch langsame physikalische, chemische und biologische Verwitterung des Gesteins. Abhängig von der Art des Gesteins und anderer lokaler Faktoren kann es zehntausende Jahre dauern bis sich eine vollentwickelte Bodenschicht gebildet hat. Das heißt: Im Maßstab eines Menschenlebens sind Böden keine erneuerbare Ressource. Bodenerosion durch Wind, Wasser oder schlechte Anbauweise in der Landwirtschaft kann tausende Jahre der Bodenbildung in nur einem Moment zerstören. In Sri Lanka arbeitet unser Experte Giri Kadurugamuwa daran, Landwirten diese Situation zu verdeutlichen und Alternativen aufzuzeigen.

Schlecht bewirtschaftete Böden verursachen CO2-Emissionen

Eine riesige Menge Kohlenstoff ist in der Erde gebunden. Rund 75 Milliarden Tonnen sind es allein in der EU. Werden Naturflächen und Wälder umgewandelt in Agrarland, setzt dies auch Kohlenstoff in die Atmosphäre frei. Dasselbe gilt für die Bewirtschaftung des Agrarlands. Auch Bodenerosion ist ein signifikanter – und häufig zu Unrecht vernachlässigter – Treiber von CO2-Emissionen.

Gut bewirtschaftete Böden können Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden

Böden sind so vielfältig wie die Umweltbedingungen, in denen sie sich bilden. Foto: Jim Richardson

Jetzt mal eine gute Nachricht: Böden haben das Potenzial, fünf bis 15 Prozent der globalen Emissionen durch fossile Brennstoffe aufzufangen. Wiederaufforstung, Direktsaat in der Landwirtschaft (keine Bodenbearbeitung vor der Saat), adäquates Düngen, Kompostierung und Schattengewächse (die zusätzliche Früchte tragen können) sind allesamt Methoden, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre in der Erde zu binden. Degradierte Böden können so wieder fruchtbarer werden und Erträge steigen lassen.

Erde ≠ Schmutz

Zwischen Erde und Schmutz wird im Alltag häufig kein Unterschied gemacht. Ob auf der Kleidung, in der Wohnung oder unter den Fingernägeln – schnell sprechen wir von Schmutz, dabei ist Erde lediglich an die „falsche“ Stelle geraten. Losgelöst vom Boden ist sie nicht länger Teil eines wichtigen Ökosystems, sondern nur noch ein Ärgernis. Auch wenn es kleinlich erscheint, sollten wir uns bemühen, diese Unterscheidung bewusst zu machen. Das bringt uns einen Schritt näher dahin, die Wunder der Erde zu würdigen.

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