Menschenrechte in Land- und Forstwirtschaft stärken

Menschenrechte sind für uns eng mit nachhaltiger Landnutzung und Walderhalt verbunden. Die Pioniere der Rainforest Alliance reisten vor 30 Jahren nach Mittelamerika, um etwas gegen die Abholzung von Waldgebieten zu unternehmen. Dort erkannten sie, dass die Würde und Rechte der indigenen Bevölkerung und eine intakte Umwelt in direktem Zusammenhang stehen. Ein Büro in Costa Rica wurde eingerichtet und Allianzen mit lokalen NGOs in ganz Zentralamerika wurden geschlossen. Das Ziel? Walderhalt und das Wohlergehen der Landbevölkerung in einem Nachhaltigkeitsansatz zu verbinden – unter Berücksichtigung politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte.

Uns ist bewusst: Nachhaltigkeitstraining und -zertifizierung allein können weder politische Unterdrückung stoppen, noch festgefahrene sozioökonomische Ungleichheiten beseitigen oder Menschenrechtsverletzungen verhindern. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass ein strenges Zertifizierungssystem für Nachhaltigkeit – das durch gut konzipierte Schulungsprogramme ergänzt wird – zu schrittweisen Verbesserungen ganzer Sektoren und Landschaften beitragen kann. Menschenrechte zu fördern bedarf des Engagements von Regierungen, Bürgern und zivilgesellschaftlichen Gruppen weltweit. Ihr Handeln muss eingebettet sein in einen internationalen Rahmen aus Normen und Rechten, wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte oder den UN Sustainable Development Goals.

Alimentos Nutri-Naturales S.A. (ANSA) ist ein frauengeführter Betrieb im Maya-Biosphärenreservat, der u. a. Nüsse von Brotnussbäumen erntet und gleichzeitig die Regenwälder schützt. Foto: Sergio Izquierdo

Teil der Lösung: Unser Zertifizierungsstandard

Bereits unser erster Nachhaltigkeitsstandard enthielt Bestimmungen gegen Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Gleichzeitig schützte dieser die Landrechte indigener Gemeinden. Über die letzten drei Jahrzehnte haben wir diesen Standard und dessen Kriterien fortlaufend weiterentwickelt. Unser Augenmerk lag stets darauf, die Bestimmungen einerseits möglichst streng zu gestalten und andererseits auch an die realen Begebenheiten vor Ort auszurichten. Heute fördert der aktuelle Rainforest Alliance Standard für Nachhaltige Landwirtschaft zudem sowohl die Effizienz als auch die Produktivität landwirtschaftlicher Betriebe. Dies soll dazu beitragen, den finanziellen Druck zu verringern, der die schlimmsten Formen von Kinderarbeit verursacht.

Ebenso im Standard festgeschrieben ist der Zugang zu Trinkwasser für Arbeiter und Menschen, die auf größeren landwirtschaftlichen Betrieben leben. Unterkünfte auf Farmen müssen grundlegende Anforderungen an Sanitäreinrichtungen erfüllen. Die medizinische Versorgung muss gewährleistet sein. Maßnahmen zur Arbeitssicherheit – wie das Tragen von Schutzkleidung beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln – sind ebenfalls fester Bestandteil unseres Kriterienkatalogs.

These women, who are part of the Mam indigenous community, are harvesting pine nuts in a forest in Cajolá, Quetzaltenango
Diese Frauen gehören zur indigenen Mam-Gemeinde in Guatemala. Sie ernten Pinienkerne in Wäldern, die sie auf lokalen Märkten verkaufen. Foto: Sergio Izquierdo

Indigene Gemeinden als Verbündete

Seit jeher hat es sich die Rainforest Alliance zur Aufgabe gemacht, für die Landrechte lokaler und indigener Gemeinden einzutreten. Schon unser erster Forstwirtschaftsstandard aus dem Jahr 1989 verlangte klare Verhältnisse in Sachen Landbesitz. So konnte ein Forstbetrieb nicht zertifiziert werden, wenn Landforderungen ausstanden oder es anderweitige Konflikte gab. In den vergangenen Jahren haben wir beobachtet, dass Regierungen weltweit Landrechte verstärkt an lokale Gemeinden zurückgeben – und das nicht ohne Grund: Beispielsweise Forstgemeinden im Maya Biosphärenreservat in Guatemala, mit denen wir zusammenarbeiten, haben Landrechte erworben und nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Forstbetriebe aufgebaut. Die Entwaldungsrate dort ist auf nahezu Null zurückgegangen.

Heute arbeitet die Rainforest Alliance mit lokalen und indigenen Gemeinden in Myanmar und Indonesien zusammen, um ihnen dabei zu helfen, Landrechte zu sichern und nachhaltige Forstbetriebe zu etablieren. Wir sind davon überzeugt, es ist solches Engagement, das Entwaldung langfristig am effektivsten bekämpft. Mit Schulungen und technischer Unterstützung konnten wir Forstgemeinden in die Lage versetzen, sich gemäß FSC-Standard (Forest Stewardship Council) zertifizieren zu lassen. Als Gründungsmitglied des FSC hat die Rainforest Alliance den Standard mitbegründet.

Bewaldete Fläche in Petén, Guatemala. Foto: Sergio Izquierdo

Existenzsichernde Löhne fördern

Ein weiterer Eckpfeiler unseres Menschenrechtsansatzes ist die Förderung nachhaltiger Lebensgrundlagen. Wir sind Mitbegründer der Global Living Wage Coalition (GLWC), einer Koalition aus sechs Standardsystemen. Diese unterstützt die Entwicklung und Förderung einer neuen Methodik zur Bestimmung eines grundlegenden, angemessenen Lebensstandards in verschiedenen Ländern.

Mehr als 30 living wages in unterschiedlichen Regionen der Welt sind bereits abschließend definiert worden oder befinden sich derzeit im Bestimmungsprozess (viele weitere sollen folgen). Entsprechenden Unternehmen wird somit ermöglicht, existenzsichernde Löhne zu zahlen. In Pilotprojekten im Bananensektor Mittelamerikas testen wir Ansätze, wie sich identifizierte living wages in der Praxis umsetzen lassen.

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