Was ist klimasmarte Landwirtschaft?

Farmer rund um den Globus – insbesondere in den Tropen – spüren die Folgen des Klimawandels auf vielfältige Weise, z. B. in Form von Dürren, Schädlingen, Krankheitsbefall von Nutzpflanzen sowie veränderten Wetter- und Anbauzyklen. Farmer, die ihren Lebensunterhalt mit nur einem Rohstoff bestreiten, sind für die negativen Effekte des Klimawandels besonders anfällig. Diese wirken sich schließlich dann auch direkt auf das Einkommen aus.

Die Rainforest Alliance unterstützt Farmer dabei, sich an die verändernden Bedingungen anzupassen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch „klimasmart“. Klimasmarte Landwirtschaft ist keine neue Form der Landwirtschaft, sondern vielmehr ein Konzept, das Risiken und sinnvolle Lösungen im Kontext des Klimawandels identifiziert. Was konkret darunter zu verstehen ist? Hier sind einige Beispiele:

Blick über eine Rainforest-Alliance-zertifizierte Teefarm in Ruanda. Foto: Adam Gibbon

Wasserschutz

Landwirtschaft verbraucht rund 70 % des weltweiten Süßwasservorkommens. Zugang zu sauberem Wasser ist für alle Farmbetriebe essenziell. Aber auch wie Farmen mit Wasser umgehen, ist von großer Bedeutung – besonders in Regionen mit Wasserknappheit. Dazu gehören ein effizienter Gebrauch auf dem Farmgelände sowie ein adäquater Schutz umliegender Wasserläufe und Gewässer.

Helfen kann hier eine natürliche Vegetation entlang von Ufern. Dichter Pflanzenbewuchs kann als natürlicher Puffer dienen, um mögliche Verwehungen vom Farmbetrieb einzudämmen. Zudem ist dies auch eine gute Methode, um gegen Bodenerosion vorzugehen. Abwasser verlässt den Farmbetrieb aber früher oder später in jedem Fall. Bevor dies geschieht, ist daher eine verantwortungsvolle Aufbereitung essenziell, um negative Folgen für Menschen und Umwelt zu verhindern. Diese Kaffeefarm in Ruanda zeigt, wie gutes Wassermanagement funktioniert.

Kompostierung

Kompost kann aus vielfältigen Materialien entstehen, z. B. aus Lebensmittelabfällen oder alten Pflanzen. Somit kann durch dieses Vorgehen Müll auf Farmen reduziert werden. Ebenso wichtig: Kompostierung von organischem Material stärkt die Böden, fügt ihnen nützliche Nährstoffe zu und macht sie widerstandsfähiger gegenüber widrigen Bedingungen wie Dürren. Mit Kompostierung kann zudem der Bedarf an chemischen Düngemitteln deutlich reduziert werden (ebenso damit verbundene schädliche Emissionen) – in vielen Fällen werden sie völlig überflüssig.

Gesunde Böden sind eine Basis für höhere Rohstofferträge und damit für steigende Einkommen der Farmer. Dies wirkt dem ökonomischen Druck entgegen, für ein besseres Einkommen zusätzliche Flächen für den Anbau zu erschließen.

Frauen der Gemeinde Wamani in Ecuador nutzen Kompost als organischen Dünger. Foto: Katy Puga

Manuelle Unkrautentfernung

Rund 80 Prozent der Entwaldung (und die damit freigesetzten Emissionen) sind auf landwirtschaftliche Expansion zurückzuführen. Manchmal muss man sich die Hände schmutzig machen, um eine Aufgabe zu erledigen. Unkraut per Hand statt mit chemischen Mitteln zu entfernen, macht zwar mehr Arbeit, lohnt sich aber für Böden, den CO2-Fußabdruck und letztlich auch finanziell. So können Maßnahmen wie ein sinnvolles Unkrautmanagement dazu beitragen, diese zerstörerische Entwicklung zu stoppen.

Mahendra Peiris ist Manager des Rainforest-Alliance-zertifizierten Hapugastenna Tea Estate in Sri Lanka. Durch selektive und manuelle Entfernung von Unkraut auf seiner Farm konnte er Emissionen reduzieren und seine Erträge deutlich steigern. Der entfernte Bewuchs dient zur Kompostierung. Andere nützliche Gewächse bleiben hingegen im Feld erhalten, damit wichtige Nährstoff im Boden verbleiben.

Biologische Dünger

Biologische Dünger haben mindestens einen Vorteil: Menschen, Tiere, Pflanzen, Böden und Gewässer werden keinen synthetischen Stoffen ausgesetzt. Außerdem bergen sie nicht die Gefahr, Böden auszulaugen. Im Gegenteil: Nährstoffe können langfristig im Boden erhalten bleiben, wodurch sich häufig die Erträge steigern lassen. Gesunde Böden wiederum sind weniger anfällig für Veränderungen im Mikroklima. Kompost, tierischer Dung und anderes organisches Material – das ansonsten als Abfall gelten würde – kann zum Herstellen von biologischem Dünger verwendet werden. Hier ist ein Beispiel aus Indonesien.

Bodenerosion vorbeugen

Solche Bepflanzungen von steilen Hängen mögen wie Landschaftsarchitektur aussehen, tatsächlich ist dies aber eine effektive Methode, um Böden vor Erosion zu bewahren und Gewässer möglichst rein zu halten. Ein adäquates Bodenmanagement kann dazu beitragen, Böden nachhaltig fruchtbar zu halten und Brachflächen zu vermeiden. Nicht zuletzt sind Böden auch wichtige Kohlenstoffspeicher.

Integriertes Pflanzenschutzmanagement (IPM)

Verstärkter Krankheitsbefall von Nutzpflanzen und sinkende Erträge sind ernste Folgen des Klimawandels – für viele Farmer, insbesondere Kleinerzeuger, können sie existenzbedrohend sein. Mangels besseren Wissens reagieren viele darauf mit noch mehr chemischen Pflanzenschutzmitteln, was zunehmend negative Effekte für Menschen und Umwelt nach sich zieht. Das Konzept des Integrated Pest Management (IPM) zeigt Farmern natürliche und effektive Alternativen auf. Zum Beispiel können gegen bestimmte Schädlinge andere Insekten oder Tiere – als natürliche Feinde – eingesetzt werden. Nicht zuletzt werden mit natürlichen Lösungen auch schädliche Emissionen eingespart.

Agroforst

Neben Nutzpflanzen wie Kaffee und Kakao zusätzliche Bäume auf Farmen zu pflanzen ist keineswegs verlorenes ökonomisches Potenzial, wie so mancher denken mag. Im Gegenteil: Rohstoffe wie Kaffee und Kakao sind schattenliebende Gewächse und vertragen volle Sonnenbestrahlung nicht besonders gut. Hohe Bäume auf dem Farmgelände sind perfekt, um den nötigen Schatten zu spenden. Auf das richtige Verhältnis zwischen Sonne und Schatten kommt es nämlich an.

Nebenbei kann dies eine Reihe positiver ökologischer Folgen haben: Diese Bäume können als sogenannte „Grüne Korridore“ dienen, getrennte Waldflächen miteinander verbinden und Wanderrouten für Wildtiere wiederherstellen. In Oaxaca, Mexiko, hat die Rainforest Alliance über 250 Kaffee-Kleinerzeuger in klimasmartem Anbau geschult und Agroforstsysteme etabliert. Einblicke in das Projekt gibt das Video.

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