Eine Frau am Hebel: Von der Köchin zur Gemeindeführerin

Als Ana Elizabeth Centeno zum ersten Mal davon hörte, dass ihre Gemeinde mitten im Maya-Biosphärenreservat in Guatemala über Forstkonzessionen nachdachte (die der Gemeinde erlauben, den Wald legal zu bewirtschaften), hielt sie das für keine gute Idee. „Das widerspricht unserer Tradition, Einkommen durch Nicht-Holz-Produkte wie Xate, Chicle und Piment zu erzielen“, sagt sie. „Ich dachte, dies wäre das Ende des Waldes, wie wir ihn kennen.“ Die Konzession wurde an die Gemeinde vergeben und kurze Zeit später wurde Ana zur Witwe und stand mit vier Kindern alleine da.

Gemeindeführerin Ana Elizabeth Centeno. Foto: Sergio Izquierdo

Damals, im Jahr 1998, brauchte Ana dringend Arbeit, um für ihre Kinder zu sorgen. Sie begann Essen für die Forstarbeiter zuzubereiten. Schnell bewies sie, dass sie zu viel mehr im Stande ist. Sie bekam die Leitung des kleinen Shops übertragen, der sich in der Holzverarbeitungsstätte befindet – ein Arbeitsplatzwechsel der Ana zunächst eine Menge Stirnrunzeln einbrachte.

„Die Männer akzeptierten mich nicht, da ich streng war. Ist ihnen ein Werkzeug kaputt gegangen, so mussten sie mir erst das alte wiederbringen, bevor ich ihnen Ersatz ausgehändigt habe“, erinnert sie sich. Unbeeindruckt vom Widerstand setzte Ana ihren Weg fort und stieg im Forstbetrieb der Gemeinde immer weiter auf, unter anderem war sie als Aufseherin tätig.

Die Markierung „S“ am Baum steht für „semilla“ (zu deutsch: Samen) und bedeutet, dass dieser Baum nicht gefällt werden darf. Foto: Sergio Izquierdo

Im Jahr 2005 kamen die Rainforest Alliance und die lokale Umweltschutzorganisation Asociación de Comunidades Forestales de Petén (ACOFOP) mit einer neuen Idee auf die Gemeinde zu: Neben der nachhaltigen Forstwirtschaft könnten zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden, z. B. mit dem Handel von Xate (Blätter bestimmter Palmenarten), die häufig für Blumendekorationen verwendet werden. Schnell kam es von der Idee zur Umsetzung. Und Ana half beim Aufbau des Xate-Shops, innerhalb kürzester Zeit hatte sie bereits die Leitung inne.

„Ich habe 21 Frauen im Umgang mit Xate geschult“, berichtet sie. „Es war nicht leicht, die Ehemänner davon zu überzeugen, aber letztlich haben wir es geschafft. Ich bin froh zu sehen, dass viele Frauen nun ein wenig Geld in ihren eigenen Geldbeutel packen und darüber frei verfügen können. Und was mich richtig zufrieden stimmt: die ganzen Arbeiter, die es gewohnt waren Geld in umliegenden Gebieten zu verdienen, sie bleiben jetzt hier in der Gemeinde“, so Ana.

18 Jahre nachdem Ana ihre Zweifel an den Forstkonzessionen hatte, geht es dem Wald und der Gemeinde blendend. Heute engagiert sie sich für soziale Belange in ihrer Gemeinde. Die Konzession nennt sie den Ursprung für viele Verbesserungen. Durch das Geld, das die Gemeinde im Kollektiv erwirtschaftet hat, konnten 30 junge Menschen mit Stipendien ausgestattet und ihnen der Besuch einer Fachhochschule oder Universität ermöglicht werden. „Wir bezahlen sogar unsere Lehrer für eine Fortbildung in Erster Hilfe, was eigentlich Aufgabe des Staates ist“, erzählt sie stolz. „Mit unserem Geld haben wir sogar Leben gerettet: Ein Mädchen wurde von einer extrem giftigen Schlange gebissen. Dank unseres Kapitals konnten wir schnell ein Fahrzeug organisieren und sie ärztlich versorgen lassen.“

José Román Carrera (rechts) von der Rainforest Alliance mit Forstarbeitern im Bereich der Forstkonzession. Foto: Sergio Izquierdo

Auch die Lebensbedingungen ihrer eigenen Kinder konnte Ana durch die Konzession verbessern: „Ich wollte nicht, dass sie das gleiche erleiden, was ich erlitten habe. Ich konnte ihnen ein Studium ermöglichen, allein auf Basis meiner Tätigkeiten im Forstbetrieb. Jetzt arbeiten sie in den umliegenden Städten. Ich kann heute sagen, dass ich meine Rolle als Frau und Mutter erfüllt habe, da ich meinen Kindern neue Wege ebnen konnte.“

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