„Farmer sehen die Ergebnisse mit eigenen Augen“

Elijah Owusu-Cashiekrom, Kakaofarmer in Juabeso-Bia, Ghana

„Wir besuchen jedes einzelne Haus, um sicher zu gehen, dass alle das richtige tun“, berichtet Elijah Owusu-Cashiekrom, Kakaofarmer in Juabeso-Bia, Ghana. Was sich zunächst autoritär anhört, beschreibt in Wahrheit eine Erfolgsgeschichte. Sie zeigt, wie sich Farmer und ihre Familien – nach einer gewissen Starthilfe – zu nachhaltigen und unabhängigen Produzentengemeinden entwickeln können.

Alles ist miteinander verbunden

Seit acht Jahren arbeiten Kakaofarmer der Region Juabeso-Bia im Westen Ghanas mit der Rainforest Alliance zusammen. Dort ist der Anbau von Kakao für viele Menschen eine wichtige Einkommensquelle, gleichzeitig aber auch eine wesentliche Ursache für Entwaldung. Die Folgen des Klimawandels stellen die Farmen vor große Probleme: längere Trockenzeiten, unberechenbare Regenfälle, sinkende Erträge oder gar Ernteausfälle. Besonders für die vielen Kleinerzeuger ist das gravierend.

Als die Rainforest Alliance mit der Arbeit begann, wurden zunächst gemeinsam mit den Farmern zentrale Strukturen und Institutionen geschaffen. Die Hoffnung der Farmer: Ein höheres Einkommen durch nachhaltigen Anbau zu erzielen. Nachdem sie an Schulungen der Rainforest Alliance teilgenommen hatten, begriffen sie aber, dass alles miteinander zusammenhängt: der Erhalt der Wälder, ein stabiles Mikroklima sowie bessere Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort.

Feste Strukturen und institutionalisierte Prozesse

Ehrung auf der Rainforest Alliance Gala 2018

Mit Unterstützung der Rainforest Alliance riefen die Farmer ein Gremium zur Landnutzung ins Leben, das Land Management Board (LMB). Dieses Gremium überwacht alle Agrar- und Umweltschutzmaßnahmen und trägt bei Farmern und an Schulen der Region zur Klimabildung bei. Heute hat das LMB bereits alle Erwartungen aus der Startphase übertroffen. Es agiert mittlerweile völlig selbstständig und autark. „Wir haben auch Gemeindeforen. Wir tun wirklich alles gegen den Klimawandel. Es ist unsere Pflicht“, so Kakaofarmer Elijah, der auch LMB-Vorsitzender im Bereich Waldmanagement ist. Für ihr herausragendes Engagement wurden die Farmer des Projekts auf der Rainforest Alliance Gala 2018 mit dem „Community Award“ geehrt.

36 Gemeinden sind im LMB repräsentiert, die zusammen über 29.000 Hektar Land besitzen. Darunter sind 3.033 Farmen mit einer Anbaufläche von 6.464 Hektar, allesamt Rainforest-Alliance-zertifiziert. Sie tragen dazu bei – zentral unterstützt vom LMB – dass nachhaltiger, klimasmarter Anbau zur Norm wird. Sie schützen Wälder, darunter fünf Regionen von besonders hohem Erhaltungswert (HCV – High Conservation Value Areas) und forsten degradierte Flächen wieder auf: bislang zählen sie rund 58.600 neugepflanzte Bäume. Auf ihrem Farmgelände stellen die Farmer ihren Betrieb auf Agroforstsysteme um. Zwischen den Kakaobäumen stehen mittlerweile über 50.000 zusätzliche Bäume, die als Schattenbäume dienen. Das steigert die Produktivität der Farm und wirkt sich auch positiv auf die Klimabilanz und die Umwelt aus.

Schulung der Rainforest Alliance von Kakaofarmern in Ghana. Foto: Marcus Schaefer

Ökologischer und finanzieller Nutzen

„Die Farmer sehen die Ergebnisse mit ihren eigenen Augen“, so Elijah. Aufgrund von Entwaldung sei das Wasser in den Flüssen während der Trockenzeiten vollständig verschwunden. Dies änderte sich, nachdem entlang der Ufer wieder aufgeforstet wurde. „Das Wasser fließt jetzt das ganze Jahr über, so wie es sein sollte.“

Die ökonomischen Vorteile des nachhaltigen Anbaus sind ebenso deutlich: Vom Jahr 2012 bis 2017 konnten die Farmer in Juabeso-Bia ihre durchschnittlichen Kakaoerträge von 250 Kilogramm pro Hektar auf 800 Kilogramm pro Hektar mehr als verdreifachen. Für die Rainforest-Alliance-Zertifizierung erhalten sie zudem eine Sonderprämie vom Unternehmen Olam ausgezahlt.

Foto: Marcus Schaefer

Nachhaltigkeit ist mehr als nur Kakao

Neben dem Kakao diversifizieren die Farmer ihre Betriebe, um ihr Einkommen breiter aufzustellen, z. B. mit Bienenzucht. Anthony Adom, unser Experte in Ghana, berichtet, Farmer würden üblicherweise an den Honig gelangen, indem sie die Bienen mit Feuer vertreiben – manchmal verursache das sogar Waldbrände. In Schulungen hätten die Farmer in Juabeso-Bia Alternativen aufgezeigt bekommen. Auch sind Grasnager in der Gegend ein häufiges Jagdziel, da ihr Fleisch als Delikatesse gilt. Die Rainforest Alliance hat ihnen vermittelt, wie sie diese Tiere auf ihrer Farm selber züchten können, um Eingriffe in umliegende Ökosysteme zu vermeiden.

Anthony Adom, Landscapes & Communities Senior Associate bei der Rainforest Alliance in Ghana

Solche Nebentätigkeiten generieren nicht nur zusätzliches Einkommen für Farmer und ihre Familien, sondern schaffen auch Arbeit, zum Beispiel für lokale Zimmermänner, die die Behausungen für Bienen und Grasnager bauen. Elijah stimmt stolz und selbstbewusst zu: „Wir machen unsere Sache klasse. Wir hoffen, es hilft Ghana und hat auch internationale Tragweite. Denn ich weiß, dass es mit uns nicht endet.“

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