„Eltern und ihre Kinder macht es gleichermaßen stolz.“

Ihr Interesse an Zertifizierung und dessen Effekten reicht über zehn Jahre zurück. Damals war Dr. Ximena Rueda als Strategic Marketing Director für die Vereinigung Kolumbianischer Kaffeefarmer tätig. Heute ist sie Dozentin und leitet den Bereich Nachhaltigkeit an der School of Management der Universidad de los Andes in Bogotá. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte sie sich auch mit den Auswirkungen der Rainforest-Alliance-Zertifizierung. Deanna Newsom von der Rainforest Alliance hat mit Dr. Ximena Rueda über die Ergebnisse gesprochen.

Deanna Newsom: In einer Ihrer Studien konnten wir lesen, dass Farmer auf zertifizierten Farmen besser organisiert seien und diese ihr Wissen vermehrt untereinander teilen würden. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Dr. Ximena Rueda

Dr. Ximena Rueda: Die Vereinigung Kolumbianischer Kaffeefarmer ist ein starker Verband, der sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat. Die Angestellten der Vereinigung werden dahingehend geprüft, ob die Farmen, für die sie zuständig sind, die Zertifizierungsprozesse erfolgreich absolvieren.

Zertifizierte Farmen erhalten vielfältige Unterstützung. Sie haben Zugriff auf Studienergebnisse von Cenicafé (dem Forschungszentrum des Verbands) und profitieren über den Verband von Zuwendungen der Regierung und internationalen Organisationen, die sich für bessere Qualität, höhere Produktivität und mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Diese Art der Zusammenarbeit von Farmern war in Kolumbien ein Schlüsselfaktor für die Umsetzung nachhaltigerer Anbaumethoden.

DN: Sie sagen auch, Kinder auf zertifizierten Farmen würden einen signifikant höheren Bildungsgrad erreichen als Kinder auf nicht-zertifizierten Farmen. Woran könnte das liegen?

XR: Es ist kein Geheimnis, dass viele Kaffee-Kleinerzeuger nicht gut gebildet sind. Im Durchschnitt haben sie nur die Grundschule besucht. Wir fragten uns, wie sie es schaffen, die teils detaillierten Anforderungen der Rainforest-Alliance-Zertifizierung zur Dokumentation ihres Farmbetriebs zu erfüllen. Es zeigte sich, dass ihnen die Kinder dabei helfen, da sie gebildeter sind als ihre Eltern.

Dr. Ximena Rueda (links) auf Farmbesuch.

Wir wussten nicht, ob diese Farmerfamilien schon vor der Zertifizierung besser gebildete Kinder hatten oder ob die Eltern auf zertifizierten Farmen den Wert von Bildung erkannten und sich deshalb entschieden, ihre Kinder länger zur Schule zu schicken. Die Vereinigung Kolumbianischer Kaffeefarmer ist überzeugt, Letzteres sei der Fall. Und das macht Sinn: Schließlich sehen Eltern auch den dadurch entstehenden Mehrwert für ihre Farm. Vor Ort sahen wir, dass Kinder – wenn sie heranwuchsen – immer mehr in die Führung von Farmen und bei wichtigen Entscheidungen einbezogen werden. Eltern und ihre Kinder macht es gleichermaßen stolz.

DN: Häufig hören wir von Auditoren und Technikern, dass benachbarte Betriebe mit der Zeit beginnen würden, nachhaltige Methoden zertifizierter Farmen freiwillig zu übernehmen. Eine Ihrer Studien bestätigt das.

XR: Wir schauten uns Gegenden in den Anden an – eine Region mit vielen zertifizierten Farmen – und stellten fest, dass sich Wälder dort erholen. Während zertifizierte Kaffeefarmen an der Spitze der Bewegung stehen, übernehmen auch nicht-zertifizierte Farmen nachhaltige Methoden, weil sie die Vorteile darin erkennen, wenn sie ihre Wasserressourcen schützen und sich auf die Effekte durch El Niño vorbereiten.

Kaffeekirschen zu pflücken ist Handarbeit.

Wir haben auch Fälle gesehen, wo Farmer aus der Zertifizierung ausgestiegen sind. Vielleicht waren sie enttäuscht darüber, dass sie keinen Preisaufschlag für ihren Kaffee erzielen konnten oder waren es leid, jedes Jahr ein Audit durchlaufen zu müssen. Die nachhaltige Anbauweise haben sie jedoch beibehalten. Was sie gelernt haben, scheint für sie von Wert zu sein.

Zertifizierte Kooperativen haben in den jeweiligen Regionen außerdem zu besserer Transparenz und Rückverfolgbarkeit aller Kaffeefarmen geführt. Preise und Aufschläge wurden öffentlich gemacht – getrennt nach zertifizierter und nicht-zertifizierter Ware. Dies hat die Glaubwürdigkeit der Zertifizierung gestärkt.

Blick auf eine Kaffeefarm in Kolumbien: Hier wird Rainforest Alliance Certified-Kaffee angebaut.

DN: Was steht für Sie als nächstes an?

XR: Wir beobachten, dass einige Strategien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels nicht homogen in allen Landesteilen umgesetzt werden, so zum Beispiel der Einsatz von Kaffeepflanzen, die weniger krankheitsanfällig sind. Abgesehen von entsprechenden Anreizen: Weshalb tun dies einige Farmer und andere nicht? Gibt es andere Wege, die uns derzeit nicht bewusst sind? Oder ist variables Mikroklima die Erklärung?

Mich interessiert auch, wie sich umliegende Landschaften auf die Artenvielfalt auf den Farmen selbst auswirken. Beeinflusst ein Naturschutzgebiet neben einer Farm das Aufkommen von Wildtieren auf dem Farmland? Das sind alles Fragen, denen ich mich widmen möchte.

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