Wenn die Temperatur das Geschlecht bestimmt

Dann bekommt die Erderwärmung eine ganz neue Bedeutung. So etwa für Reptilien. Ob Männchen oder Weibchen aus den Eiern schlüpfen, bestimmt bei ihnen nämlich nicht die Genetik. Entscheidend ist die Umgebungstemperatur der Nistplätze. Bei der temperaturabhängigen Geschlechterdetermination (TGD) werden drei Typen unterschieden:

Typ 1a: Bei hohen Temperaturen entwickeln sich Weibchen, bei niedrigen Temperaturen Männchen.

Typ 1b: Bei hohen Temperaturen entwickeln sich Männchen, bei niedrigen Temperaturen Weibchen.

Typ 2: Bei hohen und niedrigen Temperaturen entwickeln sich Weibchen, bei mittleren Temperaturen Männchen.

Krokodile zum Beispiel gehören zu Typ 1b. Bei Temperaturen bis zu etwa 30 Grad Celsius schlüpfen Weibchen aus den Krokodileiern. Ab 34 Grad Celsius entstehen fast nur noch Männchen. Liegen die Temperaturen dazwischen, sind beide Geschlechter möglich. Bei Schildkröten ist es genau umgekehrt. Sie gehören zu Typ 1a.

Foto: Forrest Cornwell

Klimawandel kann zu Geschlechterüberschuss führen

Die Erderwärmung im Zuge des Klimawandels kann hier gravierende Folgen haben. Mit steigenden Temperaturen könnte es bei vielen Arten künftig einen starken Geschlechterüberschuss geben. Im Extremfall schlüpfen dann Nachkommen nur noch eines Geschlechts aus den Eiern, was die jeweilige Art langfristig vom Aussterben bedrohen würde. Chinesische Forscher haben herausgefunden, dass Schildkröten sich bereits im Ei versuchen davor zu schützen: Die Embryonen bewegen sich nämlich aktiv zu der Seite im Ei, wo die Temperaturen am angenehmsten für sie sind.

Am Great Barrier Reef bereits Realität

Dass dieses verheerende Szenario schon heute durchaus real ist, zeigt das erschreckende Ergebnis einer Untersuchung von Meeresschildkröten am Great Barrier Reef in Australien. Eine Forschergruppe wollte dort das Verhältnis zwischen Weibchen und Männchen ermitteln und stellte fest: Es liegt momentan bei 116:1 – zugunsten der Weibchen. Mit einem Überschuss an Weibchen hatten die Forscher wegen der gestiegenen Temperaturen zwar gerechnet. Dieses Ergebnis sei aber „deutlich schlimmer als befürchtet“ und „extrem – und zwar die Art von extrem mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen“.

Foto: David Nunez

In wie vielen Regionen sich der Klimawandel derzeit so dramatisch auf die Tierwelt auswirkt, weiß niemand. Klar ist: Mit zunehmender Erderwärmung wird man sich solche Fragen bald nicht mehr stellen müssen.

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