„Bisher wurden wir nie gefragt“

Traditionen, Werte und enormes Wissen über ihr Land zeichnen indigene Gemeinden aus. Sie haben ein natürliches Interesse am Erhalt der Wälder, schließlich sind Wälder für sie seit jeher Lebensraum und Nahrungsquelle. Indigene an Initiativen zum Walderhalt zu beteiligen ist daher nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig.

In diesem Sinne ist das neue Finanzierungsprogramm Dedicated Grant Mechanism (DGM) des Strategic Climate Fund der Weltbank einzigartig. Die Idee: Projekte und alle damit verbundenen relevanten Entscheidungen in die Hände der lokalen Leute legen. Sie selbst sollen Prioritäten festlegen, Programme umsetzen und Wälder schützen. In 14 Ländern rund um den Globus sind bereits solche Pilotprojekte gestartet. Darunter auch eines in Mexiko, das zunächst auf fünf Jahre angelegt ist. Dort ist die Rainforest Alliance die ausführende Organisation.

 

Blick auf das Calakmul Biosphärenreservat in Campeche, Mexiko. Foto: Michael Toolan

Pilotprojekt in Mexiko

Die Fläche Mexikos ist zu etwa einem Drittel bewaldet. Was den Netto-Waldverlust (Verhältnis zwischen Aufforstung und Entwaldung) betrifft, wird das Land jedoch unter den Top-10-Staaten mit den größten Verlusten geführt. Gemeinden in Mexiko, die vom Wald abhängig sind, leben häufig in Armut, über ein Viertel ist sogar von extremer Armut betroffen. Mit dem neuen Projektansatz soll positiver Wandel von unten heraus bewirkt werden – damit Menschen und Natur in Mexiko gleichermaßen davon profitieren.

„Der Ansatz ist entscheidend: Alle Dinge werden von indigenen Leuten und Repräsentanten der lokalen Gemeinden geregelt. Wir sind diejenigen, die alle wichtigen Entscheidungen treffen“, sagt Matilde Rosas Hernández von Ejido San Francisco Botes, einem Betrieb der Holz- und Nicht-Holzprodukte in Quintana Roo herstellt. In Zahlen heißt das: Dem Komitee aus indigenen und lokalen Gemeinden stehen in den fünf Jahren des Projekts über 3 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Es ist kein Zufall, dass das Pilotprojekt in Mexiko in den fünf Bundesstaaten mit den höchsten Entwaldungsraten des Landes durchgeführt wird – Yucatán, Quintana Roo, Campeche, Jalisco und Oaxaca. Das Projekt ist so breit gefasst, dass möglichst viele Menschen erreicht werden können: Ob Kaffee Kleinerzeuger, Kakao- und Rinderfarmer oder benachteiligte Bevölkerungsgruppen wie Frauen und junge Menschen.

„Dieses Modell ist beispiellos“

„Diese Initiative ist aufgebaut auf unseren Bedürfnissen. Das ist etwas Neues. Bisher wurden wir nie gefragt“, berichtet Juan Ortegón von Ejido Miguel Colorado, einer Gemeinde, die Holz- und Nicht-Holzprodukte sowie Tourismus anbietet. „Diese Initiative gehört den indigenen Leuten und lokalen Gemeinden.“

Über 100 Gruppen nehmen an der Initiative in Mexiko teil. Die Rainforest Alliance unterstützt sie zielgerichtet je nach Herausforderung und leitet sie aus technischer Perspektive bei der Förderung nachhaltigere Methoden auf ihren Betrieben. Gleichzeitig sollen Verbindungen zum Markt und zu weiteren Finanzierungen geschaffen werden. Insgesamt sollen über 2.500 Menschen durch das Projekt profitieren. 80 speziell geschulte Techniker in den Gemeinden sorgen dafür, dass das Know-how über die fünf Jahre des Projekts hinaus weiter angewendet und umgesetzt wird.

Edgar González Godoy, Rainforest Alliance director of Mexico

„Dieses Modell ist beispiellos“, sagt Edgar González Godoy, Director Mexico bei der Rainforest Alliance. „Die Stimmen der anbauenden Gemeinden in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen Entscheidungsbefugnisse vollständig zu übertragen ist nicht nur neu, es hat das Potenzial, sie aus der Armut zu befreien, ökonomischen Erfolg langfristig zu sichern und Wälder effektiv zu schützen.“

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