Artenvielfalt, Wälder und wir

Ob Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Tourismus, ob in Zusammenarbeit mit Farmern, Politik oder Unternehmen: Unser Engagement gilt seit jeher dem Erhalt der Wälder und der Artenvielfalt. Oft sind unterschiedliche Wege nötig, um Fortschritte zu erzielen. Unsere Arbeit kann daher je nach Ort und Herausforderung anders aussehen. Vier Beispiele:

Bärenkuskus

Kein Bär, sondern ein auf Bäumen lebendes Beuteltier: Seinen Namen verdankt der Bärenkuskus seinem dicken, braunen Fell. Weltweit kommen sie nur in Sulawesi, Indonesien vor. Als wir unsere Arbeit mit 1.500 Kakao-Kleinbauern in der Region Bantaeng im Süden der Insel begannen, bemerkten wir schnell, was so unscheinbar vor sich ging: Die Farmer jagten und töteten den Bärenkuskus. Sie glaubten, er würde ihre Kakaofrüchte an den Bäumen anknabbern – was nicht stimmte.

Foto: iStock

Wir vermittelten den Farmern, wie sie Kakao so anbauen, dass die Böden gesund bleiben, umliegende Wälder und Gewässer geschützt werden und Erträge signifikant steigen können. Außerdem erklärten wir, dass der Bärenkuskus von der indonesischen Regierung unter Schutz gestellt ist und dass er rein gar nichts mit den angeknabberten Kakaofrüchten zu tun hat (vielmehr sind Nagetiere dafür verantwortlich). Ihre Jagd auf diese Tiere hat seitdem ein Ende.

Jaguar

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Jaguar-Populationen um rund 50 Prozent geschrumpft. Die Ursache ist zumeist Entwaldung oder Wilderei. Der Forstbetrieb CINMA-San Martín in Bolivien bewirtschaftet über 119.000 Hektar Wald im Bajo Paragua Reservat im Amazonas-Regenwald. Das Unternehmen ist von der Rainforest Alliance gemäß FSC-Standard (Forest Stewardship Council) für nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert. In einem Projekt mit Panthera und der Universidad Autónoma Gabriel René Moreno hat der Betrieb 26 Kameras aufgestellt, die das Waldgebiet filmten – 24 Stunden am Tag, 71 Tage lang. In dieser Zeit lief über 200 Mal ein Jaguar vor die Linse. Es waren mindestens zehn Individuen. Keine der über 20 vorherigen Studien konnte so viele einzelne Jaguare in dieser Region dokumentieren.

Foto: Rosario Arispe & Claudia Venegas

Das sind super Nachrichten. Denn: Jaguare sind eine Indikatorspezies. Ihr Vorkommen weist auf ein intaktes Ökosystem hin. Auch gelten Jaguare als „Schirmspezies“ (umbrella species). Schützt man sie, werden auch zahlreiche weitere Wildtiere desselben Lebensraums geschützt. Das bestätigen auch die Kameraaufnahmen: 32 weitere Säugetiere wie Klammeraffen, Riesenotter und Riesengürteltiere (deren Populationen allesamt schrumpfen) wurden bildlich erfasst. Man sieht: Alles ist miteinander verbunden.

Pappelwaldsänger

Das Waldgebiet in den Appalachen im Osten der USA zählt zu den artenreichsten gemäßigten Wäldern der Welt. Mit 158 verschiedenen Baumarten befindet sich hier die größte Pflanzenvielfalt in ganz Nordamerika und Lebensraum für zahlreiche Wildtiere. Im Jahr 2016 hat die Rainforest Alliance die Appalachian Woodlands Alliance (AWA) ins Leben gerufen. Sie setzt sich dafür ein, dass dies so bleibt. Mit an Bord sind Forstwirte, Landbesitzer im Südosten der USA, Unternehmen und der US Forest Service, eine Behörde des US-Landwirtschaftsministeriums. Außerdem soll die lokale Wirtschaft durch nachhaltige Forstwirtschaft gestärkt werden.

Foto: US Department of Agriculture

Beispielhaft für die reiche Artenvielfalt der Region in den Appalachen steht der Pappelwaldsänger. Dieser kleine Zugvogel brütet in den Appalachen (von Ende April bis August), bevor er sich auf den langen Weg in Richtung Süden macht, um z. B. in den Anden in Südamerika zu überwintern. Häufig sieht man Pappelwaldsänger auf Kaffeefarmen mit vielen Schattenbäumen – genau die Art von Anbau, die wir fördern. Auf Kaffeefarmen mit Schattenbäumen in Kolumbien war die Vogeldichte drei bis 14 Mal höher als in den umliegenden Primärwäldern.

Nachtaffe

Zugvögel sind nicht die einzigen Tiere, die Farmen mit Schattenbäumen mögen. Eine Studie bestätigte, dass Rainforest-Alliance-zertifizierte Kaffeefarmen als Verbindungen und Durchgangsrouten zwischen einzelnen Wäldern und Naturräumen fungieren – und somit auch selbst für viele Tiere als Lebensraum dienen, darunter der gefährdete Nachtaffe. „Nur selten kann man einen Nachtaffen erblicken, denn sie sind nachtaktiv und verbringen die meiste Zeit in den Baumkronen“, so Deanna Newsom, Senior Analyst for Evaluation and Research bei der Rainforest Alliance. „In Kolumbien fanden wir heraus, dass eine Gruppe Nachtaffen auf der Futtersuche genauso viel Zeit auf Kaffeefarmen mit dichten Schattenbäumen verbringt wie im Regenwald.“

Foto: Cody Conway

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