Die Welt will Bananen

Von Jan ’t Lam, Global Fruit Lead bei der Rainforest Alliance

Der weltweite Hunger nach Bananen ist riesig und noch immer stammt der überwiegende Anteil der Bananenernte aus konventionellem Anbau, also von Farmen und Plantagen, die nicht von unabhängigen Auditoren geprüft werden und die sich keinen nachhaltigen Anbaumethoden verpflichtet haben. Im Jahr 2016 wurden weltweit mehr als 113 Millionen Tonnen Bananen geerntet, zwei Millionen Tonnen weniger im Vergleich zum Rekordjahr 2015 (Food and Agriculture Organization of the United Nations FAO 2017). Nahezu die Hälfte davon ist die kernlose Cavendish-Banane, die in Europa nahezu 100 Prozent aller verkauften Bananen ausmacht (FAO 2018). Zum Vergleich: Die globale Apfelernte betrug im gleichen Jahr rund 89 Millionen Tonnen, die von Orangen ca. 70 Millionen Tonnen (FAO 2018). Damit bleibt die Banane weltweit unangefochten die beliebteste Frucht.

In Europa liegt der durchschnittliche Verzehr von Bananen pro Kopf und Jahr bei rund 8,5 kg, in Deutschland sind es sogar mehr als elf Kilogramm. Entsprechend hoch sind die Importe: Mehr als fünf Millionen Tonnen Bananen werden jährlich in Länder der Europäischen Union importiert – über 70 Prozent werden aus Zentralamerika importiert, 3,5 Millionen Tonnen stammen aus Ecuador, Kolumbien und Costa Rica (FAO 2017).

Für die Landwirtschaft in den Anbauländern ist der globale Bananenhunger eine stattliche Herausforderung, die drei größten Problemstellungen sind aus meiner Sicht:

1. Soziale Missstände

2. Ökologische Missstände

3. Der übermäßige und falsche Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln

Soziale Missstände

Aus unserer über 20-jährigen Arbeit in Ländern, in denen Bananen angebaut werden, wissen wir, dass Arbeiter zum Teil immer noch für niedrigste Löhne arbeiten und unter erbärmlichen Verhältnissen leben müssen. Es ist außerdem bekannt, dass auf konventionellen Farmen Schutzkleidung nicht immer ausgegeben wird und auch, dass Schulungen für den richtigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln nicht immer angeboten werden. Wo es systemische Ausbeutung gibt, wo Arbeiter keinen Zugang zu Arbeitnehmervertretungen oder Gewerkschaften haben und wo die Gesundheit der Arbeiter oder deren Familien auf dem Spiel steht, müssen alle Beteiligten gemeinsam daran arbeiten, die Missstände zu beseitigen.

Die Rainforest Alliance als globale non-profit Organisation steht zu ihrer Verantwortung und arbeitet in einer Vielzahl von Projekten zur Verbesserung der Situation vor Ort. Wir fordern alle auf, namentlich die Produzenten im Ursprung, die lokalen Regierungen, internationale Handelsorganisationen und andere NGOs, auf Missstände zu achten, sie zu benennen und sich mit Nachdruck gemeinsam für Verbesserungen einzusetzen. Die Rainforest Alliance hat wichtige Schritte eingeleitet: Im 2017 Rainforest Alliance Standard für Nachhaltige Landwirtschaft beziehen sich mehr als die Hälfte (20 von 37) der Kritischen Kriterien auf die Lebensbedingungen, das Einkommen, die Wohnsituation und die Sicherheit der Arbeiter auf den Farmen. Betriebe, die gegen diese Vorgaben verstoßen, werden suspendiert und, wenn sich die Situation nicht verbessert, dezertifiziert. Gleichzeitig unterstützen wir Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen in ihrer Arbeit. Insbesondere in Ecuador und Costa Rica haben wir den Dialog mit Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften intensiviert.

Ein Arbeiter auf einer Rainforest-Alliance-zertifizierten Bananenfarm in Costa Rica.

Die Rainforest Alliance ist außerdem ein aktives Mitglied der Global Living Wage Coalition und tritt hier global zusammen mit Organisationen wie Fairtrade International, Forest Stewardship Council, GoodWeave International, Social Accountability International und dem Sustainable Agriculture Network für soziale Gerechtigkeit ein. Auch engagiert sich die Rainforest Alliance mit vielen weiteren Stakeholdern des Bananensektors im World Banana Forum für Verbesserungen im Anbau. Darüber sind die ILO-Kernarbeitsnormen integrale Bestandteile des Standards.

Ökologische Missstände

Mit einem durchschnittlichen Ertrag von rund 21 Tonnen pro Hektar ist die Bananenpflanze sehr produktiv, im kommerziellen Anbau der Sorte Cavendish werden sogar bis zu 50 Tonnen pro Hektar erreicht. Um den gigantischen weltweiten Bedarf zu decken, werden mehr als fünf Millionen Hektar Anbaufläche benötigt – das entspricht etwa der Größe Kroatiens. Viel Fläche an Ursprungswäldern ist verloren gegangen. Das Rainforest Alliance Zertifizierungs-Programm fordert unter anderem, dass Farmer natürliche Ökosysteme erhalten und dass nur Farmen zertifiziert werden können, die nach dem 1. November 2005 keine Areale mit hohem Erhaltungswert zerstört haben. Im zweiten Kapitel unseres Standards fordern wir explizit den Erhalt von Biodiversität. Farmer müssen ihren Beitrag zur Aufforstung und der natürlichen Vegetation leisten. Und wir ermutigen sie dadurch auch, ihre Produktion zu diversifizieren, also vielfältiger aufzustellen. Das Aufbrechen von Monokulturen schützt darüber hinaus vor Ernteausfällen, die im Zuge des Klimawandels in der nahen Zukunft wahrscheinlicher werden. So zeigen wir Wege zur Schaffung von Permakulturen und klimasmarter Landwirtschaft auf.

Der Standard schreibt den Schutz natürlicher Gewässer und Vegetation vor.

Ohne Pflanzenschutzmittel wird es (noch) nicht gehen

Ein weiterer und häufig berechtigter Kritikpunkt am Bananenanbau ist der Einsatz von Pestiziden und Fungiziden. Die Rainforest Alliance hat strenge und robuste Regeln für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf zertifizierten Farmen entwickelt und im 2017 Standard festgeschrieben. Verschiedene Wissenschaftler wurden hierzu während der Standardentwicklung konsultiert. Dabei setzen wir auf Schulungen und fordern den Schutz der Arbeiter und der Natur. Auch für das in der Praxis gängige Verfahren des Aufbringens von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft bestehen strikte Regeln, die im 2017 Standard noch verschärft wurden.

Es besteht Einigkeit darüber, dass ein konventioneller Anbau von Bananen in tropischen Regionen in den nachgefragten Mengen ganz ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln noch nicht möglich ist. Vor diesem Hintergrund erlaubt die Rainforest Alliance in ihrem Standard zwar den kontrollierten Einsatz bestimmter Substanzen und orientiert sich bei der Verbotsliste an internationalen Vereinbarungen der WHO und FAO. Allerdings sieht der Rainforest Alliance Standard strikte Regeln zum Beispiel in Bezug auf das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft vor. Umfangreiche Schulungen, das Tragen von Schutzkleidung, das Beflaggen zur Kenntlichmachung der besprühten Flächen und spezifische Betretungsregeln der Plantagen nach dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind Teil der definierten Schutzmaßnahmen auf zertifizierten Farmen. Einige Stoffe sind auf zertifizierten Farmen nur noch bis zum 1. Juli 2020 zugelassen.

Derzeit stammen rund sechs Prozent der weltweit produzierten Bananen von Rainforest-Alliance-zertifizierten Farmen und werden demnach nachhaltig erzeugt. Zertifizierung ist kein Allheilmittel und kann die komplexen Herausforderungen nicht alleine lösen. Es fördert aber positive Veränderungen. Sie trägt messbar und unstrittig zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter in den Anbauländern bei, hilft Biodiversität zu erhalten, natürliche Lebensräume zu schützen und steigert die Produktivität der Farmen.

Durch den Zusammenschluss mit UTZ wird die neue Rainforest Alliance noch mehr Arbeit im Ursprung leisten können – davon werden auch die Arbeiter auf den Bananenplantagen profitieren. Das ist auch nötig, da die globalen Herausforderungen größer werden, so entwickelt sich der Hunger nach Bananen auch in Ländern wie Russland sehr stark, so dass die Nachfrage wächst und der Druck auf die Produzenten steigen wird. Umso wichtiger ist es dann, für nachhaltige Praktiken zu kämpfen.

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