„Bin ich im Wald, fühle ich mich zu Hause“ – Guatemala und Indonesien im Austausch

Exchange_34729303782_086ef4de07_o2Seit neun Generationen sei er der erste seines Clans, der die Heimat verlässt, erzählt uns Arkilaus Kladithat aus Papua, Indonesien. „Die meisten von uns besaßen nicht einmal Pässe als wir die Reise planten“, fügt er hinzu. Zusammen mit vier weiteren Gemeindevertretern aus Indonesien hat er sich auf den weiten Weg nach Guatemala ins Maya Biosphärenreservat gemacht. Dort möchten sie sich nachhaltige und produktive Forstbetriebe der indigenen Gemeinden vor Ort mit eigenen Augen ansehen.

Indigene Gemeinden sind Verbündete beim Walderhalt

Das Maya Biosphärenreservat erstreckt sich über eine Fläche von 2,1 Millionen Hektar. Rund 20 Prozent der Fläche darf von lokalen Gemeinden zur Ernte von Holz und weiterer Waldprodukte genutzt werden. Die Entscheidung, solche Forstkonzessionen an lokale Gemeinden im Reservat zu vergeben, war kontrovers. Viele zweifelten an der Fähigkeit der Gemeinden, die Waldflächen nachhaltig zu bewirtschaften. Der Verband der Waldgemeinden in Petén (ACOFOP – Association of Community Forests of the Petén) konnte im Jahr 1996 eine entsprechende Klausel im Friedensabkommen durchsetzen, das den 36 jährigen Bürgerkrieg in Guatemala beendete.

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Blick über das Maya Biosphärenreservat in Petén, Guatemala. Foto: Sergio Izquierdo

Über 20 Jahre später sprechen die Zahlen für sich: In den Gebieten der Forstkonzessionen ist die Entwaldungsrate bei nahezu Null angelangt. In umliegenden Gebieten, die als geschützt gelten, wurden hingegen weite Teile gerodet – häufig aufgrund von Rinderhaltung in Verbindung mit dem organisierten Verbrechen.

Beispiele wie diese tragen dazu bei, dass die Übertragung von Landnutzungsrechten durch Regierungen an indigene Gemeinden in den Tropen zum Trend wird. In Indonesien, wo Entwaldung ein massives Problem ist, plant die Regierung im kommenden Jahr 12,7 Millionen Hektar Wald an lokale Gemeinden zu übergeben.

Auch im Dialog mit Repräsentanten lokaler NGOs wie hier Organización, Manejo y Conservación (OMYC) erfahren die Vertreter aus Indonesien viel über den langen Entwicklungsprozess in Guatemala.

Diversifizierung im Anbau stärkt lokale Wirtschaft

„Ich fühle mich wohl hier, denn der Wald ist flächendeckend gut erhalten, so wie bei uns zu Hause“, sagt Arkilaus während wir durch das grüne Dickicht wandern. „Und bin ich im Wald, fühle ich mich zu Hause.“

Beeindruckt sind die Besucher aus Indonesien insbesondere über das, was die Gemeinde in Guatemala mit dem Handel von Xate erreicht hat. Das sind bestimmte Palmwedel, die z. B. für Blumendekorationen verwendet werden und von denen die Gemeinde eine Menge in die USA und nach Kanada exportiert. Vergleichbares könnten sie sich auch in ihren Wäldern in Indonesien vorstellen – vorausgesetzt sie finden Zugang zu entsprechenden Abnehmermärkten.

Die Besucher aus Indonesien lassen sich die Abläufe des Xate-Betriebs erklären – und denken über mögliche Adaptionen in ihrer Heimat nach.

Mögliche negative Folgen für die Umwelt sind bei solchen Überlegungen stets präsent. Arkilaus und seine Gemeinde wissen, wovon sie sprechen: In ihrer Heimat haben sie sich erfolgreich gegen rücksichtlose Entwaldung gewehrt. Zusammen mit benachbarten Gemeinden organisierten sie ihren Widerstand, erreichten sogar internationale Aufmerksamkeit und konnten letztlich illegale Landnahme und Kahlschlag in ihrer Region stoppen.

Landnutzungsrechte eindeutig zu klären und nachhaltige Betriebe zu etablieren ist ein wichtiger Hebel, um Wälder zu schützen. Ziel muss es sein, eine indigene Wirtschaft aufzubauen, die verschiedene Wald-, Holz- und Nicht-Holzprodukte sowie Tourismus umfassen kann und diese mit entsprechenden Abnehmermärkten zu verknüpfen. Indigene Gemeinden können so langfristige, unabhängige wirtschaftliche Perspektiven entwickeln und gleichzeitig natürliche Lebensräume erhalten.

Tradition und Moderne funktionieren gemeinsam

Gemeinden wie die von Arkilaus stehen gerade am Anfang eines solchen Weges. Die Rainforest Alliance (zusammen mit der Ford Foundation und lokalen NGOs) begleitet sie dabei. Vor diesem Hintergrund wurde auch die Reise nach Guatemala organisiert. Inspiration, Erfahrungsaustausch und neue Sichtweisen können einen zusätzlichen Impuls geben, um zurück in der Heimat neue Dinge ins Leben zu rufen.

Es steht außer Frage, dass alle Ansätze individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse und Kulturen angepasst sein müssen. Paudanan Embong Bulan aus Süd-Sulawesi, Indonesien, ist beeindruckt von dem wissenschaftlichen Hintergrund der Gemeindebetriebe in Guatemala. Dann gibt er jedoch zu bedenken: In seiner Kultur dürften Bäume nur gefällt werden, wenn der Wind aus Westen weht.

Die Gruppe besucht eine Baumschule, die von der lokalen NGO FEDECOVERA geführt wird.

„Zu wissen, dass die Gemeinden in Guatemala eine lange Zeit brauchten, um an diesen Punkt zu gelangen, gibt mir Hoffnung, dass wir dasselbe erreichen können“, sagt Wahid, Vertreter einer Gemeinde aus West-Java, Indonesien. Aber wie lassen sich Westwinde in einen Betriebsplan integrieren? Genau darin liegt die Herausforderung: Neue Technologien und ökonomische Mechanismen nicht indigenen Bräuchen und Entscheidungsprozessen gegenüberzustellen, sondern beides miteinander zu verbinden.

Zainuri Hasyim aus Sumatra blickt auf die scheinbar unendlichen Baumkronen: „Dieser Anblick wird uns bei unserer Arbeit leiten, wenn wir wieder zu Hause sind.“

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