Eine Fusion, wie ein Nachhausekommen

Von Ria Stout, Director Global Programs der Rainforest Alliance mit Sitz in Guatemala

Ria Stout, Director of Global Programs bei der Rainforest Alliance

Als ich im Frühling 2017 durch Amsterdam ging, auf meinem Weg zu einem Treffen mit Mitarbeitern von UTZ, fühlte es sich an wie ein Nachhausekommen. Weil ich zurück war in meinem Geburtsland, aber auch weil vor nahezu 20 Jahren meine berufliche Laufbahn bei UTZ begann. Über diese beispiellose Fusion könnte ich nicht glücklicher sein. Als zwei der größten Zertifizierungsprogramme der Welt haben beide Organisationen enorm zum Wohlergehen von Farmern und Gemeinden sowie zum Schutz von Naturräumen in den Tropen und Subtropen beigetragen. Mit vereinten Kräften verspricht die neue Rainforest Alliance, sich für einen noch größeren positiven Wandel weltweit einzusetzen.

Als ich im Jahr 1999 nach Guatemala ging, war ich dort die einzige Mitarbeiterin von UTZ. Ich sollte das Zertifizierungssystem für Kaffee entwickeln, was keine leichte Aufgabe war. Schließlich waren ganze Dörfer von Kaffeefarmen umschlossen. Wir dachten: Wenn wir es in Guatemala schaffen, können wir es überall schaffen. Und tatsächlich entwickelte sich das Programm rasant – lokal und international. UTZ (damals noch UTZ Kapeh; „guter Kaffee“) schlug den Hauptsitz unter dem neuen kürzeren Namen in den Niederlanden auf. Ich blieb in meiner Wahlheimat und ging zur Rainforest Alliance.

„Yes, we can!“

Beide Zertifizierungsprogramme waren schnell erfolgreich. Mit gutem Grund: Glaubwürdige, unabhängige Zertifizierungssysteme sind eine der effektivsten Mittel, um nachhaltige Entwicklungen zu fördern. Weltweit habe ich Schulungen und zertifizierte Farmen besucht und die positiven Veränderungen mit eigenen Augen gesehen. Farmer, die Pflanzenschutzmittel sicher anwenden und lagern, Gewässer und Flüsse vor Verschmutzung schützen, ihre Produktivität erhöhen, einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung haben und deren Kinder länger in die Schule gehen.

Ria Stout beim Besuch von Teefarmern in Kenia.

Viele Farmer berichten, wie die Einhaltung der Standardkriterien sie zu besseren Farmmanagern macht – schon weil sie strukturierter arbeiten. Es ist sehr bewegend zu sehen, mit welchem Stolz viele Kleinerzeuger den Zertifizierungsprozess angehen. Ich weiß es noch genau: Als Barack Obama zum ersten Mal bei der US-Präsidentschaftswahl antrat, skandierte eine Gruppe Teefarmer in Kenia lautstark „Yes, we can!“ als sie den Zertifizierungsprozess eingeleitet haben.

Zertifizierung: Kein Allheilmittel

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass Zertifizierungen zu Verbesserungen der Lebensbedingungen von anbauenden Gemeinden und der Gesundheit von Ökosystemen beitragen. Zwei kürzlich veröffentlichte Studien1 zeigen zum Beispiel, dass eine Rainforest-Alliance-Zertifizierung mit höheren Einkommen und geringeren Armutsraten einhergeht (im Vergleich zu nicht-zertifizierten Farmen). Andere Studien2 stellen die positiven Auswirkungen der Rainforest-Alliance-Zertifizierung auf den Zustand von Wäldern heraus.

Ähnliches gilt für eine UTZ-Zertifizierung: Laut unabhängigen Studien3 profitieren UTZ-zertifizierte Farmen von einer besseren ökonomischen Lage z. B. durch höhere Erträge, geringere Produktionskosten und teils bessere Preise. Weitere Studien4 belegen bessere ökologische Bedingungen auf UTZ-zertifizierten Farmen (im Vergleich zu nicht-zertifizierten Farmen).

Ria Stout im UTZ Büro in Guatemala, 2001

Trotz dieser Erfolge müssen wir immer bedenken, dass Zertifizierungen kein Allheilmittel sein können, insbesondere wenn es sich um systemische oder gesellschaftlich fest verankerte politische, wirtschaftliche oder ökologische Probleme handelt. Aspekte wie Arbeiter- und Menschenrechte, die Durchsetzung der nationalen Gesetzgebung, die Freiheit sich zu organisieren sowie Machtungleichgewichte in Lieferketten (z. B. in Form von Kostendruck auf Produzenten) können effektiv nur in Kooperation mit lokalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft angegangen werden.

„Ich hätte mir diesen Tag nicht im Traum vorstellen können“

Ein Zertifizierungsprogramm zu verantworten, bedeutet harte Arbeit. Es ist ein dauerhafter Lern- und Veränderungsprozess. Daher sind kritische Berichte und Informationen von Arbeitern, Gewerkschaftern oder Medien stets willkommen, denn dies kann helfen, unser System zielgenau weiter zu verbessern. Die Arbeit an einem neuen, gemeinsamen Standard – der die jetzigen Standards der Rainforest Alliance und von UTZ ersetzen wird – hat bereits begonnen. Digitale Hilfsmittel sollen dabei im System vermehrt eingesetzt werden, z. B. bei der Datenverwaltung und zum schnelleren Informationsaustausch.

Vor 20 Jahren, als Mitarbeiterin einer kleinen aufstrebenden Standard setzenden Organisation in einem fremden Land, hätte ich mir diesen Tag nicht im Traum vorstellen können: dass sich diese Organisation zu einem der weltweit bedeutendsten Zertifizierungsprogramme entwickeln und sich mit einer international anerkannten Umweltschutzorganisation zusammenschließen würde. Und dass ich das alles erleben und aktiv mitgestalten darf… Gemeinsam wollen wir auf unsere Vision hinarbeiten – eine Welt, in der es Menschen und der Natur gleichermaßen gut geht. Wir laden Sie herzlich dazu ein, diesen Weg mit uns zu gehen.

 

1 Akoyi KT, Maertens M (2017). Walk the Talk: Private Sustainability Standards in the Ugandan Coffee Sector. The Journal of Development Studies, DOI: 10.1080/00220388.2017.1327663.

Fenger NA, Bosselmann AS, Asare R, de Neergaard A. (2016). The impact of certification on the natural and financial capitals of Ghanaian cocoa farmers. Agroecology and Sustainable Food Systems 41(2), 143-166. DOI: 10.1080/21683565.2016.1258606.

2 Mitiku F, Nyssen J, Maertens M (2018). Certification of semi-forest coffee as a land-sharing strategy in Ethiopia. Ecological Economics 145: 194-204.

Mitiku F, De Mey Y, Nyssen J, Maertens M (2017). Do Private Sustainability Standards Contribute to Income Growth and Poverty Alleviation? A Comparison of Different Coffee Certification Schemes in Ethiopia. Sustainability, 9, 246; doi:10.3390/su9020246.

Takahashi R, Todo Y (2017). Coffee Certification and Forest Quality: Evidence from a Wild Coffee Forest in Ethiopia. World Development, 92: 158-166. DOI:10.1016/j.worlddev.2016.12.001.

3 Waarts, Y., Ingram, V., Linderhof, V., Puister-Jansen, L., van Rijn, F., & Aryeetey, R. (2015). Impact of UTZ certification on cocoa producers in Ghana, 2011 to 2014 (No. 2015-066). LEI Wageningen UR.

García, C., García, J., Ochoa, G., Mora, J. C., & Castellanos, J. (2014). Impact Evaluation of UTZ Certified Coffee Program in Colombia.(2008-2012).CRECE. Manizales, Colombia

4 Evaluation of UTZ in the Indonesian Cocoa Sector.” Aidenvironment, Mar.2016

Grüninger, Beat & Schiesari, Carolina. (2015). Effects of UTZ certification according to Brazilian farmers.ISEAL Alliance, 12 June 2016

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