Rainforest Alliance

Abstrakte Ziele in konkretes Handeln übersetzen

Adrienne Stork, Senior Program Manager, Supply Chain Accountability bei der Rainforest Alliance. Foto: Justin Valdes

Gute Absichten und plakative Ziele sind von Unternehmen schnell formuliert. Schwierig wird es erst beim konkreten Handeln. Welche Hebel wie in Gang gesetzt werden müssten, um die eigenen Ziele zu erreichen, ist oft eine große Herausforderung. Die Initiative „Accountability Framework“ ist eine Koalition führender NGOs, die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen möchte.

Adrienne Stork ist Senior Program Manager of Supply Chain Accountability bei der Rainforest Alliance und erklärt, was hinter der Initiative steckt.

Redaktion: Was genau ist die Initiative „Accountability Framework“?

Adrienne Stork: Hunderte Unternehmen weltweit bekennen sich heute zum Schutz von Menschen, Gemeinden und Ökosystemen und versuchen entsprechende Ziele in ihren Lieferketten umzusetzen. Dabei orientieren sie sich zumeist an international anerkannten Dokumenten wie der New York Declaration on Forests oder den UN Sustainable Development Goals. Welche konkreten Maßnahmen aber daraus für ihre Ziele abzuleiten wären, ist nirgends definiert. Hier kommt das Accountability Framework ins Spiel. Es ist ein gemeinsames Rahmenwerk führender NGOs wie Greenpeace, WWF, The Nature Conservancy und der Rainforest Alliance, das Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Ziele als eine Art Leitfaden dienen kann. Zusammen mit dem Meridian Institute leitet die Rainforest Alliance das Sekretariat der Initiative.

R: Wie unterscheidet sich dieser Ansatz von Zertifizierungen und anderen Standards, die es bereits gibt?

AS: Das Rahmenwerk ist keine neue Zertifizierung. Und es soll auch keine bestehenden Systeme duplizieren oder ersetzen. Die Idee ist es, die vorhandenen Mittel und Instrumente im Sinne der Zielerreichung sinnvoll und ergänzend miteinander zu verbinden. Das soll auch für größere Transparenz von Unternehmen sorgen. Deshalb waren weitere globale Plattformen und Akteure wie das Consumer Goods Forum, die Tropiocal Forest Alliance 2020, Global Forest Watch, Supply Change und die ISEAL Alliance im Entwicklungsprozess beteiligt. Diese breite Koalition aus internationalen Organisationen und NGOs verleiht dem Accountability Framework enorme Glaubwürdigkeit. Unternehmen erhalten so eine anerkannte „Werkzeugkiste“ für ihr Handeln.

Öffentliche Stakeholder-Konsultation in den FSC-Räumlichkeiten auf der Klimakonferenz in Bonn. Auf der Bühne: Jeff Milder, Chief Scientist der Rainforest Alliance.

R: Steht dieses Rahmenwerk oder diese „Werkzeugkiste“ für Unternehmen schon zur Verfügung?

AS: Die Initiative hat zunächst einen ersten Entwurf formuliert. Dieses Dokument steht bis zum 11. Dezember 2017 für Jedermann zur öffentlichen Konsultation. Danach wird das Feedback ausgewertet und das Dokument weiterentwickelt. Dabei stehen wir in engem Austausch mit verschiedenen Unternehmen, um die realen Anforderungen in den Lieferketten adäquat berücksichtigen zu können. Zudem binden wir regionale Organisationen aus Südamerika, Südostasien, West- und Zentralafrika ein, damit unsere Empfehlungen auch Hand in Hand gehen mit aktuellen Entwicklungen in den anbauenden Ländern des Südens.

R:  Wie geht es dann weiter?

AS: Mehrere Expertengruppen werden bestimmte Schwerpunktthemen vertiefen und detaillierte Empfehlungen geben. Das Rahmenwerk wird dann durch ergänzende Dokumente erweitert. Diese werden sich auf einzelne Regionen, Rohstoffe und Stufen der Lieferkette fokussieren. Auch Definitionen zu Begriffen wie „Wald“ und „Entwaldung“ werden darin enthalten sein. Derzeit arbeiten wir auch an einer Online-Plattform, die Nutzer bei ihren Anliegen unterstützen und den Dialog fördern soll.

Jeff Milder bei einer Konsultationsveranstaltung am Pavillon des WWF auf der Klimakonferenz in Bonn.

R: Wo siehst du die größten Herausforderungen für die Initiative?

AS: Wichtig ist nicht nur die Akzeptanz aus der Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sondern auch von den Regierungen der anbauenden Staaten. Schließlich können sie bestimmte Entwicklungen ausbremsen oder entscheidend stärken. Gesetzliche Rahmenbedingungen sollten nicht im Widerspruch mit verantwortungsvollen Lieferketten stehen. Daher ist es wichtig, die politischen Entscheidungsträger in den Prozess einzubeziehen. Hier setzen wir auch auf die Sachkenntnis und Erfahrung unserer lokalen Experten.

R: Wie können sich Interessierte an der Initiative beteiligen?

AS: Wir sind dankbar für jegliche Unterstützung und Rückmeldung zu unserer Arbeit. Unter accountability-framework.org steht das Rahmenwerk noch bis zum 11. Dezember 2017 für Feedback bereit. Wir laden auch dazu ein, an den Veranstaltungen der Initiative teilzunehmen. Diese sind auf der Webseite gelistet. Per Newsletter informieren wir regelmäßig über Fortschritte und den aktuellen Stand des Projekts. Alle Fragen und Anliegen können aber auch als Mail (contact@accountability-framework.org) an uns herangetragen werden.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s