Klimawandel/Rainforest Alliance

Klimakonferenz in Bonn: Ein Zwischenschritt, den wir uns nicht leisten dürfen

„Wir haben uns in Paris darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Das muss die Summe unserer nationalen Klimaschutzbeiträge gewährleisten. Tatsächlich ist das bisher noch nicht der Fall.“ Mit diesen Worten eröffnete Umweltministerin Barbara Hendricks die Klimakonferenz in Bonn. Das Ergebnis nach zwei Wochen verhandeln: Der Entwurf eines „Regelbuches“ zur Umsetzung der im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele. Nach weiterem Feinschliff soll es auf der nächsten Klimakonferenz 2018 in Kattowitz, Polen, beschlossen und verabschiedet werden – so der Plan. Bonn war also nur ein Zwischenschritt.

Umweltministerin Barbara Hendricks bei der Eröffnung der Klimakonferenz in Bonn. Foto: BMUB / Sascha Hilgers

Wissenschaftler warnen: In wenigen Jahren könnte es bereits zu spät sein

Mehr konkrete Zusagen und handfestes Handeln der Staatengemeinschaft wäre aber schon jetzt dringend nötig gewesen. Das zeigt z. B. ein Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), der in Bonn vorgestellt wurde. Darin heißt es: Ab dem Jahr 2050 dürfen wir weltweit keine weiteren CO2-Emissionen mehr ausstoßen, um das 2-Grad-Ziel erreichen zu können. Das bedeutet grob, den globalen CO2-Ausstoß rund alle zehn Jahre zu halbieren.

PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber (2. v. r.) bei der Vorstellung des wissenschaftlichen Berichts auf der Klimakonferenz in Bonn.

Die Erderwärmung sei „ein noch nie dagewesenes Risiko für die Menschheit“, so PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber auf der Klimakonferenz. Verpassen wir es, rechtzeitig und weitreichend zu handeln, könne es in wenigen Jahren bereits zu spät sein. Viele Klimafolgen ließen sich dann nicht mehr aufhalten – und der Klimawandel an sich sowieso nicht. Selbst wenn das Pariser Klimaabkommen umgesetzt werde, müssten sich Menschen weltweit an die Veränderungen anpassen, die die Erderwärmung von rund zwei Grad Celsius mit sich bringt.

„Den Worten Taten folgen lassen“

Ein starkes Signal aus Bonn ist die neue „Allianz für Kohleausstieg“, an der sich unter anderem Kanada, Großbritannien, Frankreich und Italien beteiligen. Deutschland – als Gastgeber und größter Braunkohleförderer der Welt – ist nicht dabei. Das Bündnis will weitere Staaten zum Handeln ermutigen und den Kohleausstieg innerhalb der kommenden zehn Jahre schaffen.

Weniger optimistisch stimmt die Tatsache, dass die Treibhausgasemissionen im Jahr 2017 weltweit wieder gestiegen sind. Hinzu kommt der angekündigte Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Dabei müssen allen voran die größten Emittenten der Welt – China, die USA, Europa, Indien und Russland – „den Worten Taten folgen lassen“, wie Ministerin Hendricks es formulierte, und die jeweiligen Ambitionen schrittweise steigern und umsetzen. Signifikant gesunken ist der CO2-Ausstoß seit dem Jahr 1990 weltweit lediglich in einigen europäischen Ländern (darunter Deutschland) und in Russland (sowie einigen ehemaligen Sowjetrepubliken).

Gleichzeitig gilt es einen Trend umzukehren: Staaten in Asien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika haben ihren CO2-Ausstoß seit dem Jahr 1990 mindestens verdoppelt. Ein Interessensausgleich zwischen Nord und Süd ist wichtiger denn je. Dass Fidschi die Präsidentschaft der Klimakonferenz übernommen hat, ist ein positives Zeichen in diese Richtung.

Klimaschutz ist mehr als nur ein Termin pro Jahr

Rund 22.000 Teilnehmer in Bonn ließen die Klimakonferenz in ihrer Dimension erneut wachsen. Einerseits ist das positiv, denn dies bestätigt das steigende Bewusstsein für Klimafragen weltweit. Andererseits dürfen wir nicht zulassen, dass Klimaschutz in der öffentlichen Wahrnehmung auf nur einen jährlich wiederkehrenden Termin reduziert wird. Viel wichtiger, als die prominenten Verhandlungen, sei die konkrete Umsetzung von Maßnahmen – und die fände das ganze Jahr über statt. Dem sollten wir mehr Aufmerksamkeit widmen, appelliert Martin Noponen, Klimaexperte und Leiter der Rainforest Alliance-Delegation in Bonn. Die Politik müsse ihrer Verantwortung nachkommen und abstrakte Ziele in konkrete Umsetzungsschritte übersetzen.

Zum Gespräch mit Martin Noponen in Bonn.

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