Klimaschutz

Zeit für Klimagerechtigkeit statt wissenschaftlicher Debatten

Von Nigel Sizer

Als Wissenschaftler und Präsident der globalen Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance bin ich ziemlich enttäuscht darüber, wie über die Rolle des Klimawandels bei den verheerenden Hurrikans und Überschwemmungen in den USA, in der Karibik und in Südasien öffentlich debattiert wird und wurde. Als Vater von zwei kleinen Kindern und Freund vieler Menschen, die in den betroffenen Regionen leben, bin ich sehr besorgt darüber, was die Zukunft für uns alle noch bereithält. Denn: Gerade die am stärksten von Umweltkatastrophen bedrohten Menschen verfügen häufig nicht über die nötigen Mittel, um mit ihnen alleine zurecht zu kommen.

Im Gegensatz zur Politik stellte die Wissenschaft die Beziehung zwischen Klimawandel und Hurrikans nie in Frage. Es ist zwar falsch zu behaupten, der Klimawandel hätte Stürme wie Harvey und Irma direkt verursacht. Auch falsch ist es aber zu leugnen, dass der Klimawandel etwas damit zu tun hat.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Und das macht sie im politischen Diskurs so schwierig zu vermitteln. Die einfachen Fakten sind folgende: Die Erderwärmung findet bereits statt, weshalb die Erde mittlerweile wärmer geworden ist. Zumindest einen Teil der Wärme können die Ozeane absorbieren. Diese beiden wissenschaftlich erwiesenen Fakten führen zu mehr Wasserdampf und mehr Energie in der Luft.

Zu dieser Jahreszeit sind Hurrikans ein natürliches und regelmäßig vorkommendes Phänomen. Sie entstehen im Atlantischen Ozean. Durch die Kombination aus wärmerer Luft und wärmerem Wasser werden Hurrikans größer im Ausmaß und in der Regenmenge sowie stärker in den Windgeschwindigkeiten als es ohne globale Erderwärmung der Fall wäre. Das Ergebnis: Hurrikans können deutlich mehr Schäden verursachen.

Das Dilemma daran – und das sollte in der öffentlichen Debatte im Mittelpunkt stehen – ist, dass es die Armen sind, die am meisten unter derartigen Katastrophen leiden. In der Karibik konnten wohlhabendere Schichten und Besucher in Flugzeige steigen und sich rechtzeitig in Sicherheit bringen – einige von ihnen wohl wissend, dass sie keine Probleme beim Wiederaufbau haben werden. Die Bevölkerung in Haiti, insbesondere in den dicht besiedelten Gebieten, kämpft immer noch mit den Nachwirkungen des Erdbebens vor fast zehn Jahren. Obdachlosigkeit, Krankheiten, Lebensmittelknappheit, Gewalt und Arbeitslosigkeit sind immer noch allgegenwärtig.

Lasst uns aufhören über die Wissenschaft zu debattieren. Sorgen wir endlich für Klimagerechtigkeit, indem wir gleiche Chancen zur Abwehr schaffen. Wir müssen ernste Maßnahmen ergreifen, um die Vorbereitung auf und Hilfe nach solchen Umweltkatastrophen zu unterstützen. Auch die Ärmsten Menschen der akut bedrohten Regionen müssen davon profitieren.

Auf langfristige Sicht müssen wir unsere Bemühungen massiv verstärken, um globale Entwaldung zu stoppen, die Widerstandskraft anfälliger Gemeinden gegenüber den Folgen des Klimawandels zu verbessern und degradierte Landschaften wiederherzustellen – und so möglichst das Klima zu stabilisieren.

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