Klimawandel/Landwirtschaft

„Den Anbau von Kaffee müssen wir grundlegend ändern.“

Im Gespräch: Marcel Clement, Director of Market Transformation Europe for Middle East, Africa & Japan bei der Rainforest Alliance und Board Member bei der Global Coffee Platform.

Marcel Clement, Director of Market Transformation Europe for Middle East, Africa & Japan bei der Rainforest Alliance

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Die Nachfrage steigt, auch weltweit. Gleichzeitig verändern sich Klima und Wetter in vielen Kaffee-Anbauregionen – mit ernsten Folgen für die Farmer. Wärmere Temperaturen sowie stärkere und unregelmäßige Regenfälle wirken sich negativ auf ihre Erträge aus. „Wollen wir auch zukünftig noch Kaffee von guter Qualität trinken, müssen wir den Anbau von Kaffee grundlegend ändern: Kaffee muss klimasmart kultiviert werden“, fordert Marcel Clement.

Rund 65 % des global gehandelten Kaffees ist Arabica Kaffee. Diese Sorte ist nicht nur bekannt für hohe Qualität und guten Geschmack, sondern gilt auch als sehr anfällig für steigende Temperaturen. In Zukunft könnte also weniger Arabica-Kaffee auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehen. Steigende Preise sind dann wahrscheinlich. Passen sich anbauende Gemeinden an diese Veränderungen nicht rechtzeitig an und können sie die sinkenden Erträge beim Kaffee nicht kompensieren, wird dies weitreichende negative Folgen für ihre Lebensbedingungen haben. Für nachfolgende Generationen wird der Kaffeeanbau als Erwerbsquelle immer weniger attraktiv.

Anpassung an den Klimawandel durch klimasmarte Landwirtschaft

„Wir helfen Farmern, modernere landwirtschaftliche Methoden umzusetzen. Umweltaspekte sind dabei ein Kern. Wir müssen uns aber auch dafür engagieren, dass der Kaffeeanbau als Einkommensquelle attraktiv und profitabel ist. Die Anpassung an den Klimawandel ist hierfür essenziell“, stellt Clement klar.

Beim Nachhaltigkeitsverständnis der Rainforest Alliance spielt daher klimasmarte Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Klimasmarter Anbau verfolgt im Wesentlichen drei Ziele: die Steigerung der Produktivität und Einkommen, die individuelle Anpassung an den fortschreitenden Klimawandel und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Anbau.

Kaffee-Waschstation auf einer Rainforest-Alliance-zertifizierten Farm in Ruanda. Foto: Matthew Harmer/Nice and Serious

Obwohl mittlerweile fast die Hälfte des weltweit gehandelten Kaffees nachhaltig angebaut werde, so Clement, ginge es immer noch darum, Nachhaltigkeit zur Norm zu machen. Auch Verbrauchern in den westlichen Ländern käme eine wichtige Rolle zu. Bewusste Kaufentscheidungen würden nämlich die Nachfrage nach nachhaltig erzeugten Produkten stärken, was wiederum vieles im Ursprung bewirken könne.

„Viele Menschen sind leidenschaftliche Kaffeetrinker. Wir alle müssen uns aber der Komplexität bewusst werden. Um unseren Kaffeekonsum auch zukünftig sicherzustellen und den Kaffeeanbau für Farmer wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten, braucht es im Zuge des Klimawandels drastischer Anpassungen im Ursprung. Dazu gehört auch die nötige Finanzierung und eine entsprechende Nachfrage. Und es beginnt schon mit unserer Entscheidung, jedes Mal, wenn wir eine Tasse Kaffee trinken“, appelliert Clement.

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