Landwirtschaft

Bericht vom Feld: Wenn sich Verrücktheit auszahlt

Als die Brüder Jonathan (33) und David Vega (30) die Kaffeefarm ihrer Familie Finca El Zapotal in Costa Ricas berühmten Kaffeeanbaugebiet Tarrazú übernahmen, sagten sie ihrem 67 Jahre alten Vater, sie hätten neue Ideen für den Betrieb der drei Hektar großen Farm. Sie wollten weniger Herbizide und synthetische Dünger einsetzen, dafür aber mehr Schattenbäume auf dem Farmgelände pflanzen. „Er dachte, wir seien verrückt“, erinnert sich Jonathan. „Ohne reichlich Dünger würde nichts mehr wachsen, so dachte er.“

Jonathan (links) und David Vega (rechts).

Die beiden Brüder bewiesen ihm das Gegenteil. In Schulungen der Kaffee-Kooperative Coopetarrazú (mit 4.200 Mitgliedern) lernten sie dazu. Sie setzten nachhaltigere und klimasmarte Anbaumethoden auf ihrer Farm um. Seit 2012 ist ihre Kaffeefarm auch Rainforest-Alliance-zertifiziert. Sieben Jahre nachdem die Brüder die Farm übernommen hatten, konnten sie die Erträge verdoppeln. Heute erhalten sie bessere und stabilere Preise für ihren Kaffee als früher ihr Vater.

„Unser Vater war sprachlos. Er konnte nicht glauben, dass das möglich war. Über das Ergebnis ist er natürlich sehr glücklich“, erzählt Jonathan. Mit technischer Unterstützung von Experten der Coopetarrazú-Kooperative führten sie Bodenanalysen durch. Sie ermittelten welchen und wie viel Dünger sie ausbringen mussten. Den Gebrauch von synthetischen Düngemitteln haben sie halbiert. Herbizide haben sie von ihrer Farm gänzlich verbannt. Stattdessen entfernen sie Unkraut per Hand und lassen genügend Bewuchs übrig, um Bodenerosion vorzubeugen.

Blick von der Finca El Zapotal auf die Talsperre Pirris.

Nahezu 400 Bäume pro Hektar haben sie gepflanzt. Mit den Früchten dieser Bäume   (z. B. Bananen) sorgen sie für zusätzliches Einkommen. In der Regenzeit, wenn weniger Schatten nötig ist, schneiden die Brüder die Bäume zurück. In Trockenzeiten lassen sie die Schattenbäume erblühen, damit sie die Kaffeepflanzen und den Boden vor zu viel Sonneneinstrahlung schützen. Die Bäume binden Stickstoff im Boden und fügen ihm organisches Material zu (durch fallende Blätter). Das wirkt wie ein natürlicher Dünger. Die Wurzeln sind stabilisierend und helfen, Bodenerosion zu vermeiden. Nicht zu vergessen: die vielen Bäume bieten auch neuen Lebensraum für Vögel und zahlreiche andere Wildtiere.

Jonathan Vega mit Bananen von seiner Farm.

„Unsere Nachbarn fragen uns oft, ob wir einen Wald pflanzen oder ob wir Kaffee anbauen“, lacht Jonathan. „Wir sind sehr stolz, denn die ganzen Umstellungen haben uns dabei geholfen, ein höheres Einkommen mit unserer Farm zu erwirtschaften. Jetzt, wo hier immer mehr Farmer Rainforest-Alliance-zertifiziert sind, kehren viele Tiere zurück, die diese Region vor Jahren verlassen hatten. Somit tun wir auch der Umwelt etwas Gutes. Wir sind davon überzeugt, dass nachhaltige Landwirtschaft keine Alternative mehr ist. Sie ist die Gegenwart und die Zukunft“, so Jonathan.

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