Rainforest Alliance

„Unsere Dominanz ist nicht mehr als eine Illusion.“

Von Nigel Sizer, Präsident der Rainforest Alliance

Als Wissenschaftler habe ich oft darüber nachgedacht, wie jedes einzelne Lebewesen der Erde ein Teil eines unglaublich komplexen und schönen Systems ist. Wir Ökologen widmen unser Leben der Erforschung der biophysikalischen Zyklen, die das Leben überhaupt möglich machen. Gerade erst beginnen wir Veränderungen, Ursachen und Verbindungen in Teilen dieses Systems zu verstehen. Keine Überraschung, schließlich dauerte allein die Entstehung Milliarden Jahre. Wandel ist darin die einzige Konstante.

Nigel Sizer, Präsident der Rainforest Alliance

Einiges wissen Forscher aber genau: Die Artenvielfalt des Planeten schwindet derzeit 1.000 Mal schneller als durch das sogenannte natürliche Hintergrundsterben, Menschen verändern das Klima der Erde dramatisch und stören viele weitere natürliche Prozesse des Planeten. Obwohl die bisherige Forschung zeigt, dass der moderne Mensch einen alarmierenden Grad der Zerstörung verursacht hat, ist es unmöglich vorherzusagen, wie genau die Folgen für die Zukunft aussehen werden.

Wir sollten sehr behutsam sein. Und wir müssen sofort und mutig handeln, um die Wahrscheinlichkeit eines Worst-Case-Szenarios zu reduzieren. Aber wie könnte so ein Szenario aussehen? Viele Forscher befürchten eine Art Kollaps mehrerer miteinander verbundener Systeme. Zum Beispiel führt eine moderate Erderwärmung zum Tauen von Permafrost, was wiederum Methan freisetzt (ein Treibhausgas, das noch viel stärker wirkt als CO2), welches seit tausenden Jahren im Eis gespeichert war. Ein anhaltender Verlust von Wäldern und anderer Lebensräume führt zu sinkender Widerstandskraft der Biosphäre. Eine Erwärmung und Verschmutzung der Ozeane kann wiederum ganze Ketten der Nahrungsmittel-versorgung zerstören.

In vielen Teilen der Erde haben Menschen – insbesondere die Eliten – eine dominante Haltung gegenüber der Natur eingenommen. Wir leben in einer gewaltigen künstlichen Welt: unsere Städte, unser Zuhause, unsere Supermärkte mit all den Produkten aus unbekannter Herkunft, unser technologischer Fortschritt, unser schnelles globales Transportsystem, all diese Dinge. Dabei vergessen wir, wovon wir wirklich abhängig sind: von der Natur.

Unsere Dominanz ist nicht mehr als eine Illusion. Es gibt keine Trennung zwischen Menschen und der Natur. Jeder Atemzug hängt von der Gesundheit der Umwelt ab. Und wegen unseres „Erfolgs“ als Spezies ist die Gesundheit der Natur darauf angewiesen, dass wir unsere Beziehung zur Erde radikal verändern.

Dieses Bewusstsein sollten wir in unseren Alltag integrieren, sodass es in unser tägliches Handeln einfließt. Aber wie können wir das tun? Drei einfache Vorschläge:

Werde dir der Natur bewusst. Nimm dir jeden Tag ein paar ruhige Minuten für die Natur. Spaziere durch einen Park oder setz dich in einen Garten, genieße den Blick über eine schöne Landschaft z. B. beim Pendeln im Zug. Betrachte scheinbar einfache Dinge wie Blumen, Blätter oder dein Haustier genauer und entdecke ihre Schönheit.

Gib der Natur etwas zurück. Das kann beispielsweise Recycling sein. Oder reduziere deinen Energie- und Wasserverbrauch, iss weniger Fleisch oder mache einen Tag in der Woche zu deinem Veggie-Day. Nimm dir kleine Schritte vor. Konsumiere weniger, aber dafür bewusster.

Erfahre mehr über die Natur. Informiere dich in Zeitungen, Zeitschriften oder Videos. Vielleicht gibt es sogar Umweltschutzgruppen in deiner Nähe, in denen du dich engagieren kannst. Und am wichtigsten: Tue jeden Tag etwas, egal wie klein die Bedeutung erscheinen mag. Es macht einen Unterschied. Kreatives und konstruktives Handeln sind zwei der besten Eigenschaften des Menschen. In diesem kritischen Zustand unseres Planeten ist dies dringend gefragt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass solche kleinen Schritte das Leben bereichern können. Eine engere Verbindung zur Natur reduziert Stress, verbessert das Wohlbefinden und stärkt das Bewusstsein für viele Zusammenhänge. Und was könnte lohnender sein, als das Engagement für eine bessere Zukunft für die kommenden Generationen?

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