Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Feldbesuch in Kenia: Tee als Familienbetrieb

Esther und Simon Langat sind ein Team – beruflich und privat. Als Teil der Kleinfarmer-Kooperative Momul Tea Factory bewirtschaftet das Ehepaar eine Teefarm in Kenia. Übrigens die erste Kleinerzeuger-Kooperative in Kenia, die im Jahr 2009 das Siegel Rainforest Alliance CertifiedTM bekam. Simon besuchte eine Farmer Field School der Rainforest Alliance. Dort wurde ihm deutlich, wie wichtig eine ordentliche Verwaltung und ein strukturiertes Farmmanagement für nachhaltigen Teeanbau sind.

Esther und Simon Langat auf ihrer Teefarm. Foto: Caroline Irby

Das Land von Esther und Simon ist kleiner als einen Hektar. Es ist ihr zu Hause. Dort leben sie mit ihren drei Kindern und bauen Tee an. Aber Tee ist nicht alles: Mit Hilfe von drei Arbeitern aus der Region kultivieren sie auch Napiergras. Und sie halten Kühe und Milchziegen. Für den Eigenbedarf haben sie einen kleinen Gemüsegarten angelegt. Auch ein kleines Waldstück befindet sich auf ihrem Land. Simon hat kürzlich eine Biogasanlage errichtet, die sie mit Energie und Kraftstoff versorgt – aus organischem Material.

Wir haben die Familie auf ihrer Farm besucht, um mehr über ihren Familienbetrieb zu erfahren.

Wie lange besitzt ihr schon dieses Stück Land?

Diese Farm gehört uns schon seit über 30 Jahren, seit 1986.

Welche Bedeutung hat die Farm für eure Familie?

Diese Farm ist unser Leben. Hier haben wir unser Haus, wir bauen unser eigenes Gemüse an und die Milch der Tiere verwenden wir für den Eigenbedarf und für den Verkauf. Mit der Biogasanlage erzeugen wir aus nachwachsenden Rohstoffen Energie, die wir zum Kochen benutzen. Tee sorgt aber für den Großteil unseres Einkommens. Mit den Erträgen investieren wir in die Bildung unserer Kinder und in die weitere Entwicklung unserer Farm. Wir bieten auch Arbeitsplätze und haben derzeit drei Angestellte, die unter anderem für das Pflücken der Teeblätter zuständig sind.

Simon pflückt ein paar Teeblätter von einem Strauch. Foto: Caroline Irby

Was genau ist eure Funktion? Helfen euch die Kinder im Betrieb?

Gemeinsam leiten wir die Farm. Ich unterrichte auch an der lokalen Schule. Meine Frau hingegen widmet sich vollständig der Farm. Dieses Land bedeutet für uns Arbeit, Nahrungs- und Einkommensquelle zugleich. Unsere Kinder studieren. In den Ferien helfen sie uns aber auf dem Feld.

Seit vielen Jahren ist eure Farm Rainforest-Alliance-zertifiziert. Wie kam es dazu?

Umweltschutz, eine nachhaltige Wassernutzung, gute Arbeitsbedingungen und ein adäquates Abfallsystem, das waren alles Punkte, die unser Interesse an der Zertifizierung geweckt und immer weiter bestärkt haben.

Welchen Unterschied hat die Zertifizierung seither für euch gemacht?

Zum Beispiel haben wir bei der Farmer Field School gelernt, den Tee in kürzeren Zeitabständen zu pflücken. Dadurch ist der Ertrag deutlich gestiegen – von 5.000 kg auf 10.334 kg. Die Rainforest Alliance hat uns außerdem gezeigt, wie wir die Wasserläufe besser schützen können. Ich habe einen Behälter angeschafft, um darin Regenwasser zu sammeln. Außerdem haben wir heimische Bäume rund um unsere Farm gepflanzt und Schutzkleidung für die Arbeiter besorgt. Solche Dinge.

Mit nachhaltigerer Anbauweise konnten Esther und Simon ihre Erträge signifikant steigern. Foto: Caroline Irby

Ich weiß jetzt, wie wichtig eine genaue Dokumentation und Buchhaltung sind. Die Ernte an grünen Blättern notiere ich täglich. Das ist gleichzeitig auch ein Ansporn, unsere Farm fortlaufend zu verbessern. In den Schulungen hat die Rainforest Alliance erklärt, wie wir mit unterschiedlichen Abfällen auf der Farm richtig umgehen. Durch die Biogasanlage gewinnen wir Energie, z. B. fürs Kochen. Wir müssen also keine Bäume für Feuerholz fällen. Kuhdung nutzen wir als Dünger für das Napiergras und das Gemüse.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Wir denken darüber nach, auch Hühner auf unserer Farm zu halten, um zusätzliches Einkommen zu erzielen. Ebenso ein Gewächshaus. Wir möchten unser Einkommen noch breiter aufstellen. Im Garten soll eine Tröpfchenbewässerung installiert werden. Unsere Nachbarn haben sich mittlerweile an uns ein Beispiel genommen und übernehmen einige Dinge von uns auch auf ihren eigenen Farmen. Letztlich hoffen wir, dass wir in unserer Gemeinde so auch ein gutes Beispiel für den Schutz der Umwelt sein können.

Nicht nur Tee: Esther und Simon dokumentieren ihren Farmbetrieb jetzt genau und stellen ihr Einkommen auf mehreren Standbeinen auf. Foto: Caroline Irby

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