Rainforest Alliance

30 Jahre Rainforest Alliance: Was wirklich zählt

Heute engagiert sich die Rainforest Alliance weltweit für den Schutz der Wälder und der Artenvielfalt. Daniel Katz ist einer der Gründer. Zum 30 jährigen Bestehen blickt er zurück auf die Anfänge: Wie aus einer scheinbar absurden Idee eine globale Initiative für Nachhaltigkeit wurde.

Von: Daniel Katz, Gründer der Rainforest Alliance

„Freunde und Bekannte lachten mich aus“, erzählt Daniel Katz über die Gründung der Rainforest Alliance.

Ein China-Experte, ein Toxikologe, ein Friedensaktivist und eine Masseurin – wir waren ein bunter Haufen junger Leute. Es war 1987: Wir standen in Manhattan auf der Straße und riefen den Leuten zu, die Artenvielfalt unseres Planeten schwinde dramatisch. T-Shirts mit „Rettet den Regenwald“-Schriftzug lagen improvisiert auf Bügelbrettern statt auf Tischen aus. Einige Leute blieben stehen, diskutierten und schlossen sich uns an. Wir hatten ein gemeinsames Ziel: Die tropischen Regenwälder vor der totalen Zerstörung zu bewahren. Innerhalb weniger Monate gründeten wir die Rainforest Alliance.

Wir waren bereit, die Welt zu verändern. Mit 25 Jahren wurde ich der erste offizielle Mitarbeiter der Rainforest Alliance. Freunde und Bekannte lachten mich aus. Eine Umweltschutzorganisation in New York City – eine scheinbar absurde Idee. Wir hielten dennoch an unserer Überzeugung fest.

Wir wollten die Dinge besser verstehen

Daniel Katz mit Diane Jukofsky, Gründer der Rainforest Alliance

Zu Beginn wollten wir die Leute nur informieren. Früh aber reisten wir selbst in tropische Länder. Eine Lösung hatten wir nicht im Gepäck. Wir wollten die Dinge besser verstehen. Wir konnten nicht in New York City bleiben, weitermachen wie bisher, während alle 16 Minuten tropische Wälder der Fläche des Central Parks zerstört wurden. Alle sollten sehen, wie wir Menschen mit der Natur verbunden sind. Als wir zurück waren, konnten wir aus erster Hand berichten, dass für unsere Art zu leben Regenwälder vernichtet werden – auch wenn wir es durch das Fenster unseres Appartements nicht sehen können.

Es funktionierte, Schritt für Schritt

Wir wollten Verbraucher mit den Hotspots verbinden, mit Farmern und indigenen Gemeinden. So etwas gab es noch nicht. Nach einigen Rückschlägen entwickelten wir das erste unabhängige Zertifizierungsprojekt für nachhaltige Forstwirtschaft. Auch den FSC (Forest Stewardship Council) haben wir mitbegründet. Als junge Organisation ohne Erfahrung die internationale Forstwirtschaft umkrempeln zu wollen erschien vermessen – so auch die Rückmeldung der Wirtschaft. Wir waren unserer Zeit voraus. Aber es funktionierte, Schritt für Schritt.

Chris Wille und Diane Jukofsky (beide Mitte)

Seit der ersten Stunde waren Chris Wille und seine Frau Diane Jukofsky Teil unserer Gruppe. Sie glaubten an die Rainforest Alliance. Sie kündigten ihre Arbeitsplätze, packten ihre Taschen und gingen in den Ursprung nach Costa Rica. Im Jahr 1990 haben sie dort ein Kommunikationsbüro eröffnet und über die Lage vor Ort berichtet – eines der ersten Projekte der Rainforest Alliance. Sie haben auch lokale Umweltschutz-organisationen bei der Kommunikation unterstützt.

Diane Jukofsky (links)

Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette

Aufgrund der Erfahrungen im Ursprung, hat die Rainforest Alliance ihren Fokus auch auf die Landwirtschaft ausgeweitet, beginnend mit dem Anbau von Bananen. Dabei hat die Rainforest Alliance das SAN – Sustainable Agriculture Network mitbegründet, einen Zusammenschluss aus heute elf unabhängigen Umweltschutzorganisationen. Seither ist die Rainforest Alliance Mitglied in diesem Verbund.

Diane Jukofsky (Mitte) und Chris Wille (rechts) bei einem Farmbesuch.

Innerhalb von nur fünf Jahren arbeiteten wir mit allen Teilen der Bananenlieferkette zusammen – Farmern, Zwischenhändlern und Unternehmen – um Waldrodung zu stoppen und gute Arbeitsbedingungen zu etablieren. Für die Verbindung zum Verbraucher musste eine Kennzeichnung her: Das Frosch-Siegel war geboren. Es signalisiert seitdem verantwortungsbewussten und umweltfreundlichen Anbau und dient Verbrauchern weltweit als Orientierung.

Was am meisten zählt, ist positiver Wandel im Ursprung

Chris Wille

Viele Leute aus dieser Zeit sind mit der Rainforest Alliance bis heute eng verbunden – mit derselben Leidenschaft, Energie und Motivation. Damals wie heute ist Waldrodung in den Tropen ein riesiges Problem. Die Herausforderungen sind jedoch dynamisch und verändern sich ständig. Die Folgen des Klimawandels sind heute präsenter denn je. Und sie betreffen uns alle. Auch die Rainforest Alliance und ihre Lösungsansätze müssen sich weiterentwickeln. Was einst unser Ansatz war, nämlich Zertifizierung, ist heute nur noch ein Werkzeug von vielen, wie Schulungen, Projekte für nachhaltige Landschaften, klimasmarte Landwirtschaft und mehr.

Es ist meine Pflicht, die Rainforest Alliance stets an unsere Mission zu erinnern: Die Veränderung eines globalen Handelssystems, das die natürlichen Grenzen unseres Planeten nicht respektiert. Was am meisten zählt, sind nicht Indikatoren, Finanzen oder Gewinne. Was am meisten zählt, ist positiver Wandel im Ursprung – für Farmer und ihre Familien, zugunsten von Wäldern, der Meere und Flüsse, für die zahllosen gefährdeten Arten, die das Recht haben, zu existieren.

Rückschläge sind genauso hart wie unvermeidbar

Was wir im Laufe der letzten 30 Jahre gesehen, erfahren und gelernt haben, hätte die Gruppe junger Freiwilliger gelähmt. Unsere Ziele in zahlreichen Ländern, fremden Kulturen und globalen Industrien zu verwirklichen ist äußerst komplex. Der Fortschritt ist nicht kalkulierbar. Erzielen wir jedoch Erfolge, so verändern wir das Leben der Menschen zum Positiven. Fehltritte, Herausforderungen und unerwartete Rückschläge sind genauso hart wie unvermeidbar. Wir dürfen uns aber nicht entmutigen lassen. Klimawandel, nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen und Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung: Die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit müssen wir gemeinsam angehen – als globale Allianz.

2 Kommentare zu “30 Jahre Rainforest Alliance: Was wirklich zählt

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