Forstwirtschaft

Pioniere nachhaltiger Forstwirtschaft in Japan

Die Yusuhara Forest Owners‘ Cooperative (YFOC) ist die erste Forstkooperative in Japan, die für ihre nachhaltige Waldbewirtschaftung das Zertifikat des FSC (Forest Stewardship Council) erhalten hat. Die Rainforest Alliance ist Mitbegründer des FSC und bis heute der größte FSC-akkreditierte Zertifizierer.

In der Heimat der Kooperative in Yusuhara Stadt auf der Shikoku Insel, der kleinsten der vier Inseln Japans, sind 91 Prozent der Landfläche von Wäldern bedeckt. Typischerweise besitzen viele Anwohner der Dörfer in den Bergen ein kleines Stück Wald. Die Bewirtschaftung überlassen sie zumeist der Forstkooperative. In Japan gibt es landesweit über 600 solcher Forstvereinigungen, die gesetzlich geregelt sind. Für die private Forstwirtschaft in Japan spielen sie eine zentrale Rolle.

Im Jahr 2000, als die Kooperative auf eine FSC-Zertifizierung hinarbeitete, war der FSC im Land völlig unbekannt. Allein die Zertifizierung der Wälder war ein absolut neuer Ansatz. Es gab keine japanischen Auditoren, die damit Erfahrung hatten. Obwohl die Kooperative keine englischsprachigen Mitglieder und Arbeiter hatte, wurde eine Reihe von Workshops veranstaltet. Daran beteiligt waren die Rainforest Alliance, die lokale und regionale Regierung sowie der WWF Japan.

Der Beginn war zäh, Waldbesitzer, die sich der Gruppenzertifizierung anschließen wollten, rar. Das Zertifizierungsprojekt startete mit 97 Mitgliedern, die zusammen 2.249 Hektar Wald besaßen. Im Laufe der vergangenen 17 Jahre traten immer mehr Mitglieder der Kooperative dem Zertifizierungsprojekt bei. Die Anzahl stieg auf 1.476 Beteiligte mit einer Waldfläche von insgesamt 13.412 Hektar. Heute findet man das FSC-Logo an vielen Orten in der Stadt, z. B. an der Grundschule und an den Markthallen.

Schulung nachhaltiger Praktiken gemäß FSC-Zertifizierung in Japan.

Schulung nachhaltiger Praktiken gemäß FSC-Zertifizierung in Japan.

Die Herausforderungen auf dem Weg zur FSC-Zertifizierung waren – global betrachtet – eher untypisch. Die Probleme japanischer Forstwirtschaft sind völlig andere als die, die wir kennen. Kahlschlag ist in weiten Teilen der Erde für Wälder die Hauptbedrohung. In Japan hingegen ist Forstwirtschaft häufig einfach nicht rentabel – und das hat Folgen. Viele Forstflächen werden verlassen zurückgelassen. Zwischen den 1950er und 1970er Jahren hatte die Nationalregierung die Wälder in den Bergen zur Bewirtschaftung freigegeben. Die Preise für Holz waren jedoch so gering, dass Forstwirte damit nicht einmal ihre Kosten decken konnten.

Ein weiteres Problem in Japan ist die Landflucht junger Menschen. Durch vermehrte Abwanderung der jungen Generationen in die Städte altern die Dörfer. Es gibt zu wenig junge Arbeitskräfte, viele Wälder können nicht mehr adäquat bewirtschaftet werden. Die Folgen: Vermehrt kranke Baumbestände, geringe Biodiversität und kaum funktionierende Wassereinzugsgebiete. Im Gegensatz zum globalen Engagement für den Erhalt von Wäldern müssten in Japan zunächst viele Bäume gefällt werden, um dann ein neues intaktes Wald-Ökosystem wiederherzustellen.

7361920926_2b60262bbc_hDie Unterstützung der Lokalregierung in Yusuhara war mitentscheidend für den Erfolg des Zertifizierungsprojekts der Kooperative. Die Regierung hat sich auf die wichtigste Ressource der Stadt besinnt: die Umwelt. Verschiedene Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit wurden umgesetzt. Die Stadt wurde zu einem Modell für Umweltschutz. Beispielsweise fördert die Lokalregierung Wind- und Wasserkraft zur Energiegewinnung. Viele Haushalte haben Solaranlagen auf ihren Dächern angebracht. Die FSC-zertifizierte Forstkooperative stellt aus Restholz in den Sägemühlen Granulat als Biobrennstoff her. Das langfristige Ziel der Stadt: Bis 2050 soll der Energiebedarf zu 100 Prozent selbst gedeckt werden.

Heute ist die Bekanntheit des FSC in Japan immer noch gering. Zertifizierungen führen nicht zwangsläufig zu höheren Preisen oder höheren Verkäufen. Selbst nach 17 Jahren der Zertifizierungsarbeit wird das meiste zertifizierte Holz immer noch als nicht-zertifiziert verkauft. Man könnte sich fragen: „Warum dann überhaupt die FSC-Zertifizierung“? Mitglieder der YFOC antworten da mit einem Lächeln. Bereits vor der FSC-Zertifizierung hätten sie versucht, ihre Wälder verantwortungsvoll zu bewirtschaften. Das sei eine Selbstverständlichkeit. Durch die Zertifizierung seien sie sich ihrer Umwelt und ihrem Handeln noch bewusster geworden. Sie seien stolz darauf, den globalen Standard erreicht zu haben. Dafür steht das breite Grinsen, das man in solchen Gesprächen in ihren Gesichtern sieht.

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