Forstwirtschaft/Rainforest Alliance

Nachhaltige Forstwirtschaft im Maya-Biosphärenreservat

Im Gespräch mit José Román Carrera

Das Maya-Biosphärenreservat ist ein Wunder: Es beherbergt endlose Baumkronen, bedeutende archäologische Schätze und eine reiche Artenvielfalt. Das Gebiet erstreckt sich über rund 2,1 Millionen Hektar und entspricht damit etwa der Größe Hessens. Illegaler Kahlschlag und unerlaubte Drogengeschäfte bedrohen das Reservat und belasten wertvolle Ökosysteme, Jahrhunderte alte Kulturen und traditionell lebende Gemeinden. Seit 20 Jahren arbeitet die Rainforest Alliance mit Gemeinden im Maya-Biosphärenreservat zusammen, um Wälder zu schützen. Wir sprechen mit José Román Carrera aus Guatemala, Director Latin America bei der Rainforest Alliance. Er hat 1990 aktiv beim Aufbau des Maya-Biosphärenreservats geholfen, bevor er sich der Rainforest Alliance anschloss.

sergio-izquierdo4

Seit wann ist die Rainforest Alliance im Maya-Biosphärenreservat aktiv?

1995 haben wir mit unserer Arbeit für nachhaltige Forstwirtschaft gemäß FSC-Zertifizierung (Forest Stewardship Council) begonnen, also nur wenige Jahre nachdem das Reservat ins Leben gerufen wurde. Gemeinden können Forstkonzessionen von der Regierung erhalten – das ist eine zeitlich begrenzte Pacht, die den Gemeinde genehmigt, den Wald nachhaltig als Lebensgrundlage zu nutzen. Dafür müssen sie eine FSC-Zertifizierung erreichen und behalten. Das erste FSC-Zertifikat hat die Rainforest Alliance als Zertifizierungsstelle 1998 ausgestellt. 2001 folgte unser eigenes Büro in Guatemala.

José Román Carrera,

José Román Carrera, Director Latin America bei der Rainforest Alliance

Heute verfolgen wir einen integrierten Ansatz: Wir beziehen verschiedene Bereiche in unsere Arbeit mit ein, wie Tourismus, Märkte, Klimainitiativen, Bildung und nachhaltige Finanzierung. An diesem Ansatz haben wir gemeinsam mit den Gemeinden und der Regierung Guatemalas gearbeitet, um auf den wirtschaftlichen Wert des Waldes aufmerksam zu machen. Wir zeigen, dass Wälder als Einkommensquelle für die Menschen hier genauso gut oder sogar besser sind als Landwirtschaft oder Rinderhaltung.

Heute, 20 Jahre später: Was kannst du über Ergebnisse berichten?

In den Konzessionsgebieten, in denen wir aktiv sind, ist die Entwaldungsrate nahezu null – das ist zwanzig Mal niedriger als in der äußeren Pufferzone oder der streng geschützten Kernzone. Im Jahr 1989, noch bevor es die Konzessionsgebiete gab, hatte ich die Möglichkeit, diese Regionen genauer zu untersuchen. 21 illegale Sägewerke haben wir entdeckt. Und überhaupt waren 95 Prozent des abtransportierten Holzes aus dieser Region illegal. Heute haben wir das genaue Gegenteil erreicht: Über 95 Prozent der Holz- und Nicht-Holzprodukte aus dieser Region sind legal oder auch zertifiziert. Etwa 480.000 Hektar Wald sind nun FSC-zertifiziert.

sergio-izquierdo3Kleine und mittlere Unternehmen der Gemeinden haben über 50 Millionen US-Dollar durch zertifizierte Holz- und Nichtholzprodukte erwirtschaftet. In den vergangenen zehn Jahren haben sie 30.000 Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Den lokalen Leuten wurden Schulungen angeboten zu Themen wie Verwaltung, bestes unternehmerisches Handeln, Organisationsstruktur und Wertschöpfungsprozesse. Über 100 Forstwirtschaftsgemeinden sowie kleine und mittlere Unternehmen sind heute stärker aufgestellt. Und sie haben Zugang zu Krediten.

Was ist der Kern dieses Erfolgs?

Die Gemeinden investieren ihr Einkommen und ihre Bemühungen in bestes unternehmerisches Handeln und in den Schutz der Region.

Denkst du das Bewusstsein in Guatemala für den Klimawandel und dessen Folgen für die Umwelt nimmt zu?

Alle vier Jahre, wenn die Regierung wechselt, müssen die Rainforest Alliance und andere Organisationen die Regierung erneut aufklären. Neue Regierungen und neue Leute in lokalen Behörden wissen meist nicht viel über Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Nicht einmal die Finanzinstitutionen in Guatemala tun dies. Die meisten Gemeinden erhalten keine finanzielle Unterstützung, denn die Institutionen sehen Umweltdienstleistungen und nachhaltige Aktivitäten nicht als bankfähig an. Wir müssen sie also informieren.

sergio-izquierdo2Die lokalen Gemeinden hingegen sind sich dessen sehr bewusst und sie besitzen großes Wissen, schließlich bestreiten sie ihren Lebensunterhalt mit nachhaltigem Wirtschaften. Jeden Tag setzen sie nachhaltige Praktiken um, und sie sehen, dass es funktioniert.

Konnte dieser Ansatz vom Maya-Biosphärenreservat auch auf andere Regionen übertragen werden?

Wir konnten den Ansatz, den die Rainforest Alliance im Maya-Biosphärenreservat entwickelt hat, auf andere Regionen in Guatemala, in Honduras, in Mexiko, in Nicaragua, in Peru und sogar in Ländern Asiens und Afrikas übertragen. Wir wenden diesen Ansatz weltweit an. Innerhalb solcher Konzessionsgebiete konnten global allein seit 2013 über 18 Millionen US-Dollar mit Holz- und Nichtholzprodukten erwirtschaftet werden.

Wie geht die Reise nun weiter?

Wir arbeiten daran, diesen Ansatz weiter zu festigen, Entwaldung zu unterbinden, Ökosysteme wieder herzustellen, Lebensbedingungen zu verbessern und Armut zu reduzieren. Unsere Bemühungen müssen wir auch auf einen größeren geografischen Maßstab anwenden, um Gemeinden gegen Folgen des Klimawandels noch besser zu helfen – Guatemala gehört schließlich zu den zehn am meisten betroffenen Staaten der Welt.

Weitere Waldkohlenstoffprojekte – in denen die Gemeinden Entwaldung vermeiden, um Kohlenstoffzertifikate zu erhalten, die sie wiederum auf internationalen Märkten verkaufen können – stehen bereit. Durch sie könnten die Gemeinden in den kommenden 30 Jahren bis zu 100 Millionen US-Dollar erwirtschaften, wenn sie in diesem Zeitraum 32 Millionen Tonnen CO2-Emissionen durch intakte Bäume verhindern oder aus der Atmosphäre speichern.

Wie die Arbeit der Rainforest Alliance für nachhaltige Forstwirtschaft in Guatemala funktioniert, zeigt auch dieses Video:

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s