Klimawandel/Rainforest Alliance

Die größte Krise ist eine riesige Chance

Von Nigel Sizer und Andre de Freitas:

Nigel Sizer, Präsident der Rainforest Alliance

Nigel Sizer, Präsident der Rainforest Alliance

Am 4. November 2016 trat das Pariser Klimaabkommen in Kraft. 190 Regierungen haben das rechtsverbindliche internationale Dokument nach weniger als einem Jahr unterzeichnet. Auf der letzten Klimakonferenz 2016 in Marrakesch, Marokko, ging es um die nächste Phase: die Umsetzung. Hohe Aufmerksamkeit bekam der Sektor Landwirtschaft – zurecht. Hinter dem Energiesektor ist die Landwirtschaft weltweit der zweitgrößte Verursacher von CO2-Emissionen (etwa 25 bis 30 Prozent). Schon im Pariser Klimaabkommen wurde der Zusammenhang zwischen expansiver Landwirtschaft, Entwaldung und Klimawandel festgehalten.

Diese Agenda deckt sich mit unserer langjährigen Arbeit in nachhaltiger Landwirtschaft, einschließlich der Entwicklung eines dynamischen Nachhaltigkeits-standards (des SAN–Standards) und der Schulung von über 1,4 Millionen Farmern weltweit.

Andre de Freitas, Executive Director des SAN - Sustainable Agriculture Network

Andre de Freitas, Executive Director des SAN – Sustainable Agriculture Network

Auch wenn das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl eine gewisse Unsicherheit mit sich bringt, stellen wir fest, dass 90 Prozent aller nationalen Klima-Aktionspläne dem Sektor Landwirtschaft eine wichtige Rolle zuschreiben. Dies ist sowohl eine wichtige Verpflichtung führender Politiker als auch ein Appell an Organisationen wie die Rainforest Alliance.

Größte globale Krise der Menschheit

Eine entscheidende Frage ist: Wie können wir nachhaltige Landwirtschaft global fördern und dabei die spezifischen Herausforderungen unterschiedlicher Regionen und Rohstoffe meistern. Vor diesem Hintergrund ist der 2017 SAN-Standard nicht als ein starres Gebilde, sondern als ein Weg für kontinuierliche Verbesserungen angelegt. Dieser Ansatz soll Farmern den Einstieg in nachhaltigeren Anbau erleichtern und sie auf ihrem Weg – unter Berücksichtigung ihrer lokalen Probleme – unterstützen.

Der Klimawandel ist die größte globale Krise in der Geschichte der Menschheit. Sie erfordert das Engagement von Menschen auf allen Ebenen der Gesellschaft, um beispiellose Umweltzerstörung und menschliches Leid zu bekämpfen. Nur gemeinsam können wir diese Krise bewältigen. Es braucht jedes Engagement, von mutigen politischen Entscheidungen bis hin zum alltäglichen Handeln jedes Einzelnen rund um den Globus.

Die Global Climate Action Agenda der Klimakonferenz von Marrakesch im November 2016 nennt Landwirtschaft „die größte Chance… einzigartig in ihrem Potenzial, um Armut, Hunger und den Klimawandel gleichzeitig anzugehen.“ Um dieses Potenzial auszuschöpfen, benötigen wir nachhaltige Landwirtschaft auf globaler Ebene, darunter große Plantagen und Kleinerzeuger gleichermaßen. Der 2017 SAN-Standard bietet das erforderliche Regelwerk, um dorthin zu gelangen.

Ein Auszug: Unser Standard für Nachhaltige Landwirtschaft (SAN-Standard)

Klimasmarte Landwirtschaft

Im 2017 SAN-Standard ist klimasmarte Landwirtschaft explizit integriert. Als erstes Zertifizierungssystem bündelt der SAN-Standard verschiedene Methoden mit dem Ziel, Farmen produktiver und widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen. Gleichzeitig reduzieren Farmen den eigenen CO2-Ausstoß.

Entscheidend ist, dass Farmer geeignete Klimamaßnahmen proaktiv umsetzen. Aktionspläne können dabei je nach Region variieren. Sie umfassen zum Beispiel den Anbau zusätzlicher Nutzpflanzen, Aufforstung von Wäldern zur Bindung von CO2 aus der Atmosphäre, einen besseren Umgang mit Böden und die Verwendung organischer Dünger.

Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln

Der 2017 SAN-Standard umfasst die bislang strengsten Bestimmungen zur integrierten Schädlingsbekämpfung und zur Nutzung von Pflanzenschutzmitteln. 150 Substanzen, die von der WHO (World Health Organization) und FAO (Food and Agriculture Organization) als „hochgefährlich“ eingestuft werden, sind verboten. Für die Anwendung weiterer 170 Substanzen gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen. Diese Anforderungen sollen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schrittweise reduzieren und die Risiken für Menschen, Tierwelt und aquatische Ökosysteme minimieren.

Schutz von Bestäubern

Pflanzenschutzmittel der Klasse Neonicotinoide sind im 2017 SAN-Standard verboten. Diese Mittel sind für ihre schädliche Wirkung auf Bestäuber bekannt. In der Praxis zeigt sich, dass die Umsetzung komplex ist. In den Tropen sind diese Substanzen weit verbreitet, teils von Regierungen subventioniert. Für Kleinbauern sind sie oft die einzige rentable Option. Ein vollständiges Verbot über Nacht würde für fast 1,3 Millionen Farmer einen finanziellen Ruin bedeuten.

Gibt es keine umsetzbare Alternative, erhalten Farmer eine Übergangsfrist von maximal drei Jahren, um die Anwendung dieser Mittel gänzlich zu stoppen. Bis dahin müssen diese Substanzen so angewendet werden, dass die Risiken für Menschen und Bestäuber minimiert werden. Spätestens ab Juli 2020 dürfen zertifizierte Farmen keine Neonicotinoide mehr verwenden.

Schutz der Arbeiterrechte

Im 2017 SAN-Standard sind strenge Anforderungen zu Aspekten wie Menschenrechte, Arbeiterunterkünfte, Sanitäranlagen, Sicherheit, Gleichstellung der Geschlechter, Kinderarbeit und existenzsichernde Einkommen (living wage) festgeschrieben.

Zertifizierte Farmen müssen für ihre Arbeiter ein funktionierendes Beschwerdesystem etablieren und Missstände zügig beheben. Arbeiter auf zertifizierten Farmen müssen mindestens den gesetzlich festgelegten Mindestlohn erhalten. Ziel ist es, dass alle Farmen existenzsichernde Löhne zahlen. Die Rainforest Alliance und das SAN sind Mitglieder in der Global Living Wage Coalition, eine Gruppe führender standardsetzender Organisationen, die zusammenarbeiten, um existenzsichernde Löhne für verschiedene Regionen besser zu definieren und Fortschritte in verschiedenen Lieferketten zu erzielen.

Den vollständigen Beitrag im Original gibt es hier.

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