Rainforest Alliance/Tourismus

Urlaub im Amazonas-Regenwald

Tourismus-, Farm- und Forstbetriebe existieren nicht in einem Vakuum. Ihr Handeln wirkt sich auf ihre Umwelt aus. In sensiblen Regionen wie dem Amazonas-Regenwald greifen sie häufig in die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ein, teils bis hin zur Zerstörung ganzer Ökosysteme. Damit positive Effekte durch verantwortungsvoll geführte Betriebe so groß wie möglich sind, verfolgt die Rainforest Alliance einen umfassenden Ansatz für Nachhaltige Landschaften.

In Projekten, die große zusammenhängende Landflächen adressieren, arbeitet die Rainforest Alliance mit lokalen Partnern vor Ort zusammen, wie Corporación Gestión y Derecho Ambiental ECOLEX und Asociación para la Investigación y el Desarrollo Integral AIDER. Dreh- und Angelpunkt sind Lösungen, die den Raubbau an der Natur beenden und indigene Gemeinden an Einkommensmöglichkeiten heranführen, die auf Nachhaltigkeit beruhen. Eine Schlüsselrolle spielt hier der Nachhaltige Tourismus.

Schwerpunkt der Aktivitäten sind zwei Gebiete im Amazonas, die dünn besiedelt und noch weitgehend intakt von Regenwald überzogen sind. Sie beherbergen eine hohe Artenvielfalt und waren ursprünglich nur von Indigenos bewohnt: Die Provinz Sucumbiós in Ecuador und Madre de Dios in Peru.

Madre de Dios, Peru

Peru landscapeDie Region Madre de Dios in Peru ist mehr als doppelt so groß wie die Schweiz. Dort leben jedoch nur rund 75.000 Einwohner; Dreiviertel davon in der Provinz-Hauptstadt Puerto Maldonado. Der Rest ist kaum erschlossene, mit tropischem Regenwald bewachsene Wildnis. Allerdings lagern hier wertvolle Bodenschätze, deren legaler und illegaler Abbau bereits Wunden in die Natur geschlagen hat.

Die indigene Bevölkerung steht dem in der Regel machtlos gegenüber. Der Rainforest Alliance und ihren Partnern geht es deshalb zunächst darum, dass Indigene ihre Rechte einfordern können. Dann sollen sie selbst für das Wohlergehen ihrer Heimat Sorge tragen. Eine wichtige Voraussetzung: Sie müssen von ihrer Umgebung auch leben können. Die indigenen Gemeinden von nachhaltigen Methoden zu überzeugen ist nicht schwer. Ihre Heimat wollen sie schließlich auch für zukünftige Generationen erhalten.

Hotelanlage in Peru. Foto: © David Dudenhöfer

Hotelanlage in Peru. Foto: © David Dudenhöfer

In einigen Teilen von Madre de Dios sind Naturreservate mit üppiger Artenvielfalt eingerichtet worden. Behutsam werden diese Regionen nun vom Ökotourismus erschlossen. Das größte Reservat, der Nationalpark Manú, ist etwa so groß wie das Bundesland Hessen. 1987 wurde er von der UNESCO zum Weltnaturerbe erhoben. Der Zugang ist stark eingeschränkt. Die Kernzone, die über 4/5 des Parks ausmacht, darf überhaupt nicht betreten werden.

Ökotourismus ist eine der wenigen Landnutzungsstrategien in Madre de Dios, die wirtschaftlich mit zerstörerischen Alternativen wie illegalem Bergbau oder Waldrodung konkurrieren kann. Sachgerechte Planung und angemessenes Management auf verschiedenen Ebenen ist essenziell, damit der Ökotourismus nicht selbst zur Gefahr für die Biodiversität und die Funktionsfähigkeit eines Ökosystems wird.

Durch den Bau der Interozeanischen Autobahn sind die Touristenzahlen in Madre de Dios in die Höhe geschossen. Nur eine begrenzte Anzahl von Orten ist deshalb noch zugänglich. Dorthin gelangen Besucher nur mit speziell lizensierten Tour-Anbietern, die von Indigenen betrieben werden. Die Chancen dabei wilde Tiere zu beobachten sind groß. Beispielsweise haben hier rund 550 verschiedene Vogelarten und 100 Arten von Fledermäusen eine Heimat.

Die Schutzzonen in Madre de Dios verteilen sich auf 4.000 Meter Höhendifferenz und über drei verschiedene ökologische Zonen: Regenwald, Bergregenwald und Hochgebirge. Diese einzigartige Landschaft ist auch Ziel wissenschaftlicher Forschung. In der biologischen Station Cocha Cashu ist die größte Datenbank über tropische Ökosysteme in Südamerika entstanden. Sie wird von der Universidad La Molina in Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Institut Frankfurt am Main betrieben. Die bisherige Forschung zeigt: Mindestens 10 Prozent der hier anzutreffenden Pflanzenarten sind der Wissenschaft noch vollkommen unbekannt.

Sucumbiós, Ecuador

Ecuador landscapeDie ecuadorianische Provinz Sucumbiós liegt 2.000 km nördlich von Madre de Dios und hat ähnliche Voraussetzungen. Sucumbiós ist in der Fläche etwas kleiner, hat aber rund 150.000 Einwohner. Bevor in den 1970er Jahren in Sucumbiós Erdöl gefördert wurde, war es eine entlegene, unbedeutende und dünn von Indigenen besiedelte Wildnis mit hoher Artenvielfalt.

Heute ist Sucumbiós eine der wirtschaftlich wichtigsten Orte des Landes. Die ecuadorianische Regierung hat entschieden, dass nicht die Erdölförderung, sondern der Ökotourismus eine Hauptsäule der Wachstums-Strategien des Landes sein soll. Viele Naturreservate wurden bereits angelegt. Freddy Ehlers-Zurita, Tourismus-Minister, möchte neue Märkte erschließen: „Das Schicksal Ecuadors ist der Tourismus.“

Foto: © Caleb Schauer

Foto: © Caleb Schauer

Sucumbiós hat sich spezialisiert auf Aktivurlaub: Rafting, Canyoning, Kajakfahren, Sportfischen, Schwimmen, Flussfahrten und Wanderungen. Aber auch Spa-Angebote gehören dazu. Unterkünfte und lokales Kunsthandwerk bietet auch die indigene Bevölkerung an. Ihre Produkte sind inzwischen so beliebt, dass sie auch außerhalb der Provinz Abnehmer finden. Die Sani Warmi Women Handicrafts Association, eine Organisation indigener Frauen, verkauft ihre Produkte sogar national und international.

Hotelanlage in Ecuador.

Hotelanlage in Ecuador.

Bei ihrem Angebot arbeitet die indigene Bevölkerung jetzt mit gezielter Risikoprävention (Destination Management Methodology), um ungewünschte Folgen für die Umwelt durch den Tourismus zu minimieren. Diese Praktiken haben sich in Sucumbiós bewährt und sollen nun in 10 weiteren Schutzzonen Ecuadors eingeführt werden.

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