Landwirtschaft/Studie/Viehzucht

Wie Brachland im Amazonas wieder fruchtbar werden kann

Der Amazonas-Regenwald ist die größte zusammenhängende Waldfläche der Erde. Entsprechend groß ist ihre Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht. Von dem Sauerstoff, der dort produziert wird, profitieren letzten Endes alle Lebewesen rund um den Globus. Doch seit mehreren Jahrzehnten schrumpft die „Lunge der Erde“. Eine Ursache: Extensive Landwirtschaft, die den Regenwald zerstört und ausgelaugte Brachflächen hinterlässt.

Wasserfall im Amazonas-Regenwald in Ecuador.

Wasserfall im Amazonas-Regenwald in Ecuador.

Lösungen für dieses Dilemma hat die Rainforest Alliance in Zusammenarbeit mit der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und der UEA (Universidad Estatal Amazónica) in Ecuador in einer Studie ausgearbeitet. Einerseits, um den Amazonas zu schützen und andererseits, um den Menschen vor Ort die Möglichkeit zu geben, ihre Existenzgrundlage zu sichern.

Maßnahmen angepasst für jede Region

Als erstes wurde eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Formen der Viehwirtschaft in Ecuador durchgeführt. Denn im Tiefland herrschen ganz andere Bedingungen als in den Bergen. Es gibt Fleisch-erzeugende Betriebe, solche, die Fleisch und Milch erzeugen und reine Milch erzeugende Betriebe. Und auch die Betriebsgröße reicht von der kleinen familiengeführten Farm bis zum Großbetrieb. Dabei wurden fünf Haupttypen der Viehbewirtschaftung identifiziert.

Für jeden dieser Farmtypen wurden maßgeschneiderte Lösungsvorschläge entwickelt. Ein wichtiger Bestandteil darin ist die Wiedernutzbarmachung zerstörter Landschaften. Heruntergewirtschaftetes Weideland lässt sich beispielsweise in Waldweidewirtschaftsland umwandeln. Dazu werden Bäume gepflanzt, der Wald also partiell wieder aufgeforstet, und Pflanzenhecken als natürliche Umzäunungen gesetzt. Aber auch bestehende Weideflächen können besser nutzbar gemacht werden, indem unter anderem natürliche Drainagesysteme angelegt und der Weidewechsel ausgeweitet wird.

Insgesamt wurden in der Analyse über 100 verschiedene Maßnahmen identifiziert, die dazu beitragen können, Brachflächen im ecuadorianischen Amazonas wieder nutzbar zu machen und Lebensräume für Tiere und Pflanzen wieder wachsen zu lassen.

Farmer können ihr Einkommen vervielfachen

Ganz wichtig dabei ist, die bereits bestehenden Aufzuchtmethoden zu verbessern: Höhere Futtermittelqualität, vom Nährstoffgehalt bis hin zur Mineralienversorgung, bessere Nachzüchtungsmethoden und medizinische Betreuung der Tiere. So können Ressourcen geschont und ein höherer Ertrag erzielt werden. Auch der Umgang mit Abfällen wurde in den Lösungsvorschlägen berücksichtigt: Ob Komposthaufen mit Wurmkulturen oder halb-mechanische Vergärungsanlagen, der verantwortungsvolle und nachhaltige Umgang mit Abfällen trägt mit dazu bei, die Erträge zu steigern und gleichzeitig Gutes für die Umwelt zu tun.

Was einzelne Farmer konkret tun können, haben wir in sogenannten Best Management Practices (BMPs) zusammengefasst. Diese nachhaltigen Praktiken haben wir abgeklopft auf die Gegebenheiten vor Ort: nur das, was dort technisch machbar ist und in den dort existierenden soziokulturellen Zusammenhang eingebunden werden kann, fand Eingang in unsere Vorschlagsliste. Und natürlich das, was sich mildernd auf den Klimawandel auswirkt.

Die Analyse zeigt: Wird rund die Hälfte der heruntergewirtschafteten Weideflächen in alternative Nutzungsmöglichkeiten umgewidmet, könnte es das Durchschnittseinkommen der Farmer in wenigen Jahren vervielfachen. Dazu gehören etwa der Anbau von Edelhölzern, Kaffee, Kakao oder auch einheimischen Früchten. Das ist eine fantastische Erkenntnis. Farmer, die diese Maßnahmen umsetzen, können also langfristig besser von ihren Farmen leben. Brachliegende Flächen werden zudem wieder ur- und bewohnbar und das ist gut für Tiere und Pflanzen.

Erfolge auf weitere Gebiete im Amazonas übertragen

Die ecuadorianische Regierung hat ehrgeizige Ziele: Sie will nächstes Jahr 500.000 Hektar Land wieder nutzbar machen und 30.000 Hektar Land wieder aufforsten. In den folgenden Jahren soll sich die Umwandlung der Flächen sukzessive auf 1,3 Millionen Hektar pro Jahr erhöhen.

Die Studie hilft bei der Auswahl von Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Und auch außerhalb Ecuadors lässt sich der methodologische Ansatz dieser Studie auf Länder wie Kolumbien und Brasilien übertragen. In großen Gebieten Brasiliens und Kolumbiens herrscht eine vergleichbare Situation. Was sich in Ecuador als praktikabel und erfolgreich erweist, kann in diesen beiden Amazonas-Ländern ebenfalls erfolgversprechend sein.

Auch der Wissensaustausch im gesamten Amazonas-Gebiet wird mit der Studie gefördert, um verschiedene Einschätzungen dafür zu gewinnen, was an Investitionen notwendig ist, damit heruntergewirtschaftete Weideflächen in großem Umfang wiederhergestellt werden können. Denn ohne Investitionen wird es nicht gehen.

28872131985_2ffa0259a8_bMehr Informationen zur Rinderhaltung gemäß Rainforest Alliance Certified gibt es hier.

2 thoughts on “Wie Brachland im Amazonas wieder fruchtbar werden kann

  1. Pingback: Kennst du den Regenwald… in Kanada? | The Frog Blog Deutsch

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