Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Per Smartphone, Tablet und App: Farmer mit der Welt verbinden

Connecting famers1„Wie sehen die Menschen aus, die meinen Kaffee trinken? Warum achten sie auf das Siegel der Rainforest Alliance? Was wissen sie über mein Leben?” Das würde Avimael Leiva Mérida, Kaffeefarmerin in Guatemala, gerne wissen.

Die Rainforest Alliance hat zertifizierte Kaffeefarmer wie Leiva in Huehuetenango, dem Hochland im Westen Guatemalas, zu einem Pilotprojekt geladen. Jeder Farmer sollte überlegen, welche Fragen er zu seinem Kaffee stellen würde, wenn er jede beliebige Person auf der Welt erreichen könnte.

„Ich möchte wissen, welche Preise Farmer in anderen Ländern für ihren Kaffee erzielen“, sagt Lucio López. „Und welche Tipps haben sie für qualitativ guten Anbau.“

„Ich weiß von Dürren in Kolumbien. Haben Farmer gute Lösungen, um damit zurecht zu kommen“, möchte Lucia Putul wissen.

Kleinfarmer wie diese in Huehuetenango gehören zu den wichtigsten Akteuren in der Kaffee-Lieferkette. Unterschiedliche Sprachen, Lesen und Schreiben sowie technisches Wissen wirken auf Farmer häufig wie Barrieren und isolieren sie. Möglichkeiten miteinander Informationen zu teilen und Ratschläge zu geben haben sie nicht. Ein Austausch findet meistens nur innerhalb ihrer Kooperative und bei regelmäßigen Schulungen statt.

Connecting famers3Das Pilotprojekt der Rainforest Alliance will dies ändern. Farmer in dieser anbauenden Gemeinde sollen die Möglichkeit bekommen, sich mit anderen Farmern in Verbindung setzen zu können – und sicherlich auch mit anderen Akteuren der Lieferkette. Und nicht nur das: Informationen zu allem – von nachhaltigen Anbaumethoden bis hin zu Unternehmensstrategien – sind nunmehr einen Klick oder Wisch entfernt.

Weil Geräte wie Tablets in dieser ländlichen Region eher ungewöhnlich sind, hat die Rainforest Alliance nach einem effektiven Weg gesucht, um das technische Verständnis und den Zugang zu Informationen möglichst einfach zu gestalten: Im Rahmen des Pilotprojekts wurden 25 Farmer (zwischen 22 und 60 Jahren) mit Tablets und Smartphones ausgestattet. Über eine App haben sie Zugang zu Informationen, die sie mit ihrer Gemeinde teilen – unter anderem in Form von monatlichen Schulungen, die sie selbst durchführen. Die Farmer sammeln Fragen und Fotos und laden sie über die App hoch. Die Rainforest Alliance wiederum sichtet alle Fotos und beantwortet eingehende Fragen.

Um die App „Commcare“ zu entwickeln und an die Bedürfnisse der Farmer anzupassen, arbeitet die Rainforest Alliance mit Dimagi zusammen, einem Social Entrepreneur in privater Hand. Einmal heruntergeladen funktioniert die App auch offline – nützlich für alle, die nicht jederzeit Zugang zum Internet haben. Um möglichst alle Farmer erreichen zu können, unabhängig davon wie gut sie lesen und schreiben können, werden Informationen über die App überwiegend visuell vermittelt. Dazu gehören Videos, Fotos und Audioaufnahmen zu Themen wie Finanzen, Märkte und beste Management-Praktiken. Am wichtigsten ist jedoch, dass die App ihnen dabei hilft, ein Netzwerk aus Farmern aufzubauen, damit sie voneinander lernen können.

Obwohl das Pilotprojekt bei Farmern beginnt, erreicht es auch Unternehmen. Diese erhalten Berichte direkt vom Feld und können Daten zu Erzeugern einsehen, die die Vorteile ihres Anbaus belegen. Mit der App könnten zudem Informationen in Echtzeit geteilt werden, z. B. über Schwierigkeiten beim Anbau. Man hofft auch, zukünftig Verbraucher in die App einbeziehen zu können, damit sie mehr über den Anbau und die Menschen hinter ihrem Kaffee erfahren.

Kleinerzeuger mit Werkzeugen, Bildung und Informationen zum Klimawandel, schwankenden Märkten und anderen Herausforderungen zu versorgen ist essenziell, um ihre Zukunft zu sichern und die globale Lebensmittelnachfrage zu bewältigen. Durch neue Technologien können Kleinerzeuger in Austausch miteinander treten. Das kann ihnen dabei helfen, ihre nachhaltigen Praktiken weiter zu verbessern, ihren Anbau an den Klimawandel anzupassen und insgesamt wettbewerbsfähiger zu werden.

Derzeit sollen weitere Farmer und Akteure der Lieferkette in das Pilotprojekt in Guatemala integriert werden, um den gemeinsamen Austausch weiter zu fördern. Das Projekt soll dann auch auf andere Rohstoffe übertragen und in anderen Ländern angewendet werden.

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