Forstwirtschaft/Klimaschutz/Klimawandel/Rainforest Alliance

Osttimor installiert sein erstes gemeinschaftlich verantwortetes Projekt zur Kohlenstoffbindung

Im Jahr 2002 errang Osttimor seine Unabhängigkeit von Indonesien. Diesem Ereignis gingen jedoch Jahre großflächiger Zerstörung von Naturraum und Infrastruktur voraus. Mit seinen gerade einmal vor 15 Jahren erlangter Unabhängigkeit zählt Osttimor heute zu den jüngsten Staaten der Erde. Nach konfliktreichen Jahren befindet sich das süd-pazifische Land in einer Phase des kontinuierlichen Aufbaus. Dabei zieht es auch sozialen und ökologischen Nutzen aus seinem ersten gemeinschaftsbasierten Kohlenstoffbindungsprojekt. Dabei handelt es sich um ein zukunftsweisendes Unterfangen, das vom „WithOneSeed“-Programm der australischen „xpand Foundation Intiative“ unterstützt wird. „WithOneSeed“ ist für Kohlenstoffbindung Gold-Standard-zertifiziert. In gemeinsamer Anstrengung wird neues Leben in die Wälder getragen und Hoffnung auf eine gedeihliche Zukunft in die indigenen Dorfgemeinschaften, die von den Wäldern abhängig sind, transportiert.

Rund um die Gemeinde Baguia besteht das Land hauptsächlich aus vereinzelten Überresten von Waldstücken, die zwischen agrarischen Nutzflächen und Weideland liegen. Die Landschaft ist von niedrigen Ertragsraten in der Landwirtschaft gekennzeichnet. Das bedeutet, dass die Mehrheit der lokalen Bevölkerung ihr Einkommen durch das Ausschlachten dessen aufbessert, was von den Rohstoffen, die die Wälder liefern, übrig geblieben ist. Viele der geläufigen Vorgehensweisen sind überhaupt nicht nachhaltig und führen zu einer immer gravierenderen Schädigung der Umwelt. Ursachen sind Übererntung, Überweidung oder das wiederholte Abbrennen der Weideflächen. Die große Mehrheit der Farmer von Baguia lebt am Existenzminimum. Sie betreibt Ackerbau auf völlig ausgelaugten Böden – auf Flächen, die einst Wälder waren. Nun werden auf Farmen in Baguia wieder Bäume gepflanzt, wird mit dem WithOneSeed-Programm Wald aufgeforstet.

Das Gebiet, in dem das Projekt angesiedelt ist, ist anfällig für länger andauernde Trockenperioden und eine hohe Gefährdung für das Grundwasser. Die dort siedelnde Bevölkerung ist unhaltbar abhängig von unsicheren Wasserquellen. Die Wiederaufforstungsmaßnahmen, die vom WithOneSeed-Projekt eingeleitet worden sind, sollen dazu beitragen, den Oberflächenabfluss und Überflutungen bei starken Regenfällen einzudämmen und Wasser unter der Oberfläche besser zu speichern. Die Gesamtfläche, die für eine Wiederaufforstung in Frage kommt, ist rund 5.000 Hektar groß. Bis zum Jahr 2015 sind 29 Hektar wieder bepflanzt worden. Dieser Wert soll bis 2040 auf zunächst 142 Hektar anwachsen.

Insgesamt bemühen sich Kohlenstoffbindungsprojekte darum, dem fortschreitenden Klimawandel zu begegnen und negative Effekte intensiver Landnutzung zu beschränken. Hauptziele sind stets die Reduzierung von Treibhausgasemissionen, die Sanierung der Bodenqualität, die Renaturierung der Wasserläufe sowie der Schutz der Böden vor Erosion. Das Projekt wird aller Voraussicht nach auch Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schaffen. Die Projektmanager erhoffen sich zudem, dass die Gemeinden von einer Reihe sozialer Leistungen profitieren können. Sie sollen u. a. durch die Einnahmen aus Wiederaufforstungen und daraus folgendem direktem Zugang zu den Kohlenstoffmärkten finanzierbar werden.

Timor Community

Ein Expertenteam der Rainforest Alliance zusammen mit RA-Cert-Kohlenstoff-Auditoren reiste vor kurzem nach Baguia, um die „Initial-Zertifizierung“ des WithOneSeed-Wiederaufforstungsprojektes gemäß des Gold-Standards zu leiten. Das Audit umfasste eine detaillierte Überprüfung 1. des Projektentwurfs, 2. der geforderten Übereinstimmung mit den strengen Richtlinien des Standards und 3. der prognostizierten Kohlenstoffbindungswerte. Nachdem die erste Zertifizierung nach Gold-Standard erreicht wurde, müssen die Projekte nun weitergeführt werden in Richtung einer „Leistungs-Zertifizierung“. Bei ihr wird es darum gehen festzustellen, ob eine definierte Projektmaßnahme auch tatsächlich die in den Plänen festgelegten Werte für erfolgreiche Kohlenstoffbindung erreicht. Danach sind mindestens alle fünf Jahre Überprüfungs-Audits erforderlich, um den tatsächlichen Wert der Emissions-Reduzierung, der durch die Projekte erzielt wurde, ermitteln zu können.

Das erste RA-Cert-Zertifizierungs-Audit bestätigte die angestrebten Werte an Kohlenstoffbindung als realistisch. Es dauert allerdings einige Zeit, bis ein einzelner Baum nach Pflanzung messbare Mengen an Kohlenstoff einlagern kann. So findet eine Performance-Zertifizierung (Überprüfung) üblicherweise erst nach einigen Jahren statt. Die Anfangsphase, die zur WithOneSeed-Gold-Standard-Zertifizierung führte, begann in der Baguia-Dorfgemeinschaft bereits im Jahr 2009. Die ersten Mahagoni-Setzlinge wurden 2010 eingepflanzt.

Die RA-Cert-Kohlenstoff-Auditoren setzten sich also unlängst mit den WithOneSeed-Projektmanagern und weiteren Teammitgliedern der Gemeinden vor Ort zusammen, um die Evaluierungsindikatoren und andere notwendige Maßnahmen für das Leistungs-Audit zu besprechen. Das Audit selbst beinhaltete eine Besichtigung der bepflanzten Parzellen, der Baumschulen und -schonungen und schloss Interviews mit teilnehmenden Farmern sowie mit Vertretern der betreffenden Dorfgemeinschaften verbindlich ein. Kohlenstoffbindungsprojekte gemäß des Gold-Standards müssen sich auch an umfangreiche Nachhaltigkeitsanforderungen halten, ‚Do No Harm‘-Bewertungen vorbereiten und Stakeholder-Konsultationen vor Ort durchführen. Das Anforderungsgerüst für Zertifizierungsaspiranten ist demnach sehr anspruchsvoll. Aber es lohnt sich.

Interessiert an weiteren Informationen? Dann erfahre mehr über die positiven Auswirkungen von Kohlenstoffbindungsprogrammen, von denen z. B. Dorfgemeinschaften auf den Philippinen bereits profitieren.

 

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