Forstwirtschaft/Rainforest Alliance

Behutsam in Richtung Nachhaltigkeit: Kautschuk-Anbau in Vietnam

Letzten Monat führte die International Rubber Study Group in Singapur ihre erste große Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit durch. Edward Millard, Director of Landscapes & Livelihoods for Asia bei der Rainforest Alliance, war da und erlebte einen Industriezweig, der aufmerksam zuhörte…

Verwendet wird der Rohstoff unter anderem bei der Herstellung von Autoreifen oder Latex-Handschuhen: Naturkautschuk, ein Haupterzeugnis der Tropen, das auf rund 12 Millionen Hektar Anbaufläche geerntet wird und somit in etwa dieselbe Fläche bedeckt wie diejenige, die zum Anbau von Kaffee-Sträuchern genutzt wird. Das entspricht bald der Größe Englands. 93 Prozent der Kautschuk-Baum-Plantagen stehen in Süd-Ost-Asien. Sechs Millionen Menschen arbeiten in der Produktion und der Verarbeitung von Kautschuk. Die große Mehrheit (etwa 85 Prozent) der Produzenten sind Kleinbauern.

Der Prozess der Kautschuk-Produktion beginnt mit dem Einschneiden der Rinde des Kautschukbaumes. Die aus dem Schnitt herausfließende Latexflüssigkeit wird in einem Behälter aufgefangen, während das Prozedere am nächsten Baum wiederholt wird. Die Kleinbauern verkaufen dann das von ihnen gesammelte Latex an Händler, die es ihrerseits an Fabriken weiterverkaufen, wo es zu verschiedenen Arten von Gummi weiterverarbeitet wird.

Lieferketten, die von Kleinbauern dominiert werden und ihren Rohstoff über Zwischenhändler verkaufen, lassen sich nur schwer kontrollieren. Und weil das so ist, hat sich die Naturkautschuk-Industrie der Überprüfung ihrer Sozial- und Umwelt-Praktiken bislang kaum gewidmet. Das Hauptaugenmerk von NGOs und öffentlicher Wahrnehmung lag bisher auf der Rohstoffproduktion und -weiterverarbeitung von Lebensmitteln und Textilprodukten. Das bedeutet neben der Tatsache, dass die synthetische Kautschukproduktion einen Großteil des Bedarfs von Industrie und Konsumenten deckt, dass diese Industrie lange im Verborgenen arbeitete und nicht als großes Risiko wahrgenommen wurde. Als Konsequenz daraus hat das Thema Nachhaltigkeit in der Naturkautschuk-Sektor keine große Bedeutung gehabt.

Nun beginnen sich die Dinge zu ändern. Wie bei anderen tropischen Handelsgütern erkennt nun auch dieser Industriezweig an, dass es Probleme gibt, die angegangen werden müssen. Entwaldung ist ein Hauptproblem. Die Landfläche, die zur Naturkautschuk-Produktion genutzt wird, hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht, wobei große Teile der Erweiterung durch die Rodung von Waldflächen entstanden sind.

Vietnam ist eines der Hauptanbauländer für Naturkautschuk. Bis zum Jahr 2012 wurde die geschätzte Menge von 79 Prozent der Kautschuk-Plantagen im zentralen Hochland auf früheren Waldgebieten angelegt. NGOs wie Global Witness berichteten, dass Gemeinden von illegaler Landnahme betroffen waren, auf deren Flächen neue Kautschukplantagen errichtet worden sind. Im Zuge einer offiziellen Beschwerde, die Global Witness einreichte, nahm der Forest Stewardship Council seine Zertifizierung zurück und trat im Oktober letzten Jahres aus der Vietnam Rubber Group aus. Als Begründung nannte er „inakzeptable Landmanagement-Praktiken“ und stellte fest, dass Kautschuk-Plantagen negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Existenzgrundlagen von lokalen Gemeinschaften in Kambodscha und Laos haben.

Im Jahr 2014 präsentierte die International Rubber Study Group (IRSG) als ersten Schritt für ihre Mitglieds-Gesellschaften die „Sustainable Natural Rubber Initiative“, um ein gemeinsames Verständnis für  inakzeptable Praktiken in Lieferketten zu entwickeln und diesen entgegenzutreten. Dieser Initiative gemäß stellte die IRSG fünf Richtlinien auf für eine nachhaltige Kautschuk-Produktion und verlangte von den Unternehmen, Bericht zu erstatten — mithilfe eines Katalogs von Leistungsmarkern, um Verstöße gegen jede der Richtlinien feststellen zu können und um zu helfen, Verbesserungen zu erfassen, die durch IRSG-Bemühungen entstanden sind. Diese Art selbstberichtendes Vorgehen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch benötigen die Unternehmen Unterstützung, um ein strengeres Vorgehen zu entwickeln, damit sie herausfinden können, was wirklich in der Produktion und bei den Verarbeitungsschritten vorgeht. Das ist ein unerlässlicher Schritt auf dem Weg, eine angemessene und konsequente Vorgehensweise zu entwickeln.

Die erste Konferenz der IRSG zum Thema Nachhaltigkeit im letzten Monat stellt eine positive Bewegung in Richtung einer nachhaltiger arbeitenden Kautschuk-Wirtschaft dar. Sie war in Zusammenarbeit mit Birdlife International organisiert worden und bot Gelegenheit, sich auszutauschen über die Herausforderungen für Umwelt und Soziales. Über 100 Delegierte aus Industrie, Politik und Zivilgesellschaft nahmen daran teil.

Seit über einem Jahr arbeitet auch die Rainforest Alliance an einem planvollen Austausch mit Unternehmen sowohl aus der Reifen- wie aus der Latex-Industrie, die Kautschuk-Produkte verwenden. Auf der IRSG-Konferenz präsentierte Edward Millard, der die Arbeit von Rainforest Alliance in Asien leitet, seine Vision davon, wie die Kautschuk-Industrie auf ihren ersten Erfolgen aufbauen könnte und war Redner bei der Abschlussveranstaltung, bei der er eine Reihe von möglichen Maßnahmen klar benannte.

Ziel der Rainforest Alliance und ihrer Partner ist es, die 12 Millionen Hektar Kautschuk-Plantagen in den Tropen einer nachhaltigeren Bewirtschaftung zuzuführen.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s