Rainforest Alliance

Globaler Standardsetzer: Norwegen

Auf der Rainforest Alliance Gala 2016 erhielt die norwegische Regierung den „Global Standard-Setter“-Award für ihre Interrnationale Wald- und Klima-Initiative – als erste Regierung überhaupt. Vidar Helgesen, Klima- und Umweltminister Norwegens, nahm die Auszeichnung stellvertretend in New York entgegen.

Hier ist seine Rede von der Rainforest Alliance Gala, in der er erklärt, weshalb Norwegen Wälder in den Mittelpunkt stellt, um gegen den Klimawandel vorzugehen.

Vidar Helgesen, Klima- und Umweltminister Norwegens (links) mit Nigel Sizer, Präsident der Rainforest Alliance.

Vidar Helgesen, Klima- und Umweltminister Norwegens (links) mit Nigel Sizer, Präsident der Rainforest Alliance.

Sehr geehrte Damen und Herren, Freunde und Kollegen,

es ist eine Ehre, hier zu sein und stellvertretend für die norwegische Regierung den „Global Standard-Setter“-Award entgegenzunehmen.

Ich möchte der Rainforest Alliance als erstes danken, für ihre jahrzehntelange, führende Rolle beim Schutz der Regenwälder unserer Erde, und als nächstes dafür, dass sie unseren Beitrag für dieselbe Sache würdigt.

Heute Morgen habe ich interessante Neuigkeiten erfahren. Wenn Sie aus Europa anreisen und früh aufstehen, Jetlag inklusive, und die amerikanischen Nachrichten einschalten, sind diese immer ein Weckruf.

Heute Morgen habe ich gehört, dass das NASA Kepler-Teleskop 1284 neue Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt hat und damit die Chancen steigen, eine zweite Erde zu finden.

Das sicherste Zeichen dafür, dass dies bedeutende Neuigkeiten sind, ist die Tatsache, dass diese Meldung am Tag nach den Vorwahlen in West Virginia Sendezeit bekommen hat.

Einige würden sagen, ja klar, diese US-Wahlperiode hat einen leicht außerirdischen Charakter…

Was ich damit sagen will:

Dieser Planet ist unsere Heimat. Wenn Sie einen Lichtstrahl auf den nächstgelegenen Stern richten, benötigt das Licht 4,2 Jahre, um ihn zu erreichen. Das schnellste Raumschiff, das wir uns derzeit vorstellen können, würde für diesen Weg tausend Jahre brauchen.

In anderen Worten: Wir haben keinen Nutzen für diese potenziell habitable Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Während wir nicht wissen, ob wir alleine im Universum sind, wissen wir aber, dass wir nirgendwo anders hin können. Das hier ist unser Planet.

Und das Wohlergehen des Planeten Erde ist essenziell für unsere Existenz.

Die natürlichen Ressourcen, die das menschliche Leben auf diesem Planeten erhalten, sind begrenzt. Und seit dem Beginn der industriellen Revolution konsumieren wir sie in einem zunehmend erschreckenden Tempo.

Das kann so nicht weitergehen. Deshalb haben sich Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen in der „New York Declaration on Forests“ im September 2014 zu ambitionierten Zielen und zum Handeln verpflichtet, um Entwaldung bis zum Jahr 2030 zu stoppen.

Einen weiteren Schritt sind die Regierungschefs der Welt in dieser Stadt gegangen, als sie im vergangenen September die Sustainable Development Goals verabschiedet haben. Mit dem Klimavertrag im Dezember haben sie diese Haltung nochmal bestätigt.

Das Abkommen von Paris berücksichtigt die essenzielle Rolle von Wäldern für die Stabilisierung des Klimas. Die Sustainable Development Goals beinhalten die gemeinsame Zusicherung, Entwaldung bis 2020 zu stoppen.

Wir müssen nicht nur die Entwaldung tropischer Wälder beenden. Wir müssen riesige Waldgebiete wieder so nah wie möglich an ihren Ursprungszustand bringen. Wir müssen die Art und Weise grundlegend ändern, in der wir Lebensmittel, Futter, Treibstoff und Faserstoffe für eine zunehmend wohlhabende Bevölkerung produzieren.

Die Regierung Norwegens glaubt fest daran, dass dies erreicht werden kann. Wir glauben auch, dass wir dadurch nicht nur eine nachhaltigere Umwelt erzeugen, sondern auch stärkeres und gerechteres sozioökonomisches Wachstum und Entwicklung.

Indem Brasilien die Entwaldung im Amazonas reduzierte und gleichzeitig die Landwirtschaft im Amazonas intensivierte, haben sie uns gezeigt, dass Walderhalt und Wirtschaftswachstum gemeinsam möglich sind.

Einen Schritt weiter zu gehen und Brasiliens Leistung global zu wiederholen, wird nicht leicht. Damit dies in der nötigen Geschwindigkeit und im nötigen Ausmaß gelingen kann, brauchen wir neuartige Strukturen der Zusammenarbeit und Innovation. Public-Private-Partnerships in noch nie dagewesenem Umfang und in neuen Bereichen werden unabdingbar.

Deshalb bin ich so erfreut, dass der private Sektor hier heute Abend so stark vertreten ist. Ohne die Innovationen, Finanzierungen und Inspirationen des privaten Sektors werden wir nicht erfolgreich sein.

Unternehmen realisieren zunehmend, dass Nachhaltigkeit in ihrem eigenen Interesse liegt. Paul Polman von Unilever, ein ehemaliger Empfänger des „Global Standard-Setter“-Awards, hat Oslo letzte Woche besucht. Er sagte, wenn zum Beispiel Indien kein Wasser mehr hat, werden sich die Menschen dort nicht mehr die Haare waschen und Unilever dort kein Shampoo mehr verkaufen können.

Aus irgendeinem Grund ist mir dieses Shampoo-Beispiel noch nie in den Sinn gekommen…

Obwohl wir führende Akteure aus dem privaten Sektor brauchen, bleibt Entwaldung letztendlich ein politisches Problem, das durch Regierungen gelöst werden muss. Tropische Wälder findet man in Entwicklungsländern. Entwaldung zu reduzieren erfordert echten Wandel, was teuer und komplex ist, sowohl politisch als auch finanziell.

Wir können nicht erwarten, dass diese Länder diese Last alleine tragen. Das ist die wesentliche Begründung für Norwegens Klima- und Forst-Initiative.

Während unseres Engagements in diesen Gebieten in den vergangenen acht Jahren, haben wir das eine Erfolgsrezept nicht gefunden.

Was wir aber gelernt haben: Fortschritt und positiver Wandel entstehen, wenn gute Kräfte zusammenfinden. Wandel entsteht, wenn Regierungen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen Wege zur Zusammenarbeit finden – wechselseitig höhere Standards und bessere Praktiken nachfragend und nach messbaren win-win-Situationen suchend.

Meine Damen und Herren,

wären Wälder eine menschliche Erfindung, ein Ergebnis jahrzehntelanger Forschung und Investition, wäre Waldrodung unvorstellbar. Ihr Erfinder wäre sicherlich ein mehrfacher Nobelpreisträger.

Angesichts der Funktionen, die tropische Wälder für uns erfüllen, bedeutet die Tatsache, dass Waldrodung immer noch häufig ignoriert oder sogar unterstützt wird, ein gewaltiges Markt- und Politikversagen.

Wälder sind unsere einzige bewiesene und effiziente Technologie zur Speicherung und Bindung von Kohlenstoff. Und das ist nur eine ihrer unzähligen Leistungen. Wälder schützen Wassereinzugsgebiete und lokale und regionale Niederschläge. Sie behüten Schätze der Artenvielfalt, die bis heute unerforscht sind. Und sie bieten Nahrung und Schutz für einige der meist gefährdetsten Gemeinden der Welt. Das gilt auch für die unverzichtbaren Kulturen dieser tausenden, einzigartigen Gemeinden.

Für all diese Gründe und für ihre reine Schönheit: Lasst uns Wälder für zukünftige Generationen schützen und wiederaufforsten.

Vielen Dank.

ra-mission-forests-1-de

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