Rainforest Alliance

Nachhaltiger Konsum: „Verbraucheraufklärung“ in der Paradigmenfalle

Oder: Wie wir Klima, Wälder, Artenvielfalt und Lebensgrundlagen fair zerstören

climate-faces-headerSiegeldschungel, Informationsflut, Glaubwürdigkeit – viele Verbraucher fühlen sich beim nachhaltigen Konsum überfordert. Nachvollziehbar, denn so vielschichtig die Probleme und Herausforderungen im Lebensmittelsektor sind, so vielfältig sind auch die Lösungsansätze. Verantwortung für nachhaltigen Wandel im Lebensmittelsektor kann daher nicht einseitig auf Verbraucher in Form von bewusstem Konsum abgeschoben werden.

Verbrauchern zur Seite springen und ein wenig Licht ins Dunkel bringen, das möchten zahlreiche Beiträge verschiedener Medien, ob Print, Online oder TV. Sie liefern Verbrauchern schnelle, einfache Aufklärung: Fair muss es sein. Klimawandel, Waldschutz, Erhalt der Artenvielfalt, langfristige Lebensgrundlagen für anbauende Gemeinden – von all‘ dem lesen, sehen und hören wir aber nichts. Nachhaltiger_Konsum_REWE-Studie_231015Gesprochen wird von „nachhaltigem Konsum“, gemeint ist stets „fairer Handel“. So wird ein komplexes Thema auf eine einzige Facette reduziert: Mindestpreise. Mit Verbraucheraufklärung hat dies wenig zu tun. Denn Informationen zu verschiedenen Lösungsansätzen erhalten diese nicht.

Aber woran liegt das?

Offenbar werden Siegel aus einem festen Paradigma betrachtet: „Fair“ und „Bio“ sind Krösus und Maßstab. Kritisch reflektiert wird diese Ausgangslage nicht, sie ist zur Selbstverständlichkeit verkommen. Alternativen, wie „nachhaltige“ Zertifizierungs-Konzepte – die auch soziale Kriterien beinhalten – werden vergessen oder als minderwertig eingestuft. Schließlich erfüllen sie nicht alle „fair“- und Bio-Kriterien im gleichen Maß (logisch: es sind ja Alternativen). Ihren ganzheitlichen Ansätzen und Schwerpunkten wiederum wird ein Riegel vorgeschoben. Sie haben keinerlei Bedeutung. Was bleibt, ist ein undifferenziertes Ergebnis und Verbraucher ohne sachlichen Mehrwert.

Dabei herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass dringende Probleme wie der globale Klimawandel, das massive Artensterben und Entwaldung in sensiblen Ökosystemen und Regenwaldgebieten uns alle angehen. Forderungen an Politik, Industrie und Wirtschaft für umfassendes Handeln sind wichtig und richtig. Aber: Im Zusammenhang mit unserem Konsum finden diese nachhaltigen Aspekte bislang nicht statt. Nachhaltigkeits-Siegel wie Rainforest Alliance CertifiedTM dagegen engagieren sich insbesondere in diesen Bereichen.

tumblr_biodiversity4Dieser Paradigmenfalle gilt es zu entkommen. Verbraucher sollten über ihre Optionen am Supermarktregal aufgeklärt werden. Jeweilige Schwerpunkte, Stärken und Schwächen der einzelnen Standards gilt es herauszustellen. Nur so kann Verbraucheraufklärung der Komplexität im Lebensmittelbereich gerecht werden. Und nur so werden Verbraucher in die Lage versetzt, bewusst nach eigenen Präferenzen handeln zu können – ohne dass ihnen fremde Präferenzen aufgedrängt werden.

3 Gründe – Warum auch Nachhaltigkeits-Siegel wie Rainforest Alliance CertifiedTM ihre Berechtigung haben:

ra-mission-climate-2-deKlimawandel: Er ist real, seine Auswirkungen enorm und schon heute zu spüren. Dringend nötig ist entschlossenes und effektives Handeln, um globale und nationale Klimaziele zu erreichen und den Temperaturanstieg auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen. Rund ein Viertel der globalen CO2-Emissionen verursacht LandnutzungTendenz steigend. Der Agrarsektor muss somit ein wesentlicher Teil der Lösung sein. Nachhaltige und klimasmarte Landwirtschaft ist möglich, um den schädlichen Einfluss auf Klima und Umwelt langfristig zu reduzieren.

ra-mission-wildlife-1-deÖkosysteme: Exzessive und expansive Landwirtschaft ist eine häufige Ursache von Waldrodung in den Tropen und Subtropen. Oft betroffen sind auch ursprüngliche Wälder in Regenwaldgebieten und sensible Lebensräume unzähliger Arten. Die Folge: Das größte Artensterben seit den Dinosauriern. Zudem gehen Bäume und Böden als wichtige natürliche Kohlenstoffspeicher verloren. Stattdessen setzen Kahlschlag und Brandrodung zusätzliche CO2-Emissionen frei.

ra-mission-livelihoods-1-deLangfristige Lebensgrundlagen: Klar ist: Farmer, ihre Familien und Arbeiter benötigen einen auskömmlichen Lohn. Um ihrer Lebensgrundlage eine langfristige Perspektive zu geben, ist das allein aber zu wenig. Farmer müssen ihren Anbau zunehmend an die Folgen des Klimawandels anpassen. Denn der Anbau bestimmter Rohstoffe könnte in heutigen Anbaugebieten zukünftig nicht mehr möglich sein. Diversifizierung im Anbau macht ihre Betriebe resistenter. Mit nachhaltigen Anbaumethoden steigern sie zudem ihre Produktivität und erreichen eine bessere Qualität, wofür sie wiederum höhere Preise erzielen können. Auf diese Weise schaffen sie für sich und ihre Familien langfristige Perspektiven.

Statt scheinbar einfache Lösungen für komplexe Themen liefern zu wollen, muss Verbraucheraufklärung beim nachhaltigen Konsum objektiv, sachlich und umfassend vorgehen. Nur wenn Verbraucher ihre Optionen kennen, können sie bewusst nach ihren individuellen Überzeugungen entscheiden.

tumblr_frogsealMehr über die Arbeit der Rainforest Alliance gibt es hier. Weitere Informationen zum Siegel Rainforest Alliance CertifiedTM und seiner Wirkung finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s