Klimawandel/Rainforest Alliance

Was der UN-Klimavertrag von Paris bedeutet

Von Jeff Hayward*:

Nach intensiven Wochen auf der UN-Klimakonferenz in Paris war es als Teil der Rainforest Alliance-Delegation beeindruckend zu sehen, wie Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammen kommen und ein historisches Klimaabkommen treffen.

Jeff Hayward, Direktor des Klimaprogramms der Rainforest Alliance

Jeff Hayward, Direktor des Klimaprogramms der Rainforest Alliance

Es ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Die gesetzten Ziele zur Reduzierung von CO₂-Emissionen gehen noch nicht weit genug. Diese zu stärken und umzusetzen sind entscheidende Herausforderungen für die Zukunft. Dennoch kann das Abkommen den erhofften Wendepunkt bedeuten.

Hier sind sechs Gründe dafür:

1. Diesmal einstimmig

In vergangenen UN-Abkommen zum Klimawandel haben nur entwickelte Staaten zugesagt, den Ausstoß von CO₂-Emissionen zu reduzieren. Dieses Mal sind alle 196 Länder dabei. Ihre Beiträge unterscheiden sich zwar voneinander, dennoch übernehmen Entwicklungs- und Schwellenländer jetzt mehr Verantwortung. Fast alle Staaten haben bereits nationale Pläne mit ihren beabsichtigten Beiträgen vorgelegt. Etwa 75 Prozent von ihnen beinhalten Formen von Waldschutz, speziell bei Staaten der Tropen.

2. Höhere Ziele (oder eben niedrigere)

Vor Beginn der Klimakonferenz wurde kontrovers debattiert, wie die realistischen Chancen stehen, die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zu begrenzen. Der Klimavertrag geht nun sogar weiter – bis auf eine Grenze von 1,5 Grad Celsius.

3. Ja, es ist verbindlich

Das Abkommen von Paris ist rechtlich verbindlich. Es ist nicht weniger verbindlich als ein Vertrag – technisch gesehen ist es ein Vertrag. Alle 196 Staaten sind verpflichtet, den Rückgang ihrer Emissionen alle fünf Jahre zu überprüfen. Neue Wege der Dokumentation und Überprüfung eines jeden Landes erzeugen Transparenz und helfen dabei, ein „race-to-the-top“ zu erzeugen.

4. Auch Unternehmen beteiligen sich

Nie zuvor war der Privatsektor an diesem Prozess so stark beteiligt. Rund 5.000 internationale Unternehmen aus 90 Staaten und nahezu jedem Industriesektor haben Klima-Verpflichtungen zugesichert. Einige große Unternehmen haben angekündigt, Waldbestände bis zum Jahr 2030 zu stabilisieren und bis 2050 aufzuforsten – auf eine Bewaldungsrate von 1990. Hunderte bedeutende Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, ihre Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten. Ihre Unterstützung hat geholfen, dass dem Walderhalt im Klimaabkommen eine wichtige Rolle zukommt.

5. Bedeutung von Wäldern erkannt

Land- und Forstwirtschaft sowie andere Formen der Landnutzung verursachen nahezu ein Viertel der globalen CO₂-Emissionen. Sie sind ein Schlüsselteil des Klima-Puzzles. Wenn Wälder trotz Landnutzung erhalten bleiben, dienen sie als Kohlenstoffspeicher und bieten zahlreiche Ökosystemleistungen.

In Paris wurde dies erkannt. Ein eigenständiger Abschnitt – Artikel 5 – befasst sich mit der Reduzierung von Emissionen durch Entwaldung und Waldzerstörung (REDD), nachhaltigem Forst-Management, Waldschutz und Wiederaufforstung. Dies zeigt die wichtige Bedeutung, die Wälder im Kampf gegen den Klimawandel haben.

6. Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Wenn wir so weiter machen, wie bisher, wird sich das Klima um etwa 4,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 erwärmen. Halten wir die Ziele des Klimaabkommens von Paris ein, können wir den Anstieg vermutlich auf 3,5 Grad Celsius begrenzen. Um die angestrebte Grenze von 1,5 Grad Celsius zu erreichen und die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen, wird es weitere Abkommen auf vielen verschiedenen Ebenen brauchen – national, regional und kommunal sowie auf dem Markt, in der Technik und Zivilgesellschaft.

Aber Paris ist ein Wendepunkt. Weg von der bisherigen Praxis, hin zu einer global nachhaltigen Wirtschaft. Wenn der Übergang zur Dekarbonisierung bei der Energiegewinnung beschleunigt wird, wenn Regierungen und Märkte konkrete Preise für den Ausstoß von Emission festlegen, wenn Landnutzung nachhaltig wird und Wälder und andere Ökosysteme erhalten bleiben und wiederhergestellt werden, dann ist die Grenze von 1,5 Grad Celsius in Reichweite.

* Jeff Hayward ist Direktor des Klimaprogramms der Rainforest Alliance. Er hat die Rainforest Alliance-Delegation auf der UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 angeführt.

Beitrag zunächst erschienen auf GreenBiz. Kommentar von Jeff Hayward auch als Webinar auf unserer Webseite abrufbar.

2 thoughts on “Was der UN-Klimavertrag von Paris bedeutet

  1. Pingback: Nachhaltiger Tourismus auf der ITB Berlin 2016 | The Frog Blog Deutsch

  2. Pingback: Globaler Standardsetzer: Norwegen | The Frog Blog Deutsch

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s