Rainforest Alliance/SAN

Wie die Kakaobauern der Côte d’Ivoire zu besseren Farmern werden

Das Leben der Kakaobauern in der Côte d’Ivoire hat nicht viel Luxuriöses. Die Lebensbedingungen sind hart, das Einkommen ist gering. Die Haupteinnahmequelle ist ein kleines Stück Land, welches die Bauern mit ihren bloßen Händen bearbeiten. Das Land ist durchschnittlich einen bis zwei Hektar groß. Von dem Ertrag des kleinen Stück Landes müssen viele der Kleinbauern große Familien unterstützen und ernähren.

Viele der Menschen dort können weder lesen noch schreiben, aber das allein sagt noch nichts über ihren Wissensdurst aus. Sie gehen zu einer speziellen Schule. Auf dem Lehrplan dort steht: Best Practices in der Landwirtschaft, Methoden zur Steigerung der Produktivität, Umweltschutz und Wege, wie die Farmer ihre Lebensbedingungen nachhaltig verbessern können.

Bei diesen sogenannten „Farmer Field Schools“, die vom SAN-Partner CEFCA in der Côte d’Ivoire geleitet und organisiert werden, erhalten die Kleinbauern das nötige Wissen, um sich besser auf die kommenden Herausforderungen (wie dem fortschreitenden Klimawandel) vorzubereiten.

In Koordination mit den Verwaltungen der zertifizierten Kooperationen werden tausende von Farmern in den Küstenregionen des Landes zusammengebracht und geschult.cocoaivorycoast-43

Einmal jeden Monat versammeln die CEFCA-Experten jeweils rund ein Dutzend Farmer, um ihnen bessere Anbautechniken, die richtige Pflege der Kakaosträucher und das Sauberhalten der Farm beizubringen, damit die Ernte quantitativ und qualitativ besser ausfällt als die letzte.

Die so geschulten Kleinbauern geben ihr Wissen an ihre Nachbarn im Dorf weiter und achten zusätzlich darauf, dass die anderen Farmer der Kooperative die Kriterien und die Best Practices des SAN-Standards für Nachhaltige Landwirtschaft umsetzten bzw. einhalten.

Kakaoanbau ist Familiensache. Deshalb ist das System, mit einem trainierten Farmer zu arbeiten, der sein Wissen an andere weitergibt, so effizient. Es nutzt die bestehenden Strukturen der Gesellschaft.

„Schultage“ sind etwas Besonderes für die Farmer. An einfachen Holztischen sitzend sprechen sie über ihr Leben und ihre Familien und teilen den anderen mit, wie sie mit den Herausforderungen auf ihren Farmen zurechtkommen und tauschen Ratschläge aus.

Jede Sitzung hat ihr eigenes Thema und Agenda. Experten von CEFCA leiten die Treffen und übermitteln mit Fotografien und Zeichnungen das Wissen. Aber die Bauern werden zum Mitmachen motiviert: Konzepte werden erklärt, Fragen werden gestellt und die Farmer sind eifrig dabei, ihre Hände zu heben, um neue Fragen zu stellen oder Antworten zu geben. Nach der Theoriestunde geht es weiter mit dem praktischen Teil, wo das Gelernte direkt angewendet wird.

Dank der „Farmer Field Schools“ haben die Kleinbauern gelernt, ihre eigenen Baumschulen zu führen, in welchen die kleinen Kakaopflanzen solange besondere Fürsorge bekommen, bis sie bereit sind, um in den richtigen Farmboden gepflanzt zu werden.

Jeder Farmer hat der Baumschule einen kleinen Platz auf seinem Land gewidmet. Um die Setzlinge kümmert er sich fast väterlich und gibt ähnlich stolz auch mit ihnen an.

cocoaivorycoast-7Letztes Jahr hat CEFCA 60.000 Keimlinge einer von der ivorischen Regierung freigegebenen Hybrid-Züchtung an 1.000 Farmer im östlichen und an weitere 2.000 Farmer im westlichen Teil des Landes verteilt.

Ein bisschen mehr als 100 km östlich von Abidjan, in Yakasse-Attobrou befindet sich die Cooproya-Kooperative, welche mit mehr als 2.000 Farmern insgesamt 7.774 Hektar bewirtschaftet. Nicht alle Mitglieder der Kooperative sind zertifiziert, jedoch ist die Existenz der “Farmer Field School“ eine der besten Motivationen, um Interesse an dem Programm zu wecken. Eric Gnonhoue, Leiter der Gruppe erzählt: „Die Zertifizierung hat die Art der Produktion komplett verändert.“

„Wir haben eine klare Steigerung in der Produktivität festgestellt. Außerdem haben die Kleinbauern ihre Mentalität generell geändert. Sie zeigen nun Interesse und Einsatz für umweltbedingte Verantwortung — und da ihr Einkommen höher ist, können und werden sie ihre Kinder in Schulen schicken, anstatt sie auf den Farmen zu halten.“

Auf einer 1-Hektar-Farm findet man gewöhnlich 1.300 bis 1.500 Kakaosträucher, welche von 1 oder 2 Menschen mit der Hand gepflanzt und gepflegt werden. Weil das wirklich alles mit der Hand passiert, ist die Umsetzung der Best Practices entscheidend.

Im westlichen Teil des Landes, in Zagné, etwa 600 km von Abidjan entfernt, bemüht sich auch die Caeza-Kooperative, um viele der ausgebildeten und zertifizierten Farmer weiterzubilden.

Die Nähe dieser Farmen und Gemeinden zu dem berühmten Tai National Park stellt den Schutz der natürlichen Ressourcen und der Artenvielfalt in den Vordergrund, die Steigerung der Produktivität ist eher nebensächlich.

Pascual Konin, einer der Bauernvorsteher in diesem Gebiet, erklärt engagiert, wie groß der Abstand zwischen zwei Bäumen sein soll, damit diese besser wachsen. Er erzählt, dass sie früher jeden Baum abholzten, der auf der Farm gewachsen ist. Jetzt kümmern sie sich jedoch um diese, da sie wissen, wie wichtig Schatten für den Kakao ist, den die größeren Bäume spenden.

„Wir holzen nicht mehr alles ab und wir pflanzen sogar andere Bäume als Kakaobäume. Wir sparen das Geld für Düngemittel, weil wir gelernt haben, Dünger aus dem Abfall des Kakaos herzustellen“, sagt Konin.

Dinge wie das Jäten oder das Kontrollieren von Schädlingsbefall auf den Kakaopflanzen sowie das Ersetzen der ältesten Bäume zählen zu den schwierigsten Aufgaben für Pascual und seine Kameraden. Aber sie kümmern sich mit Enthusiasmus, da sich ihr Einkommen als Folge der Zertifizierung im Jahr 2012 bzw. der damit verbundenen Produktivitätssteigerung signifikant verbessert hat.

Die Kleinbauern verwenden unter anderem wegen der hohen Kosten kaum Schädlingsbekämpfungsmittel. Sollten Sie doch mal welche ausbringen, dann wissen die Farmer, dass es dafür ein speziell ausgebildetes Team braucht. Außerdem wissen die Farmer, wie wichtig die Distanz zu Flüssen, Straßen und Häusern ist.

Mit roter Farbe markiert Pascual das Gebiet, in dem sicher Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet werden können, ohne den naheliegenden Bach zu verschmutzen. Außerdem pflanzt er Schattenbäume entlang der Gewässer-Ufer, um eine Pflanzenbarriere zu erschaffen.

Jeder Kleinbauer hat seine Geschichte. Jeder möchte erzählen, was er gelernt hat … von den neuen Dingen, die er ausprobiert und auch von den Herausforderungen, denen er sich noch stellen muss in einem Sektor, in dem nichts einfach ist. cocoaivorycoast-5

Als wir Bauern danach fragten, was sie bräuchten, um ihrer Arbeit weiterhin gut nachzugehen und ein besseres Leben zu haben, variierten die Antworten. Dennoch stach eine Antwort hervor: „Wir wollen mehr Unterricht in der Farmer Field School!

One thought on “Wie die Kakaobauern der Côte d’Ivoire zu besseren Farmern werden

  1. Pingback: Internationaler Tag der Schokolade | The Frog Blog Deutsch

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s