Forstwirtschaft

Ein Leben für den Wald: Die Geschichte von José Román Carrera

Für den Schutz der Wälder hat José Román Carrera sogar sein Leben riskiert. „In den 90er Jahren habe ich 82 Morddrohungen erhalten“ berichtet er über seine Zeit, als er damals dabei half, das Maya-Biosphärenreservat in Guatemala zu errichten. „Und das waren nur die schriftlichen. Ich habe viele Anrufe bekommen, in denen mir und meiner Familie gedroht wurde. Ich sollte das Land verlassen. Einmal wurde auf mein Auto geschossen – 17 Kugeln. Ein anderes Mal fand ich eine Bombe in meinem Haus. Aber ich bin immer noch hier“, sagt er heute mit einem Lachen. „Sicherlich haben diese Leute verstanden, dass ich niemals gehen würde. Ich musste das Maya-Biosphärenreservat beschützen.“

Seit 14 Jahren ist José Román Carrera Teil des Teams der Rainforest Alliance

Seit 14 Jahren ist José Román Carrera Teil des Teams der Rainforest Alliance

Diejenigen, die Román kennen, sagen sein außergewöhnliches Engagement hat in den letzten 25 Jahren kein bisschen abgenommen. Geboren und aufgewachsen ist der 48 jährige in El Quetzalito, einer ländlichen Gemeinde in der Petén Region Guatemalas. 1990 begann er seine Arbeit im Nationalrat für Schutzgebiete in Guatemala (CONAP) – der Organisation, die das über 21.000 km² große Maya-Biosphärenreservat realisieren sollte. Seither arbeitet und lebt José Román Carrera für den Schutz von Wäldern, dabei auch als Leiter im CONAP. Vor 14 Jahren hat er sich der Rainforest Alliance angeschlossen. Mit seinem unermüdlichen und furchtlosen Einsatz unterstützt er Waldgemeinden in ganz Lateinamerika. Morddrohungen erhält er zum Glück nicht mehr.

Eine große Leidenschaft ist für ihn das Forst-Konzessionssystem, das es lokalen und indigenen Gemeinden ermöglicht Waldprodukte zu ernten, solange sie dies nachhaltig tun. „Die Idee dahinter ist, ihre Einkommen zu erhöhen ohne dabei den Wald zu zerstören“, sagt Román. „Ich bin absolut davon überzeugt, dass es funktioniert. Man muss sich das Maya-Biosphärenreservat nur anschauen. Die Entwaldungsrate beträgt in der äußeren Pufferzone (buffer zone) sieben Prozent, in der Kernzone (core zone) trotz Verbots zwei Prozent. In den Konzessionsgebieten, wo die Rainforest Alliance seit zehn Jahren mit Waldgemeinden zusammenarbeitet, liegt die Entwaldungsrate bei null Prozent“, erklärt Román.

Mit seinem Einsatz unterstützt José Román Carrera Waldgemeinden in ganz Lateinamerika

Mit seinem Einsatz unterstützt José Román Carrera Waldgemeinden in ganz Lateinamerika

Román selbst erklärt seine Liebe für den Wald mit seiner Kindheit, wo er eines von zehn Kindern seiner Eltern war. Jeden Tag musste er fünf Kilometer durch den Wald zur Schule gehen. „Ich habe Aras, Hirsche und manchmal auch Jaguare gesehen“, erinnert er sich. Das war während des Bürgerkriegs in Guatemala, als wirtschaftliche Tätigkeiten zu gefährlich erschienen. Mit dem Frieden kamen auch Unternehmen sowie illegale Holzfäller, Drogenanbauer und Plünderer ins Land und zerstörten den Wald. „Dort, wo meine Familie lebt, ist heute der größte Teil tropischer Wälder verschwunden“, erzählt Román.

Andreas Lehnhoff hat Román damals, 1990, bei CONAP zum Aufbau des Maya-Biosphärenreservats eingestellt. An die Anfangszeit erinnert er sich genau: „Wir mussten mit sehr knappen Mitteln auskommen. Es brauchte Menschen mit starkem Charakter, um etwas zu verändern. Mit Román hatte ich den richtigen Mann gefunden. Darauf bin ich stolz. Er ist ein echtes Talent, ein Visionär und ein großartiger Vermittler“, erzählt Lehnhoff. „Román ist wirklich unermüdlich. Er ist fast besessen von seiner Leidenschaft für das Forstmanagement von Waldgemeinden.“

Román widerspricht nicht. Er liebe seine Arbeit. Seine Frau nennt er einen “Engel”, weil sie ebenso an den Walderhalt glaubt und an die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen, die vom Wald abhängig sind. Zusammen bieten die beiden pro Jahr vier bis sechs Stipendien an, für Jungs und Mädchen aus Románs Heimatsort.

„Wenn ich kein Stipendium gehabt hätte, hätte ich nicht zur Schule und studieren gehen können“, erklärt Román. „Für die Schule und das Studium musste ich meine Gemeinde verlassen. Wir hatten nicht einmal Straßen. Ich bin gegangen als ich elf Jahre alt war. Meine Familie habe ich nur drei Mal im Jahr gesehen.“ Román bekam Stipendien in jeder Phase seines Bildungsweges, darunter auch das Fulbright-Programm – eines der prestigeträchtigsten Stipendienprogramme weltweit – für die Louisiana State University für sein Bachelor-Studium in Forstwirtschaft. „Ich zahle nur zurück, was ich bekommen habe. Mein Traum ist es, noch mehr Stipendien anbieten zu können.“

Seine Begeisterung für die Arbeit mit den Gemeinden im Forstmanagement zu behalten ist für ihn einfach. „Wenn du in eine dieser Gemeinden gehst und siehst, wie Frauen in der Produktion von Holz- und Nicht-Holzprodukten und sogar in der Führung dieser Betriebe eingebunden sind, wenn du siehst, wie Jugendliche zu Fachmännern werden – Lehrer, Krankenschwestern, Techniker – dann stärkt das den Glauben.“

Und er fügt hinzu: „Wenn wir wollen, dass Menschen und unser Planet zusammen aufblühen, dürfen wir uns nicht unterkriegen lassen. Unsere Zeit wird immer knapper.“

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