Biodiversität/Landwirtschaft

Fair ist nicht genug – Kakaoanbau muss nachhaltig werden

265.000 Hektar Regenwald werden durchschnittlich jedes Jahr in der Côte d’Ivoire gerodet. Das ist die höchste Entwaldungsrate im ganzen Sub-Sahara-Raum. Hauptursache hierfür ist die Expansion landwirtschaftlicher Betriebe – zumeist Kakaofarmen. Denn die Côte d’Ivoire ist mit über 1,7 Millionen Tonnen Kakao pro Jahr der mit Abstand größte Kakaoproduzent der Welt. Diese Expansion fordert allerdings Opfer. In einer Untersuchung der Ohio State University mussten Forscher feststellen: Selbst Naturschutzgebiete sind akut bedroht.

23 Naturschutzgebiete haben die Forscher in der Côte d‘Ivoire systematisch untersucht. Die Ergebnisse sind alarmierend: In 20 von 23 Naturschutzgebieten stießen die Wissenschaftler auf illegale Agrarbetriebe – der Großteil von ihnen Kakaofarmen. Sie erstrecken sich über rund ¾ der gesamten geschützten Fläche. Sieben Schutzgebiete existieren praktisch nicht mehr. Sie sind bereits vollständig mit Farmland überzogen. Natürliche Ökosysteme sind zerstört, verbliebene Waldstücke weitläufig zerstreut und wichtiger Lebensraum für die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt verschwunden. Die Bestände vieler Arten sinken, einige davon konnten die Forscher gar nicht mehr antreffen.

Fairer Handel allein ist keine Lösung

Dieses Beispiel zeigt: Die Herausforderungen im Kakaoanbau sind vielschichtig und komplex. Und: Sie gehen weit über faire Handelsbeziehungen hinaus. Fairer Handel kann zwar ein positiver Baustein sein, um Kooperativen angemessene Preise für ihre Rohstoffe zu ermöglichen. Dringende Probleme wie unproduktive und falsche Anbaumethoden, sich stark ausbreitender Krankheitsbefall bei den Kakaopflanzen (mit teils steigendem Tempo) und gänzlich ausgelaugte Böden brauchen ganzheitliche Lösungen, die Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte in Einklang bringen. Allzu oft ist eine kurzsichtige Lösung für die Farmer, schlicht weiter zu ziehen und neue Flächen für ihren Anbau zu erschließen. Wälder, Lebensraum für Wildtiere  – ganze, intakte Ökosysteme werden dadurch zerstört. Dass diese Gebiete eigentlich unter staatlichem Schutz stehen, spielt eine untergeordnete Rolle. Eine nachhaltige und dauerhaft unabhängige Lebensgrundlage erhalten Farmer dadurch nicht.

Nachhaltige Anbauweise hilft Farmern und Umwelt

Damit Umweltzerstörung und Artensterben ausgelöst durch Landwirtschaft verhindert werden und Farmer langfristig sichere Einkommen erzielen, müssen Lösungen an den Ursachen ansetzen: bei den Anbaumethoden der Farmer. Die Rainforest Alliance unterstützt Farmer dabei, ihren Anbau nachhaltig auszurichten. Denn nur so können sich  für die Umwelt und die Menschen langfristig positive Effekte erzielen. Die Forscher aus Ohio bestätigen in ihrem Bericht: Erfolgreicher Kakaoanbau und Schutz der Artenvielfalt sind keine Gegensätze. Sie kommen zu dem Schluss: Agroforstwirtschaft kann eine Lösung sein und müsse sich in den Anbaugebieten flächendeckend etablieren. Das ist ganz nach dem Geschmack der Rainforest Alliance und ihrer Partner im Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft (SAN).

Für diese biodiversen Anbausysteme engagiert sich die Rainforest Alliance. Darin werden Kakaopflanzen in intakte Ökosysteme integriert statt Monokulturen anzulegen. Mit dieser naturnahen und nachhaltigen Ausrichtung schützen Farmer die Umwelt, erhalten die Fruchtbarkeit der Böden sowie den Lebensraum für Tier- und Pflanzenwelt, schonen natürliche Ressourcen und passen den Anbau an die Folgen des Klimawandels an. Gleichzeitig bewirtschaften Farmer ihre Farm produktiver, erzielen bei ihren Erträgen eine bessere Qualität, erhalten durch die Zertifizierung breiten Marktzugang und können für ihre Rohstoffe auch höhere Preise verlangen, die sie dann auch bekommen. So sichern Farmer ihr Einkommen langfristig und unabhängig – ohne zu expandieren und Ökosysteme zu zerstören.

4 thoughts on “Fair ist nicht genug – Kakaoanbau muss nachhaltig werden

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