Häufig gestellte Fragen

Was hat der Erhalt des letzten intakten Primärwaldes in Afrika mit Hühnchen zu tun?

Wald und Hühnchen? Die Antwort auf diese vielleicht seltsam anmutende Frage haben wir in der Côte d’Ivoire in dem kleinen Dorf Beue gefunden. Dort im Westen Afrikas arbeitet die SAN-Partner-NGO CEFCA mit anderen Umweltschutzorganisationen zusammen, um Farmer zu schulen. Unter anderem geht es um den Schutz natürlicher Ressourcen. Ihr neuestes Werkzeug dafür sind Hühnerställe.

IMG_3411-1024x683Beue ist eines von vielen Dörfern, die sporadisch zwischen den Kakaofeldern auftauchen. Typisch für die Dörfer sind die Häuser, die aus Lehm und Holz bestehen, ohne Elektrizität oder fließendes Wasser. Die Einwohner leben von der Landwirtschaft. Ohne Schule in der Nähe haben viele der Einwohner nie die Chance bekommen, Lesen oder Schreiben zu lernen. Die Dörfer liegen alle in direkter Nachbarschaft zum Taï-Nationalpark, einem Biosphärenreservat mit einer Größe von etwa 3.300 km2, das die Heimat für Elefanten, Büffel, Affen, Zebras, Flusspferde, Leoparden und andere Tierarten ist.

Der Taï National Park beheimatet auch mehrere bedrohte Arten: das Zwergflusspferd (Hexaprotodon liberiensis), den Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki), die Rußmangabe (Cercocebus Atys), den Schimpansen (Pan troglodytes) und den Bonobo (Pan paniscus).

Der Park liegt auf den Staatsgebieten der Côte d’Ivoire, von Guinea und Liberia. Die harten Lebensbedingungen in diesen Staaten zwingen die Menschen immer wieder dazu, in dem Nationalpark nach Holz zum Feuern oder nach Tieren als Nahrung zu suchen. Solange den Menschen keine Alternative geboten wird, wird im eigentlich geschützten Park immer weiter gewildert. NGOs wie CEFCA und die Wild Chimpanzee Foundation (WCF) haben sich deshalb zur Aufgabe gesetzt, aktiv etwas für den Schutz des Parks und seiner Tiere zu tun.

IMG_3383-1024x683Das Errichten kleiner Hühnerfarmen ist ein entscheidender Schritt, um den Menschen eine Alternative anzubieten. Denn mit diesen kleinen Betrieben haben die Dorfbewohner nicht nur eine neue Quelle für tierisches Eiweiß, sondern sie können sich und ihren Familien eine neue, zusätzliche Einnahmequelle erschließen.
Aber das Programm hört damit nicht auf. Die Aufzucht und Pflege des Geflügels liegt in den Händen der Dorffrauen.

„Das Ziel ist nicht nur einfach, Menschen daran zu hindern, den Park zu betreten und dort illegal zu jagen. Es geht vor allem auch darum, die Rolle der Frau zu stärken. Frauen wird häufig nur der Haushalt und das Erziehen der Kinder zugetraut. Mit diesem Projekt geben wir den Frauen etwas, das nur ihnen allein gehört. Da dürfen ihnen auch nicht ihre Ehemänner dazwischenreden. Zudem generieren die Frauen ein eigenes Einkommen, indem sie die Hühner oder Eier verkaufen“, erklärt Melanie Bayo, Direktorin von CEFCA. Von Frauen erwirtschaftete Einkommen kommen in der Regel stets direkt der familiären Versorgung zugute.

Zwei technische Angestellte von CEFCA in der westlichen Côte d’Ivoire haben dabei geholfen, die Ställe für die Hühner zu bauen. Außerdem bekommen die Frauen von ihnen Unterricht in der richtigen Aufzucht und Pflege der Tiere.

Patricia Doh ist Mutter von sieben Kindern. In ihrem Dorf mit 200 Einwohnern, von denen über die Hälfte weiblich ist, begann das Projekt im Januar 2015. Sie erzählt uns zaghaft in ihrem regionalen Dialekt, wie sie und ihre vier Mitstreiterinnen die kleine Farm betreiben. In den ersten vier Monaten wuchs ihr kleiner Betrieb auf 15 Hühner und drei Hähne an, nach denen zweimal täglich geschaut werden muss.

„Morgens waschen wir die Futterstellen aus und befüllen sie wieder mit Reis oder Mais. Am Abend müssen wir die Vögel noch einmal füttern. Die Arbeit ist nicht schwer. Wir haben neue Techniken gelernt, die es uns einfacher machen. Der Stall ist ein Ort, wo wir Frauen plaudern und uns austauschen können. Wir hoffen mit den Hühnern ein zusätzliches Einkommen zu verdienen, um so unsere Armut zu verringern“, sagt Patricia, die sich für die erste Farm in Beue freiwillig gemeldet hatte.

CEFCA und die WCF wollen noch mehr dieser Betriebe errichten. Jede Farm bietet 300 Hühnern Platz. Das ist genug Raum, damit jede Frau des Dorfs ihre eigenen Tiere großziehen und so ihre Einkommenssituation verbessern kann.

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Bislang ist das Projekt eine Erfolgsgeschichte: Die Männer im Dorf unterstützen ihre Frauen in ihrer neuen verantwortungsvollen Aufgabe. Und die Frauen haben einen neuen Lebensraum, abseits ihrer eigenen vier Wände. Patricias breites Lächeln auf die Frage, ob sie ihre neue Arbeit genießt, lässt keinen Raum für Zweifel, ob Projekte wie dieses sinnvoll sind.

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