Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Ghanas Kakaoanbau nachhaltig umstellen

Die Mehrheit der Bevölkerung Ghanas lebt vom Kakaoanbau. Nach der Côte d’Ivoire ist Ghana der größte Kakaoproduzent der Welt. Beide Länder zusammen produzieren etwa 60 Prozent der globalen Kakaoernte. Allein in Ghana werden pro Jahr rund 900.000 Tonnen Kakao angebaut – Tendenz steigend. Weil die Anbaumethoden vieler Farmer ineffizient und unproduktiv sind und gleichzeitig der globale Bedarf an Kakaobohnen steigt, bedingen sich verschiedene Faktoren im Kakaosektor Ghanas seit vielen Jahren negativ: Durch fehlendes Wissen um gute agrarische Praktiken sinkt der Kakaoertrag pro Hektar. Um trotzdem höhere Erträge zu erzielen, weiten die Farmer ihre Anbauflächen aus. Weichen müssen dafür häufig Wälder und die Biodiversität der Region. Seit 1990 sind bereits 2,5 Millionen Hektar Wald in Ghana verschwunden – das ist ein Drittel der gesamten bewaldeten Fläche des Landes.

Um diesen negativ Zirkel zu stoppen, hat die Rainforest Alliance im Jahr 2010 ein klimasmartes Kakaoprojekt in Ghana gestartet. Das Ziel: Den Kakaoanbau umstellen hin zu nachhaltigen Praktiken – und damit das Einkommen der Farmer vor Ort langfristig sichern, zerstörte Ökosysteme wieder herstellen und den Farmbetrieb auf bereits spürbare Klimaveränderungen anpassen. Der 36.000 Hektar große Juabeso-Bia Distrikt im Westen Ghanas ist besonders von intensivem Kakaoanbau, kahlen Flächen und einzeln verbliebenen Waldbeständen geprägt. Dort sollten deshalb nicht nur einzelne Farmen, sondern eine ganze zusammenhängende Region in ihrem Kakaoanbau umgestellt werden.

Über 2.000 Kakaofarmer aus 34 Gemeinden der Region wurden seit Beginn des Projekts in nachhaltiger Bewirtschaftung ihrer Farm geschult. Sie haben ihren Betrieb umgestellt und sich zu, insgesamt 12 Kooperativen zusammengeschlossen, um ihren nachhaltigen Anbau von Kakao gemeinsam zu koordinieren. 68 speziell ausgebildete Farmer führen zudem Trainings und die direkte Unterstützung auf den Farmen dauerhaft fort. Insgesamt umfasst das Projekt damit über 6.000 Hektar Farmland und konnte so positive Effekte für die gesamte Landschaft erzielen. Statt Bäume als ein Hindernis zu begreifen, sehen Farmer jetzt die Chancen und Möglichkeiten, die Wald- und Grünflächen ihnen bieten. Die Sonneneinstrahlung beispielsweise kann sich erheblich auf die Erträge ihrer Farm auswirken. Die Kakaopflanze ist ein schattenliebendes Gewächs und entwickelt sich nur bei den richtigen Schattenverhältnissen optimal – je nach lokalen Bedingungen können diese variieren. Schattenbäume auf der Farmfläche können jedoch dazu beitragen und letztendlich die Produktivität der gesamten Farm erhöhen.

Farmer im Juabeso-Bia Distrikt schützen Wälder und forsten gerodete Flächen wieder auf – bereits über 300 Hektar Waldfläche sind durch das Projekt neu entstanden. Lokale Ökosysteme profitieren im Besonderen davon. Denn die Kakaofarmen und die geschützten Flächen übernehmen die Funktion von „grünen Korridoren“ und schaffen damit neuen und zusammenhängenden Lebens- und Schutzraum für zahlreiche Wildtiere. Die Farmer ihrerseits bewirtschaften ihre Farmen profitabler und generieren höhere Erträge, ohne ihre Anbaufläche expandieren zu müssen. Vielmehr wirtschaften sie auf umweltfreundliche und klimaschonende Weise und erlangen so einen soliden finanziellen Stand. Ihren Lebensunterhalt sichern die Kleinfarmer langfristig, indem sie nicht zuletzt ihre Abhängigkeit vom Kakaoanbau als einzige Einkommensquelle lösen und von zusätzlichen Einkünften – wie beispielsweise der Bienenzucht – auf ihrer Farm profitieren. Experten prognostizieren nämlich, dass der Anbau von Kakao in einigen Regionen Ghanas und der Côte d’Ivoire im Zuge des Klimawandels bald nicht mehr möglich sein wird. Dabei leisten die Kakaofarmer auch einen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels. Mit nachhaltigen Anbaumethoden und dem Einsatz für Walderhalt statt Waldrodung werden CO2-Emissionen eingespart. Wiederaufforstungen erhöhen außerdem den Baumbestand und damit auch die Menge an Kohlenstoff, die durch Bäume aus der Atmosphäre gebunden wird.

Die Umstellung der Landwirtschaft ist nicht nur in vielen Regionen der Tropen und Subtropen dringend nötig, sondern auch möglich. Klimasmarte Projekte der Rainforest Alliance können dabei als Beispiel für viele andere Regionen dienen und auch auf unterschiedliche Rohstoffe übertragen werden – wie dieses klimasmarte Kaffeeprojekt einer anbauenden Gemeinde in Oaxaca, Mexiko zeigt.

Mehr zum nachhaltigen Kakaoanbau unter dem Siegel der Rainforest Alliance erzählt außerdem die Geschichte von Adrien Kouadio, Kakaofarmer in der Côte d’Ivoire und: Der Mann hinter deiner Schokolade.

 

6 thoughts on “Ghanas Kakaoanbau nachhaltig umstellen

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