Landwirtschaft

Buchbesprechung: Billig. Billiger. Banane

Bereits der Titel „Billig. Billiger. Banane – Wie unsere Supermärkte die Welt verramschen“ bringt eine bedenkliche Entwicklung auf den Punkt. Sarah Zierul begibt sich in ihrem aktuellen Buch auf eine Reise entlang der Bananen-Lieferkette. Sie sucht nach Antworten auf die Frage, wie das einstige Luxusgut hierzulande so billig angeboten werden kann. Wie in der gleichnamigen TV-Dokumentation (erstmals ausgestrahlt im WDR, 13.05.2014) berichtet sie sachlich und kritisch reflektierend von ihrer Recherche. Dabei legt sie die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Politik, Supermärkten/Discountern, Konsumenten und anbauenden Farmern offen. Eines ist gewiss: Die niedrigen Preise haben gravierende Folgen.

Siegel bewirken positive Veränderungen

Auf Bananenplantagen in Costa Rica zeichnet Sarah Zierul ein präzises und unverfälschtes Bild davon, wie aufwendig der Bananenanbau ist. Das Land zählt zu den wichtigsten Anbaugebieten Lateinamerikas. Deutlich wird, welche enormen Schwierigkeiten und Konsequenzen mit unseren selbstverständlichen und teils fragwürdigen Anforderungen an Bananen verbunden sind. Dabei besucht die Autorin auch Rainforest-Alliance-zertifizierte Farmen. Konkret und detailliert schildert sie, wie sich diese von konventionell betriebenen Farmen unterscheiden. So vermittelt sie vielfältige Eindrücke der zahlreichen positiven Veränderungen, die durch das Engagement der Rainforest Alliance im Bananensektor erzielt werden. Gleichzeitig erzählt sie auch von den nicht unerheblichen praktischen Herausforderungen in vielen tropischen Regionen. Farmer, die ihren Anbau mit Hilfe der Rainforest Alliance nachhaltig gestalten wollen, begeben sich häufig auf einen intensiven und langfristigen Umstellungsprozess. Sie unterziehen sich unabhängiger Kontrolle und investieren in ihre Plantage, damit ihr Anbau umweltfreundlich und sozial verträglich wird.

Inzwischen werden 150.000 Hektar nachhaltig, gemäß des SAN-Standards bewirtschaftet. Die große Mehrheit der Bananenplantagen ist hingegen nicht zertifiziert. Das gilt übrigens auch für Farmen, die Rohstoffe wie Kaffee oder Kakao anbauen. Sie entziehen sich damit unabhängiger Kontrolle, erhalten jedoch in der Regel geringere Aufmerksamkeit als zertifizierte Farmen. Dadurch geraten sie paradoxerweise trotz flächendeckender Missachtung von Sozial- und Umweltstandards auch seltener in die öffentliche Kritik, wie Sarah Zierul feststellt. Die Autorin warnt vor einem realitätsfernen Idealbild, das viele Verbraucher mit Siegeln verbinden. Grundsätzlich seien die verschiedenen Siegel und das wofür sie stehen absolut unterstützenswert. Dass die Einhaltung der zugrunde liegenden Standards und dessen Überprüfung oftmals langfristige und komplexe Vorhaben sind, wird dabei von vielen verkannt. Durch einzelne negative Berichte verlieren Verbraucher häufig das Vertrauen in Siegel als Ganzes – wobei die weit überwiegenden positiven Effekte öffentlich viel seltener thematisiert werden. Greifen Verbraucher als Reaktion darauf zu nicht-zertifizierten Bananen, unterstützen sie damit Anbausysteme, bei denen es gänzlich fraglich ist, unter welchen Umständen sie produzieren.

Supermärkte und Verbraucher haben es in der Hand

Supermärkte und Discounter in Deutschland erschweren es Farmern durch ihre Preispolitik Bananen nachhaltig und gleichzeitig rentabel anzubauen – teilweise wird dies sogar unmöglich. Wie die Autorin beschreibt, erzeugt die Konzentration auf wenige große Händler hierzulande einen intensiv geführten Konkurrenzkampf. Die wenigen Marktteilnehmer besitzen eine enorme Verhandlungsmacht, mit der sie ihre Bedingungen gegenüber den Produzenten durchsetzen können – beispielsweise niedrige Einkaufspreise. Sozialen und ökologischen Aspekten kommt bestenfalls eine untergeordnete Rolle zu. Für Bananen-Plantagen bedeutet dies häufig: „Rote Zahlen“ und kaum finanzielle Möglichkeiten, um sich im Anbau (weiterhin) nachhaltig zu orientieren.

Gerade Verbraucher können entscheidend zu Veränderungen beitragen, indem sie bewusst zu zertifizierten Bananen greifen und damit positives Engagement unterstützen. Entgegen allen Umfrageergebnissen achten Kunden beim Kauf von Bananen mehrheitlich allein auf den Preis sowie auf Auffälligkeiten an der Schale – die jedoch nicht zwingend etwas über die Qualität der Bananen aussagen. Zugegriffen wird in der Regel nur bei makellosen Bananen. Welche Abläufe, enorme Anstrengungen und gravierende Konsequenzen dahinter stecken, um Bananen in für uns gewohntem makellosen Zustand und günstigem Preisniveau anbieten zu können, sind sich Konsumenten dabei kaum bewusst. „Wir alle haben täglich die Wahl, ob wir Lebensmittel weiter verramschen oder zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen wollen“, appelliert Sarah Zierul in ihrem Buch.

Sarah Zieruls Buch „Billig.Billiger.Banane – Wie unsere Supermärkte die Welt verramschen“ ist im oekom verlag München erschienen. Es kann über den Buchhandel und direkt beim Verlag bestellt werden.

Außerdem ist die Autorin heute, am 31.03.2015 ab 23:55 Uhr bei Markus Lanz zu Gast.

 

2 thoughts on “Buchbesprechung: Billig. Billiger. Banane

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