Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Mit Bananen die Welt verändern

In den 1990er Jahren steckte Zentralamerika in einer tiefen Umweltkrise: Die rücksichtslose Expansion der Bananen-Industrie zerstörte weite Teile bewaldeter Flächen, verschmutzte Bäche und Flüsse und sogar weit entfernte Korallenriffe, weil toxische Stoffe bis ins Meer gelangten. Arbeiter auf Bananenplantagen litten unter schlechten Arbeitsbedingungen, Ausbeutung sowie fehlendem Schutz vor direktem Kontakt mit Agrochemikalien.

Unter anderem den Bananenanbau verantwortungsbewusst und nachhaltiger zu gestalten war und ist das Ziel der Rainforest Alliance, die sich der Problematiken im Bananensektor vor mehr als 20 Jahren angenommen hat – zum Wohle der Umwelt und der Arbeiter sowie ihrer Familien. Dafür kooperiert die Rainforest Alliance mit Farmern, Arbeitern, Wissenschaftlern, NGOs und staatlichen Institutionen.

Im Gespräch mit Ana Lucia Corrales, Agricultural Certification Manager bei RA-CERT, wollten wir wissen, wie die Rainforest-Alliance-Zertifizierung den Anbau von Bananen verändert hat.

Weshalb hat die Rainforest Alliance begonnen auf Bananenplantagen zu arbeiten?

Während der 1990er Jahre brach in Zentralamerika ein Boom in der Bananenproduktion aus. Dabei zeichneten sich die industriellen Praktiken durch gravierende ökologische Verstöße und soziale Missstände aus – eine echte Krisensituation. Als Reaktion darauf haben wir dazu beigetragen, das SAN – Sustainable Agriculture Network (Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft) — und den SAN-Standard für Nachhaltige Landwirtschaft ins Leben zu rufen. Wer den umfassenden Standard erfüllt, ist berechtigt, das Siegel Rainforest Alliance Certified™ zu verwenden. Die erste Farm, die dies erreichte, war tatsächlich eine Bananenplantage in Costa Rica.

Welche Erfolge hat die Rainforest Alliance mit Zertifizierungen im Bananensektor bisher erreicht?

Bereits über 1.600 Bananenfarmen tragen das Rainforest Alliance Certified™-Siegel und erfüllen damit die strengen Kriterien des SAN. Das entspricht einer Landfläche von 109.000 Hektar, größer als Frankfurt am Main, Köln und München zusammen. Unser Engagement und unsere Erfahrungen im Bananensektor zeigen, dass es möglich ist, Bananen – und auch andere Rohstoffe – verantwortungsvoll anzubauen. 15 Prozent der exportierten Bananen sind heute Rainforest Alliance Certified™. Mittlerweile können weltweit über 70 landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie Tee, Kaffee und Kakao nach dem SAN-Standard zertifiziert werden.

Was sind die größten Veränderungen auf den Bananenplantagen, die Sie in Ihrer jahrelangen Arbeit beobachten konnten?

Man kann sehen, wie die Farmen im Allgemeinen besser betrieben werden. Es gibt beispielsweise klare Vorschriften im Umgang mit Abfällen, gesicherten Zugang zu sanitären Anlagen sowie Bestimmungen zum Schutz natürlicher Ressourcen. Auch einen signifikant erhöhten Waldanteil auf den Plantagen können wir feststellen. All das erzeugt auf den Plantagen eine Umgebung, die sich stark von der unterscheidet, die wir Jahre zuvor angetroffen haben.

Wie hat die Rainforest Alliance-Zertifizierung das Ökosystem auf den Bananenfarmen beeinflusst?

Vor allem hilft die Zertifizierung, Waldrodung – verursacht durch expansive Landwirtschaft – zu unterbinden. Wir unterstützen Farmer dabei, ihre Produktivität zu erhöhen ohne weitere Bäume für mehr Anbaufläche zu roden. Zudem haben Farmen die Verwendung von Agrochemikalien drastisch reduziert, nutzen Abwassersysteme und Wasseraufbereitungsanlagen sowie Methoden zur biologischen Schädlingsbekämpfung.

Wie profitieren Bananenproduzenten von der Rainforest Alliance-Zertifizierung?

Die Umsetzung unserer Vorgaben hilft den Farmern dabei, ihr grundlegendes Kapital zu schützen: Das Land, Wasser und die Arbeiter. Zertifizierte Farmen weisen eine bessere Bodenqualität auf, gehen effizienter mit Ressourcen um, erhalten die Artenvielfalt sowie den Zugang zu ihren natürlichen Wasserreservoirs und haben eine geringere Personalfluktuation. Ein großer Vorteil ist außerdem der stabile Zugang zum Markt. Zertifizierungen für nachhaltigen Anbau fördern gerade im Bananensektor auch nachhaltiges Wirtschaften.

Können Sie Verbesserungen in der Beziehung zwischen Bananenfarmen und den umliegenden Gemeinden feststellen?

Ja. Farmen unternehmen große Anstrengungen, um einen Beitrag zur Steigerung der Lebensbedingungen in den benachbarten Gemeinden zu leisten. Eine zertifizierte Farm in Costa Rica beispielsweise hat ein wichtiges Anbaugebiet aufgegeben, um dort für Kinder einen kürzeren und sichereren Weg zur lokalen Schule anzulegen. In Guatemala hat eine andere zertifizierte Farm auf ihrem Grundstück eine Schule für Kinder der Plantagenarbeiter errichtet. Diese nutzt moderne Unterrichtsmethoden und verfügt über ein eigenes Labor. Sogar Kinder von außerhalb des Farmgeländes werden dort jetzt unterrichtet.

Wie gewährleistet die Rainforest Alliance, dass der Standard von zertifizierten Farmen dauerhaft eingehalten wird?

Die Zertifizierung basiert auf Freiwilligkeit. Die meisten Farmen verpflichten sich zur Einhaltung des Standards aus eigenem Antrieb und investieren zum Erhalt der Zertifizierung ihr eigenes Kapital. Es macht aus Sicht der Farmer somit keinen Sinn, Kriterien des SAN-Standards zu verletzen und die Zertifizierung dadurch zu verlieren. Letztlich würde das auch einen finanziellen Verlust auf ganzer Linie für die Farmer bedeuten. Dennoch kontrollieren wir die Einhaltung des Standards mit zufälligen, unangekündigten Audits. Außerdem kann jeder – ob Arbeiter oder benachbarte Farm – auf Verfehlungen von zertifizierten Farmen hinweisen. Werden die Vorwürfe durch eine Überprüfung bestätigt, muss die betroffene Farm die Missstände beseitigen. Andernfalls riskiert sie den Entzug des Siegels.

Einen hervorragenden und kritischen Beitrag zum Bananenanbau hat übrigens auch die Journalistin Sarah Zierul verfasst. Unter dem Titel „Billig. Billiger. Banane.“ steht ihr Beitrag in vielen Mediatheken zum Streaming bereit.

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  1. Pingback: Buchbesprechung: Billig. Billiger. Banane | The Frog Blog Deutsch

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