Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

Sieben alltägliche Nahrungsmittel aus dem Regenwald

5445774859_84fb40fb6b_bFoto von Jeff Allenby

Regenwälder: nicht selten mystisch verschleiert von Dunst und Nebel, Heimat von schönen und bizarren Tieren, reich an beeindruckenden oder skurril anmutenden Pflanzen.

Die tropischen Wälder sind oft Gegenstand von großen Kampagnen, in denen ihr Schutz gefordert wird. Aber welche Rolle spielen Regenwälder tatsächlich in unserem Alltag? Sie sind zumindest indirekt viel präsenter, als du vielleicht denkst. Stell dir vor, wie anders und ärmer das Leben ohne diese sieben alltäglichen Artikel wäre:

1. Startest du deinen Tag mit einer Tasse Kaffee? Danke dem tropischen Wald dafür! Kaffee ist eines der meist gehandelten Güter aus dem Tropengürtel, wird von mehr als 25 Millionen Menschen auf der ganzen Welt konsumiert und treibt durchaus die Wirtschaft von Ländern in Lateinamerika, Asien und Afrika mit an. Traditionell waren Kaffeefarmen nicht von den Wäldern, die sie umgaben, zu unterscheiden, weil sie dicht überwachsen waren. Und auch heute kommen einige der besten Kaffees immer noch von Farmen, auf denen die Sträucher unter dem Schatten des Walddaches gedeihen.

coffee

2. Wenn bei deinem Frühstück Bananen dabei sind, vertraust du auf den Regenwald, um gesund in den Tag zu starten. Diese tropische Frucht ist Teil einer weltweiten 5-Milliarden-Dollar-Industrie, die insbesondere bis zu den 1990er-Jahren nicht den besten Ruf genoss: verursacht durch die Misshandlung von Arbeitern, eine ungezügelte Entwaldung und das sorglose Verunreinigen und Vergiften von Flüssen und Bächen sowie Binnenseen. Diese und andere Probleme veranlassten die Rainforest Alliance dazu, ein längst überfälliges Lösungsmodell für eine umfassend nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln, das sich auf die besonderen ökologischen und sozialen Bedingungen und Bedürfnisse in den Tropen und Subtropen konzentriert: den Standard für Nachhaltige Landwirtschaft oder auch SAN-Standard. Er wurde zusammen mit lokalen NGOs, Wissenschaftlern, Gemeindevorsitzenden, Arbeiterverbänden und Landwirten entwickelt. Heute kommen 15 Prozent aller weltweit im Export gehandelten Bananen von Rainforest Alliance Certified™-Plantagen.

bananas

3. Angekündigt als neue Superfrucht ist die Açai-Beere das Lebensmittel für den anhaltenden Wellness- und Gesundheitstrend geworden. Aber Gemeinden im Amazonas, in Regenwäldern, wo die Açai-Palme wächst, sind seit Generationen auf diesen Baum angewiesen. Während in den modernen Diäten des Westens die Beeren – reich an Proteinen und Mineralien sowie mit antioxidativ wirkenden und entzündungshemmenden Pflanzenstoffen ausgestattet – die größte Aufmerksamkeit haben, nutzen die traditionellen Amazonas-Gemeinden das Palmenherz als Gemüse und die Palmwedel zum Decken ihrer Dächer. Das Öl dieser Palme soll außerdem für medizinische Zwecke verwendet werden können.

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4. Schmeckt dir eine Zimt-Schnecke? Ohne die Zimtwälder an Orten wie Kerinci auf der indonesischen Insel Sumatra wäre es wohl ziemlich schwierig, eine Zimt-Schnecke oder andere Zimt enthaltende Lebensmittel und Getränke zu bekommen. Zimt ist die Baumrinde des cinnamomum burmannii-Baums und wird vor allem auf kleinen, entlegenen Grundstücken von Landwirten angebaut. Zimtbäume stehen natürlicherweise immer in der Nachbarschaft zu anderen einheimischen Bäumen und bilden so natürliche Pflanzengemeinschaften. Nach der Ernte der Zimtrinde rollt sich diese durch das Trocknen selber ein und formt — zunächst in größeren Dimensionen —  die „Zimtstange“, die wir aus unseren Supermärkten kennen. Auch Vanille, bei uns ebenfalls beliebt, wächst übrigens in einer natürlichen Waldumgebung.

cinnamon

5. Als das am meisten gehandelte Gewürz der Welt könnte seine pure Allgegenwart dem schwarzen Pfeffer einen langweiligen Ruf verleihen. Aber Pfeffer, der eigentlich als verholzende Kletterpflanze an Bäumen in den tropischen Regionen auf der ganzen Welt, vor allem in Südasien und Südostasien, hochwächst, wurde schon als Währung genutzt und den Göttern geopfert. Es gibt nahezu keine Küche auf der Welt, in der Pfeffer keine Rolle spielt.

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6. Auch Schokofans dürfen den tropischen Wäldern danken. Kakao kann, wie Kaffee, unter dem Schatten eines Walddachs angebaut werden. Denn ursprünglich wuchs die Kakaopflanze stets in Gemeinschaft mit vielen anderen Bäumen und Pflanzen des Regenwalds und mag es nicht zu sonnig. Heute gibt es Kakaoplantagen und -pflanzungen in Westafrika, Asien und Mittel- und Südamerika. Bedauerlicherweise haben viele Kakaobauern großflächig Wälder abgeholzt, um noch mehr Kakao in engeren Abständen zueinander anbauen zu können — oder Varianten, die angeblich volle Sonneneinstrahlung tolerieren können. Doch in den allermeisten Fällen führte das in die Sackgasse: Die Kakaopflanzen sind anfälliger für Erkrankungen geworden und leiden unter dem Hitzestress. Zudem hat die Beseitigung der natürlichen Pflanzengemeinschaften den Boden verändert: Er ist seinen Wasserspeicherfähigkeiten beraubt und erodiert. Der Einsatz von Agro-Chemikalien ist über die Jahre drastisch gestiegen. Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt wurde unwiederbringlich zerstört. Die Rainforest Alliance arbeitet mit Hunderttausenden von Kleinbauern weltweit zusammen, um den Anbau von Kakao wieder naturnäher und im Zusammenspiel mit einheimischen Schattenbäumen zu fördern.

cocoa

7. Diese Pflanze aus dem Regenwald hat eine dominante Präsenz in unserem Alltagsleben und in der globalen Umweltdebatte: Palmöl. Man findet es in Lebensmitteln, Kosmetika, Shampoos, Seifen und in unzähligen weiteren Produkten, die die meisten von uns täglich nutzen. Aber verantwortungslose Landwirte haben natürliche Wälder abgeholzt, um den Weg frei zu machen für große Monokulturen mit Ölpalmen, Ölpalmen und noch einmal Ölpalmen. Globale Bemühungen, der nach wie vor fortschreitenden gravierenden Umweltzerstörung durch die Palmöl-Produktion Einhalt zu gebieten, schließen die Gründung eines runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO) ebenso ein wie die Selbstverpflichtungen von großen multinationalen Firmen, nur noch nachhaltig erzeugtes Palmöl zu beziehen. Doch ob diese Maßnahmen ausreichen werden, bezweifeln viele die Initiativen sehr kritisch begleitenden NGOs. Die Rainforest Alliance als Teil der NGO-Koalition Sustainable Agriculture Network (SAN) versucht mit eigenen Schulungs- und Zertifizierungslösungen einen Beitrag hin zu einer verantwortungsvolleren und nachhaltigeren Erzeugung von Palmöl zu leisten.

palmoil

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