Biodiversität/Klimaschutz/Klimawandel

Auf der Suche nach verschollenen Fröschen

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Auch wenn wir große Fans von Fröschen sind, hat die Rainforest Alliance ihr kleines grünes Maskottchen nicht nur wegen seines bezaubernden Aussehens ausgewählt. Durch ihre semi-permeable Haut, ihre ungeschützten Augen und ihre Abhängigkeit von äußeren Temperaturen zur Regulierung ihrer eigenen Körpertemperatur, reagieren Frösche sehr sensibel auf Veränderungen der Umwelt, was sie zu einer Indikator-Gruppe macht, wie es Wissenschaftler nennen. Anders gesagt, wenn Lebensräume verschwinden und Ökosysteme zerstört werden, sind Frösche unter den ersten, die aussterben – ein wichtiges Zeichen, dass wir uns beeilen müssen, ihr Überleben zu sichern. Denn weitere Arten werden folgen, wenn wir nichts unternehmen.

Niemand weiß das besser als der Autor und Fotograf Robin Moore. Im Jahr 2010 führte Dr. Moore (der auch Direktor der Amphibian Survival Alliance ist) eine massive Suche nach Fröschen, Salamandern und Schleichenlurchen an, die seit Jahrzehnten nicht gesehen wurden. 6 Monate lang schlugen er und sein Team sich durch den dichten Dschungel, wateten Flüsse hoch und durchwanderten abgelegene Gebirgspässe. Alles in der Hoffnung, eine ihrer auserkorenen „verschollenen Froscharten“ zu finden. Aber die unerschrockenen Wissenschaftler waren nicht nur wegen des Abenteuers auf diesen Expeditionen: Da die Hälfte aller Amphibien vom Aussterben bedroht ist und 250 Arten seit dem Jahr 2000 nicht mehr gesehen wurden, wollten Moore und weitere Forscher mehr über diesen größten Verlust an Biodiversität seit Anbeginn der Menschheit lernen.

Hier einige atemberaubende Fotos aus Moore’s Buch, In Search of Lost Frogs, zusammen mit seinen Beobachtungen:

1. ECUADOR „Die beiden ortsansässigen Wissenschaftler Luis Coloma und Santiago Ron nahmen uns mit, um uns eine neue Froschart zu zeigen, die sie in einem kleinen Fluss nahe Cuenca entdeckt hatten. Als wir ankamen, waren wir entsetzt, dass jüngste Straßenbauarbeiten den Lebensraum des Tieres zerstört hatten. Bald sah ich einen Kadaver in einer seichten Stelle des Flusses: Ein brillant gefärbter schwarz-gelber Harlekinfrosch. Ein Männchen, unbeirrt von ihrem Tod, klammerte sich an ihren Rücken, mit der Intention der Paarung. Wir nahmen das Männchen mit in das Labor in Quito, aber er starb Wochen darauf, eines der letzten seiner Art. Eine Spezies ging also fast zeitgleich mit ihrer Entdeckung schon wieder verloren.“

robin-moore-ecuadorEin männlicher Harlekinfrosch in Ecuador versucht sich mit einem toten Weibchen zu paaren.

 

2. KALIFORNIEN „Ich besuchte den Wissenschaftler Vance Vredenburg und sein Team in den Bergen der Sierra Nevada, um mehr über ihre Arbeit mit dem Berg-Gelbschenkelfrosch zu erfahren. Einst fast allgegenwärtig in den hochgelegenen Flüssen müssen diese Frösche harte Winter durchstehen, in denen sie unter dem Eis ihren Stoffwechsel so stark verringern, dass sie neun Monate ohne Nahrung auskommen; Kaulquappen können zwei oder drei Winter unter dem Eis verbringen, bevor sie es als kleine Frösche verlassen. Trotz ihrer unglaublichen Widerstandsfähigkeit und der offensichtlich tadellosen Seen, verringert sich die Population des Berg-Gelbschenkelfrosches rapide durch eine Erkrankung, die durch den Chytridpilz ausgelöst wird – der auch Frosch-Populationen in Costa Rica, Australien und Ecuador dezimiert. Vredenberg erforscht die Krankheit bei den Berg-Gelbschenkelfröschen in der Hoffnung, Wege zu finden, wie zukünftiges Aussterben von Arten durch den Pilz verhindert werden kann.

robin-moore-californiaDie Population des Berg-Gelbschenkelfrosches der Sierra Nevada verringert sich rapide durch einen Pilz.

 

3. KOLUMBIEN „Wir suchten nach der Art Rhinella rostrata, die 1914 das letzte Mal gesehen wurde, als Wes Sechrest (CEO und Chief Scientist der Global Wildlife Conservation) flussaufwärts erschien, mit einer rot-braunen Kröte so groß wie ein Fingernagel. Sie ist wunderschön, an der Flanke übersät mit blauen, kleinen Juwelen ähnelnden Punkten. Der einheimische Experte Alonso Quevedo (Präsident der aus Kolumbien stammenden Umweltschutz-Gruppe Fundación ProAves) nahm die kleine Kreatur zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt sie direkt vor seine Augen, als ob er einen seltenen Edelstein untersuchen würde. „Das ist eine anders gezinkte Kröte. Es ist wahrscheinlich eine neue Art.“ Ohne groß zu überlegen äußerte ich die Bemerkung, dass der Frosch Ähnlichkeit mit dem Bösewicht Monty Burns aus der Serie Die Simpsons hat. Der Name blieb und die „Monty Burns Kröte“ gewann den ersten Platz der neuen Spezies von 2010 des Time Magazine. Bei unserer Suche nach einem verschollen Frosch entdeckten wir einen neuen.“

robin-moore-colombiaDie „Monty Burns Kröte“, eine neue Art, benannt aufgrund der Ähnlichkeit zu einem Charakter aus „Die Simpsons“.

 

4. HAITI „Es war nachts und wir campierten auf einer Lichtung in den Nebelwäldern von Mafisse de la Hotte, im Südwesten Haitis. Zu unserer Überraschung erwiesen sich unsere Zelte als Froschmagneten: Ich nahm einen ab und sah, dass es die Art Eleutherodactylus thorectes war, die zum letzten Mal vor 20 Jahren gesehen wurde! Da der Frosch nur ein wenig größer als ein Reiskorn war, war er vielleicht der kleinste Frosch, den ich je gesehen habe – es ist auf jeden Fall einer der kleinsten der Welt. Ich zog den weißen Hintergrund hervor, den ich auf meinen Expeditionen dabei habe, und eine Münze als Maßstab und machte dieses Foto. Dieser protokollierte Frosch, der nur auf zwei Bergen im Südwesten Haitis gefunden wurde, ist stark bedroht durch den Verlust seines Lebensraums. Die gute Seite der Expedition ist, dass wir am Ende sechs Arten wiederentdeckt haben – auch Eleutherodactylus thorectes – die seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden.

robin-moore-haitiEleutherodactylus thorectes – eine Froschart aus Haiti, die seit 20 Jahren nicht mehr gesehen wurde.

 

5. ISRAEL „Ich verbrachte den Tag mit Wissenschaftler und Amphibien-Experte Dr. Sarig Gafny auf der Suche nach dem Israelischen Scheibenzüngler, eine Art die 1955 verschwand und im Jahr 2011 im Hula-Naturreservat wieder auftauchte. Leider hatten wir kein Glück. Gafny spürte meine große Enttäuschung und bot mir dieses Trostpflaster an: „Möchten Sie einen blauen Baumfrosch sehen?“ Ich sagte ihm, dass ich gar nicht wusste, dass es blaue Baumfrösche in Israel gibt. „Gibt es auch nicht“, antworte er. „Nunja, es dürfte sie zumindest nicht geben.“ Gafny, einer der führenden israelischen Amphibien-Experten, hatte ebenfalls nie einen blauen Baumfrosch gesehen; als er von diesem Frosch hörte, dachte er, es sei eine neue Spezies. Nach DNA-Tests bekräftigte er, dass es ein Mittelöstlicher Laubfrosch war, der häufig in Israel zu finden ist. Nur, dass er eben blau war.

robin-moore-israelDieser blaue Frosch ist eine Mutation des Mittelöstlichen Laubfroschs in Israel.

 

6. COSTA RICA „Die Kreatur vor mir hatte in meiner Vorstellung einen mystischen Status erlangt. Der Atelopus varius aus Costa Rica und Panama wurde in den 1990er Jahren für ausgestorben erklärt, aber ein Überrest der Population tauchte 2003 in Costa Rica auf – und nun schaute ich ein Exemplar direkt an. Als Höhepunkt der Evolution von Millionen Jahren ist der Atelopus varius Überlebender eines der größten Massensterben von Tieren in der jüngeren Geschichte. (Sie gelten in Panama nun als komplett ausgestorben.) Als ich ihre körnige Haut studierte, trafen ihre hellgrünen Augen meine. Ich verspürte Demut und bekam neue Inspiration für weitere Forschung.“

robin-moore-costa-ricaDer Atelopus varius wurde in den 1990ern für ausgestorben erklärt.

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