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Zwei Kaffeegiganten stehen sich gegenüber

Mit riesigen Waldgebieten, immenser kultureller Vergangeheit und den am dicht besiedelsten Ballungsräumen der Welt (Mexico-City und São Paulo) stoßen im heutigen Spiel zwei lateinamerikanische Giganten aufeinander – Brasilien und Mexiko. In unserem Spiel dreht sich jedoch alles um den Kaffee.

 

Fans beider Seiten bringen das Stadion zum Kochen. Mexikaner erscheinen in ihren traditionellen drei Nationalfarben, um ihre Mannschaft die „El Tri“, stimmgewaltig anzufeuern. Brasilianer stehen dem mit gelb und grün bemalten Gesichtern voller Stolz gegenüber. Mit fünf Weltmeistertiteln ist Brasilien das erfolgreichste Land der Fußballgeschichte – drei Punkte im heutigen Duell und sogar der nächste Sieg bei einer WM sind fest eingeplant.

Ohne Zweifel hat der Gastgeber in dieser Begegnung einen großen Vorteil: Brasilien ist der weltweit größte Kaffeeproduzent und -exporteur. Mit einem Weltmarktanteil von 30 Prozent besitzt Brasilien diese Spitzenposition seit rund 150 Jahren. Im Jahr 1920 lag der Anteil sogar bei rund 80 Prozent.

Das brasilianische Aufgebot ist eine gefestigte Mannschaft, die ihre Marktposition gegenüber anderen Teams gut verteidigt. Sie umfasst etwa 290.000 Kaffeefarmer in 16 Regionen mit einer Gesamtanbaufläche von 2 Millionen Hektar, die eine breite Vielfalt an Kaffeebohnen anbieten. Der Spielerkader reicht dabei von Kleinbauern (71 Prozent der Kaffeeanbauer nutzen eine Fläche von unter 10 Hektar) bis hin zu Großproduzenten, wie den fazendas – ehemalige Rinderfarmen, auf deren Fläche Kaffee in großen Mengen angebaut wird. Nahezu 90 Prozent der brasilianischen Kaffeeexporte stammen von den 50 größten Farmen. Bekannt für seine herausragende Quantität, bemängeln viele die Qualität brasilianischer Kaffeeproduktion.

„El Tri, El Tri! Wir schlagen Brasilien“, ruft Pancho Villegas von der Tribüne – einer von Tausenden Mexikanern, die 23 Stunden nach São Paulo angereist sind, um ihre Mannschaft anzufeuern. Villegas schwenkt seine riesige mexikanische Flagge, während beide Teams sich auf dem Platz warm machen – Kaffee aus seinem Heimatland hat er auch dabei. Er benötigt die Energie, um das Turnier durchzustehen und versichert, mexikanischer Kaffee sei viel besser.

Mexikos Mannschaft unterscheidet sich in ihrer Spielweise deutlich von Brasilien. Das Team zählt zu den zehn erfolgreichsten Kaffeeproduzenten und –exporteuren der Welt, schwankt jedoch in seinen Leistungen im Laufe der Jahre erheblich. Aktuell befindet sich Mexiko auf dem siebten Platz.

Zum mexikanischen Kader zählen über 400.000 Kaffeefarmer, verteilt auf 400 Regionen. Die Gesamtanbaufläche erstreckt sich auf etwa 700.000 Hektar, wobei 90 Prozent von Kleinbauern (Anbaufläche unter 5 Hektar) genutzt werden.

Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit Mexikos gegenüber den Kaffeefarmern in Brasilien, produziert Mexiko nur ein Zehntel der Kaffeemenge: 4 Millionen mexikanische Kaffeesäcke stehen 40 Millionen brasilianischen gegenüber.

Kaffee, der in hoch-gelegenen Wäldern Mexikos angebaut wird, bringt der mexikanischen Mannschaft allerdings einen klaren Vorteil: Er gilt als Qualitätsprodukt. Rund 35 Prozent der gesamten mexikanischen Kaffeeproduktion fallen darunter.

Der Gastgeber kontert schnell: Zwar wird in Brasilien nicht der hochwertigste, jedoch der beste und teuerste Kaffee angeboten.

Bis zuletzt haben beide Mannschaften ihre jeweiligen Stärken unterstrichen. Mexiko zählt weltweit zu den ersten Nationen, die Kaffee auch auf biologischer Weise angebaut haben und war globaler Spitzenreiter in der Produktion von Biokaffee. Gleichzeitig sind 14.000 Hektar der Kaffeeanbauflächen in Mexiko Rainforest-Alliance-zertifiziert, wodurch die natürliche Biodiversität geschützt und die Lebensbedingungen der Farmer verbessert werden. Brasilien verfügt allerdings über 72.000 Hektar Rainforest-Alliance-zertifizierter Anbaufläche und ist damit führend im globalen Vergleich.

Die Fangesänge hallen durch das Stadion, der Kaffee ist serviert und das Spiel ist angepfiffen…

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