Rainforest Alliance

Kaffee vom Kilimandscharo – Interview mit einer Farmerin Teil 2

Im ersten Teil des Interviews erzählte uns Bente Luther-Medoch, wie sie zum Kaffee-Anbau kam und in welchem Zustand das Machare Estate war, als sie es aus staatlicher Hand übernahmen. Inzwischen werden auf Machare über 120 Tonnen Kaffee im Einklang mit der Natur geerntet, alle mit dem Siegel Rainforest Alliance Certified™ und teilweise auch mit dem BIO-Siegel. Im zweiten Teil des Interviews erzählt Luther-Medoch von den Besonderheiten des naturnahen Kaffee-Anbaus.

Der SAN-Standard für Nachhaltige Landwirtschaft legt einen großen Fokus auf Kriterien, die für den Erhalt der Artenvielfalt sorgen. Können Sie den Erfolg dieser Vorgaben beurteilen?
Vor 10 Jahren (also noch vor unserer Rainforest-Alliance-Zertifizierung) verabschiedete ich mich langsam aber sicher von Insektiziden und bin jetzt soweit, dass ich nur noch BIO-konforme Insektizide benutze. Dies ist mir selbstverständlich nur möglich, weil ich durch meine Methode wieder eine Artenvielfalt erlangt habe, die es auf der Farm so nicht mehr gab.
Ich bewirtschafte heute 34 Hektar, die Hälfte von Machare Estate trägt nicht nur das Rainforest Alliance Certified™- Siegel, sondern ist auch Organic zertifiziert. Diverse Studien bestätigen mir eine wesentlich größere Artenvielfalt auf dem Gelände, als auf herkömmlich gemanagten Farmen. Artenvielfalt ist enorm wichtig, und das Schöne ist: Es ist dafür fast nie zu spät. Die Natur hat die Gabe, sich quasi zu erholen, wenn man sie nur lässt.
Es gab zu Beginn noch nicht mal Schutzzonen entlang des Flusses, da überall Kaffee und Mais angebaut wurde. Heute kommen viele Besucher, sogar von der Tansanischen Regierung, um zu sehen, wie wir die Natur-Reservate wiederhergestellt haben.

Wie kommen Sie mit den strikten Vorgaben zum Pestizideinsatz zurecht?
Kein Problem! Ich benutze sowieso nur noch BIO-Insektizide. Das kann man selbstverständlich nicht von heute auf morgen erreichen. Aber mit einem rigorosen integrierten Schädlings- und Bodenmanagement, kann man den Insektizid-Bedarf und -Verbrauch langsam reduzieren.
Ich habe im Jahr 2001 damit angefangen. 2010 benutzte ich noch 30 Liter Dethamethrin (Anmerkung der Redaktion: ein auch in Deutschland sehr verbreitetes Pflanzenschutzmittel) auf 140 Hektar Kaffee. Im Jahr 2012 waren es nur noch 10 Liter. Danach bin ich auf Neem (Anmerkung der Redaktion: Neem oder auch Niem ist eine, aus Indien stammende Heilpflanze, die auch in der Kosmetik Anwendung findet) umgestiegen. Das war nur die logische Konsequenz.
So etwas ist aber nur möglich, wenn man auf eine große Artenvielfalt zurückgreifen kann. Bis die wieder etabliert ist, kann es ein paar Jahre dauern. In meinem Fall waren es zehn.

Machen sich die Vorteile der Zertifizierung auch außerhalb des Farmgeländes bemerkbar?
Durch meine vielfältigen Projekte, die hauptsächlich auf eine gesunde Umwelt und das Wohlergehen der Menschen sowie die Steigerung ihres Einkommens abzielen, hat sich sehr viel Positives entwickelt. Das hat allerdings nicht wirklich etwas mit Rainforest Alliance Certified™ zu tun. Die Projekte hatte ich auch schon vorher. Rainforest Alliance Certified™ hat mich in meinem konsequenten Weg allerdings bestärkt, gab unterstützende Navigation und hat vor allem geholfen, meine Projekte auch administrativ professioneller aufzustellen.

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