Rainforest Alliance

Kaffee vom Kilimandscharo – Interview mit einer Farmerin Teil 1

Auf 230 Hektar am Hang des Kilimandscharo auf 1350 bis 1550 Metern Höhe erstreckt sich das Machare Coffee Estate. Erstmals um das Jahr 1930 von dem deutschen Aussiedler Fritz Veit errichtet, lag es 30 Jahre lang in staatlichen Händen. Diese versuchten dem Boden mehr abzugewinnen, als er zu geben bereit war und wirtschafteten die Farm herunter. Bente Luther-Medoch, eine der vier derzeitigen Besitzer von Machare, erzählt von dem Weg, den sie zurückgelegt haben, von dem verwilderten Brachland bis hin zu einer der malerischsten Farmen Tansanias, und das unter dem Siegel Rainforest Alliance Certified™.

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Was hat Sie dazu bewogen, sich der Landwirtschaft anzunehmen?
Mein Mann ist Kaffee-Händler. Er kam zusammen mit einem Freund auf die Idee, eine Kaffee-Farm am Kilimandscharo zu pachten. Nach 30 Jahren staatlicher Verwaltung stand diese wieder zur privaten Nutzung bereit. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich seit insgesamt 9 Jahren als Freiwillige in der Deutschen Schule in Nairobi, Kenia bzw. in der internationalen Schule in Moshi, Tansania. Ich hatte also freie Ressourcen, mich dem Projekt zu widmen. Ich habe mich 3 Jahre in den Job als Farmer eingearbeitet. Alles mit Hilfe von einem benachbarten kenianischen Kaffeefarmer, der mir immer mit Rat und seiner reichlichen Erfahrung zur Seite stand. Durch ihn habe ich jeden Aspekt des Farmerlebens kennengelernt und in jedem Bereich praktisch mitgearbeitet, bis ich alles konnte und verstand. Nach 3 Jahren waren wir dann die erste zertifizierte Farm in Tansania, damals noch gemäß UTZ KAPEH.

In welchem Zustand war das Gelände, als Sie es übernahmen?
Die Farm befand sich 30 Jahre in staatlichem Besitz. Die Gebäude waren heruntergekommen; es gab keine Kabel, Fenster, Türen und die Dächer waren kaputt.
Die Kaffeebäume waren teilweise 70 Jahre alt und komplett vernachlässigt. Der Kaffee wurde bis an den angrenzenden Fluss hinunter angebaut. In den Reihen zwischen den Kaffeepflanzen wurde in den 30 Jahren hauptsächlich Mais angebaut, die daraus resultierende Bodenerosion war deutlich zu sehen. Das Waste-Water lief unbehandelt in den Fluss. Es gab auf der Farm nicht einen einzigen Traktor. Es gab lediglich einen einzigen großen, aber wunderschön gelegenen Schrotthaufen. Das war 1998. Ich kam im Jahr 2001 dazu…

Was war das ausschlagebende Argument für die Rainforest-Alliance-Zertifizierung?
Die Farm war 2004 bis 2007 Utz zertifiziert – damals war die Rainforest Alliance noch nicht in Ostafrika präsent. Ich hörte dann von verschiedenen „Kaffeefreunden“ von der Rainforest Alliance. Der dem Grünen-Frosch-Siegel zugrundeliegende SAN-Standard war mir gleich sympathisch, da ich von Anfang für eine Reduzierung von Insektiziden war. Außerdem waren mir schon immer der Umweltschutz und der Schutz vor Bodenerosion wichtig, sowie Projekte für die angrenzenden Gemeinden.

Was musste dafür auf der Farm geschehen? In welchem Zeitraum haben, Sie die Wandlung geschafft?
Vom ersten Kontakt bis zur Zertifizierung hat es ein halbes Jahr gedauert. Im Osten Afrikas gab es damals noch keine trainierten oder zugelassenen Auditoren für die Rainforest-Alliance-Zertifizierung. Die Organisation schickte dann extra einen „Pioneer Auditor“ aus Costa Rica, der uns als ersten Kaffee-Estate im Jahr 2007 zertifizierte. Ehrlich gesagt, es musste dann nicht mehr so viel auf der Farm geändert werden. Ich war von Anfang an sehr interessiert, ein etwas anderer Farmer zu sein … vielleicht weil ich kein klassischer Agronom bin und daher andere Prioritäten habe? Daher auch die frühen Zertifizierungen, der langsame Abschied von Pestiziden und die langsame Wandlung zum BIO-Bauern.

Geht die Bevölkerung diesen Weg mit?
Die Nachbarn und damit der größte Teil unserer Angestellten hat etwas Zeit gebraucht, um zu verstehen, was genau mein Ziel ist. Worte können Taten nicht gerecht werden, am Ende zählt: „seeing is believing”. Es ist immer gut, wenn man BEWEISE dafür hat, das Richtige zu tun. Sowas dauert im Einklang mit der Natur allerdings ein paar Jahre. Jetzt da die Beweise für die Richtigkeit unseres Wegs, nicht mehr zu leugnen sind, folgen uns auch die Nachbarn. Allerdings fällt ihnen der Abschied von Insektiziden sehr, sehr schwer, bzw. sie verweigern sich aus den seltsamsten Gründen. Es ist immerhin ein kleiner Erfolg, dass die Kleinbauern, nach vielen gemeinsamen Trainings, nur noch ein sehr mildes Insektizid benutzen.
Außerdem gibt es viele weitere Projekte: Wasser-Projekte, Einführung von Feuerholz-sparenden Öfen und besseren Decken, Wiederaufforstung, direkte Unterstützung der Kleinbauern, Wet Mill Management, Aufbau von kleinen Gemüsegärten oder auch die Errichtung einer eigenen Krankenstation.
All diese Projekte würden nicht funktionieren ohne das Engagement der Nachbarn.
Dazu kommt noch, dass wir tatsächlich auf unserer Farm ganzjährig wohnen und das inmitten von den anderen Dörfern. Da ist man glaubwürdiger, als wenn man nur ab und zu hereinschneit und dann echte und langanhaltende Veränderungen bewirken will. Man muss zuerst wirklich verstehen, was die eigentlichen Probleme in der Nachbarschaft sind, um dann etwas dagegen tun zu können.

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