Biodiversität/SAN

Ein neuer Standard für natürliche Faserrohstoffe

Entwicklung eines Nachhaltigkeitsstandards für „Alternative Natürliche Faserrohstoffe” (ANF)

Auch Bambus als Faserrohstoff soll künftig nachhaltig - als naturnäher und sozialverträglich sowie wirtschaftlich erfolgreich - angebaut werden.

Auch Bambus als Faserrohstoff soll künftig nachhaltig – als naturnäher und sozialverträglich sowie wirtschaftlich erfolgreich – angebaut werden.

Weltweit steigt die Nachfrage nach natürlichen Faserrohstoffen und immer mehr Unternehmen suchen nach zuverlässigen legalen Beschaffungsquellen, die Ökosysteme mit besonders hohem Schutzwert (HVEs) für die Artenvielfalt nicht bedrohen. Bambus, Hanf, Kenaf und andere nachwachsende natürliche Faserpflanzen können eine Alternative sein für Erzeugnisse aus Holz. Gleichzeitig bieten sie ländlichen Gemeinden das Potential, ihren Lebensunterhalt naturverträglicher und finanziell auskömmlich zu sichern. Darüber hinaus zeichnen sich solche pflanzlichen Rohstoffe durch eine Vielzahl von Vorteilen aus: Sie wachsen schnell nach, können ohne intensiven Eintrag von Agrochemikalien angebaut werden, haben keinen allzu hohen Wasserbedarf und eignen sich ggf. sogar als Teil von Pflanzengemeinschaften zur Wiederherstellung von degradiertem Land.

So wie die nachhaltige Forstwirtschaft gemäß FSC-Standard weltweit Wälder und ihren ökologischen Nutzen nachweislich erhält, müssen auch Anbau und Ernte von Faserpflanzen verantwortungsvoll umgesetzt werden. In der jüngeren Vergangenheit wurde daher von einer Vielzahl von Anspruchsgruppen der Bedarf angezeigt, einen Nachhaltigkeitsstandard für „Alternative Natürliche Faserrohstoffe“ (ANF)  auf den Weg zu bringen.

Der Standard für eine nachhaltige Faserrohstoffwirtschaft der Rainforest Alliance wird sich auf Pflanzen beziehen, die Grundlage für eine Vielzahl von Produkten sein können, darunter Papier, Verpackung, Baumaterial und Textilien. Ziel der Rainforest Alliance ist es, ein verantwortungsvolles Wirtschaften mit alternativen natürlichen Faserrohstoffen sicherzustellen und Erzeuger wie Abnehmer mit einem Instrument auszustatten, anhand dessen sie die ökologische, soziale und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Farmen und Plantagen beurteilen können.

Zum Prozess

Bereits im Juli 2013 hat die Rainforest Alliance den Prozess der Standardentwicklung gestartet. Als Mitglied der, standardsetzenden Organisationen überwachenden, ISEAL Alliance folgt die Rainforest Alliance dabei umfänglich den ISEAL-Richtlinien für die Entwicklung von transparenten, unabhängigen, Wert orientierten Standards, die von Dritten überprüfbar sein müssen. Ein Konsens basiertes Technisches Komitee leitet den Prozess und hat zwei Runden mit Public Consultations (Öffentlichen Beratungen) vorgesehen, die ein breites ungehindertes Mitwirken interessierter Parteien ermöglichen wird.

Das Resultat wird der generische Standard „Alternative Natürliche Faserrohstoffe“ sein. Er wird  für Bambus spezifische Kriterien vorsehen. Sofern notwendig und nachgefragt werden auch für Chinagras/Chinaschilf, Kenaf und Rattan spezifische komplementäre Kriterien eingebracht.

Hauptanliegen des Standards

Im Entwicklungsprozess werden folgende Hauptanliegen kritisch adressiert:

  • Umwelt/Ökologie: Dominanz und Verdrängungspotenzial von Kulturpflanzen, Umwandlung von Land, Schutz der Artenvielfalt, Boden- und Wasserqualität, Einsatz von Agrochemikalien
  • Soziales: Arbeiterrechte, Arbeitsbedingungen, Nutzen für lokale Gemeinden und indigene Gruppen
  • Nachhaltige Erzeugung: stabile, sichere Erntevolumina, Bewässerung und Bodenfruchtbarkeit
  • Kontinuierliche Verbesserungen: Planung, Monitoring und adaptives betriebliches Management

Die Rainforest Alliance wird aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, anerkannte Forscher, weitere Experten, vorhandene Analysen und die Perspektive aller Anspruchsgruppen im Rahmen des Prozesses bestmöglich berücksichtigen.

Beziehung zu anderen Standards und Systemen

Die Entwicklung eines unabhängigen Nachhaltigkeitsstandards „Alternative Natürliche Faserrohstoffe” ist notwendig, um identifizierte Lücken bei Nachhaltigkeitsbemühungen für eine Reihe von faserreichen Kulturpflanzen zu schließen und formuliertem Bedarf gerecht zu werden.

Während andere Systeme bereits einige Pflanzen wie Bambus und Rattan zertifizieren, stoßen diese Systeme teils an ihre Grenzen hinsichtlich ihrer geografischen Reichweite und/oder hinsichtlich des Verständnisses der Ökosysteme, in denen solche Pflanzen angebaut werden. Solche Grenzen werden insbesondere bei Bambus sichtbar, wenn Bambus in einem landwirtschaftlichen Kontext oder außerhalb eines klassischen Wald-Ökosystems angebaut werden soll.

Die Rainforest Alliance wird im Rahmen dieses Prozesses mit dem Forest Stewardship Council (FSC), dem Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft (SAN), dem Roundtable for Sustainable Biomaterials und mit anderen standardsetzenden Organisationen zusammenarbeiten, um Möglichkeiten zur Ausschöpfung von Synergien und andere Vorteilen einer Kooperation zu erschließen.

Technisches Komitee:

  • Kathleen Buckingham, World Resources Institute (WRI)
  • Gary Dodge, FSC-US
  • Keila Hand, World Wildlife Fund (WWF)
  • Wu JunQi, International Network for Bamboo and Rattan (INBAR)
  • Neva Murtha, Canopy
  • Scott Paul, Provitro Biosciences
  • Camille Rebelo, EcoPlanet Bamboo
  • Peg Stern, Consultant
  • Rick Underhil, Kimberly-Clark Corporation

Projektteam der Rainforest Alliance

  • Richard Donovan und Walter Smith, Projekt-Überwachung
  • Karen Steer, Consultant, Projektmanager

Mitmachen!

Erhalten Sie Updates und Informationen über Möglichkeiten der Beteiligung

Das „ANF-Standard”-Beteiligungsforum bietet einen Service, mit dem sich interessierte Parteien über den Fortgang und über Möglichkeiten der Beteiligung informieren können.

Bitte senden Sie eine E-Mail an Kareen Steer (ksteer.consultant@ra.org), um dem Beteiligungsforum beizutreten.

Wichtige Meilensteine:

  • Januar bis März 2014: Erste 60-Tage-Konsultationsphase über den ersten Entwurf des „ANF-Standard“
  • Ziel: Januar oder Februar 2014: Durchführung von Feldtests zur Überprüfung der Anwendbarkeit des „ANF-Standard” auf Basis des ersten Entwurfs (abhängig von Fördermitteln)
  • März bis April 2014: Entwicklung einer zweiten Entwurfsfassung für den „ANF-Standard“
  • April bis Juni 2014: Zweite 60-Tage-Konsultationsphase (alternativ: 30 Tage) über den zweiten Entwurf des „ANF-Standard“
  • April bis Juni 2014: Vorstellbare Feldtests (abhängig von Fördermitteln)
  • Juni bis Juli 2014: Entwicklung einer dritten Entwurfsfassung für den „ANF-Standard“
  • Juli 2014: Vorlage der dritten Entwurfsfassung beim Rainforest Alliance-Führungsgremium zwecks Entscheidung über den Fortgang
  • Ziel: August 2014: Veröffentlichung des verabschiedeten „ANF-Standard“

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s