Landwirtschaft/Rainforest Alliance

Grasnager – Schädling, Delikatesse und neue Einnahmequelle

In diesem fünften Artikel über die Arbeit der Rainforest Alliance in Ghana erzählt Marcus Schaefer vom Kommunikationsteam, wie die Haltung von Grasnagern den Tropenwald schützen hilft und eine neue Einnahmequelle darstellt.

Hier geht es zu den früheren Beiträgen der Serie:
Zum 1. Beitrag: Die Arbeit mit Kakaobauern in Ghana
Zum 2. Beitrag: Die weltweite Nachfrage nach nachhaltigem Kakao treibt die lokale Entwicklung an
Zum 3. Beitrag: Die Bedeutung des Schattens
Zum 4. Beitrag: Forstwirtschaft bietet Kakaobauern eine bessere Zukunft

Der Grasnager, auch Rohrratte genannt, gehört zu der Familie der Thryonomyidae und lebt in Afrika südlich der Sahara. Der sieben Kilo schwere und zirka 60 Zentimeter große Nager wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein Tier, das allzu große Auswirkungen auf die Umwelt haben könnte – aber der Schein trügt. Grasnager sind eine weit verbreitete Plage in Ghana. Sie haben großen Appetit und richten in Freiheit große Schäden in den Nutzgärten an. Doch ihr Fleisch wird auch als Delikatesse geschätzt. „Die Dorfbewohner jagen die Ratten im angrenzenden Nationalpark”, sagt Anthony Adom, Gruppenleiter des Rainforest-Alliance-Programms in der Region Juabeso/Bia. „Und wie es hier Brauch ist, werden die Ratten mit Feuer aus ihren Höhlen vertrieben. Das aber stellt eine große Gefahr für den tropischen Wald dar.” Anthony Adom und seine Kollegen entwickelten eine Idee: Durch die Haltung der fruchtbaren Grasnager soll die Jagd im Nationalpark drastisch reduziert und durch den Verkauf des Fleisches eine willkommene neue Einnahmequelle in der Kakao-Nebensaison geschaffen werden.
„Das Weibchen ist zwei bis drei Mal pro Jahr trächtig und wirft jeweils bis zu acht Jungen. Eine ausgewachsene Rohrratte kann für etwa 40 US-Dollar verkauft werden. Das ist eine wertvolle zusätzliche Einnahmequelle”, erklärt Antony Adom. Zum Vergleich: Ein Kakaobauer erntet in der Region durchschnittlich 15 Säcke Kakao pro Jahr und bekommt etwa 100 US-Dollar pro Sack.
Bisher haben 20 Familien am Projekt teilgenommen und Hilfe bekommen, um eine Zucht zu beginnen. Sie haben auch selbst eine Organisation auf die Beine gestellt, um die gemeinsame Vermarktung in die Hand zu nehmen. „Wir haben die Teilnehmer in der tiergerechten Haltung geschult und den hiesigen Schreinern Baumaterial für die Käfige zur Verfügung gestellt. Alle Familien bekamen zum Start drei Weibchen und ein Männchen“, so Anthony Adom. Christiana Adusei vom Dorf New Agogo war eine der ersten Halterinnen von Grasnagern: „Sie sind ganz einfach zu handhaben. Nun helfe ich auch anderen Bauern beim Aufbau ihrer eigenen Zucht“, sagt sie. „Das Schwierigste ist, genug Futter zu sammeln. Denn sie haben viel Hunger und fressen zwei große Grasbündel pro Tag“.

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