Chris Wille/Landwirtschaft/Rainforest Alliance/SAN

Welternährungstag 2013 – heute am 16. Oktober

Ein Weg aus der Armutsfalle und für nachhaltig gesicherte Lebensgrundlagen

Von Chris Wille, Chef der Sparte „Nachhaltige Landwirtschaft“ bei der Rainforest Alliance.

Chris Wille, Chef der Landwirtschaftssparte bei der Rainforest Alliance und Co-Gründer der Umweltschutzorganisation ist regelmäßig im Feld unterwegs, um sich selbst ein Bild zu machen

Chris Wille, Chef der Landwirtschaftssparte bei der Rainforest Alliance und Co-Gründer der Umweltschutzorganisation ist regelmäßig im Feld unterwegs, um sich selbst ein Bild zu machen

Während Übergewicht und Fettleibigkeit in etlichen Industrieländern zunehmend zu einem Problem werden, stirbt immer noch eine erschreckend große Anzahl Menschen quasi auf der Straße an Hunger. Die FAO (Food and Agriculture Organisation) schätzt, dass etwa 842 Millionen Menschen und damit jeder achte Erdenbürger dauerhaft Hunger leidet. Und zwei Milliarden Menschen sind nicht ausreichend gut ernährt, um gesund zu sein. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, begründete die FAO 1981 den Welternährungstag (World Food Day), der jedes Jahr am 16. Oktober ein mahnendes Zeichen setzt. In diesem Jahr steht er unter dem Motto: “Durch Nachhaltigkeit Nahrung und Ernährung sichern”.

Wir müssen die Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 verdoppeln, wenn mehr als neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern werden. Und wir müssen von diesen Nahrungsmitteln einen größeren Anteil vom Feld tatsächlich auf den Teller bekommen. Wissenschaftler schätzen, dass zwischen 30% und 50% der angebauten Nahrungsmittel verdorben oder verschwendet sind, bevor sie überhaupt einen hungrigen Mund erreichen konnten. Besseres, effizienteres Vorgehen entlang der gesamten Prozesskette ist gefordert. Viele Verbraucher haben die Botschaft schon empfangen. Immer mehr Menschen, die über diese Freiheit verfügen, kaufen bewusst ein. Sie kaufen beispielsweise frische Ware, beziehen aus regionalen Quellen und essen weniger stark verarbeitete Produkte.

Doch auf Seiten der Erzeuger und Farmen sind die Herausforderungen hoch. Viele dieser Hungrigen sind Bauern in den Entwicklungsländern. In der Tat sind die meisten der weltweit in Armut Lebenden Farmer. Farmer zu sein, heißt also zumeist, arm zu sein. In vielen Regionen ist die Produktivität niedrig. Böden erodieren. Zunehmend versiegen Brunnen und sinkt der Grundwasserspiegel. Es existiert ein Wettbewerb um Landfläche und um Wasser. Landwirtschaft verbraucht nahezu 70% der Frischwassermenge. Sie ist eine der Hauptursachen für Abholzung und Entwaldung, für Zerstörung von Feuchtgebieten und von anderen Ökosystemen. Kahlschlag für Weideland etwa ist zu mehr als 90% die Ursache für die brennenden Regenwälder im Amazonasgebiet.

Wie können Landwirte die Produktionsmengen verdoppeln und gleichzeitig ihr eigentliches Kapital, die Naturressourcen, schützen, von denen sie und ihre Landwirtschaft abhängen?

Die Rainforest Alliance und das Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft – haben Anfang der 1990er Jahre Richtlinien definiert, um Farmen in den Tropen umweltbewusst, sozial verträglich und wirtschaftlich auskömmlich auszurichten. Wir haben dabei alle drei Säulen der Nachhaltigkeit berücksichtigt – Umwelt, Ethik, Wirtschaftlichkeit. Denn die Landwirte müssen ihre Aufgaben in allen drei Gebieten erfüllen, um die Herausforderungen des Anthropozäns, des von Menschen geprägten Zeitalters, zu meistern.

Wie geht das? Landwirte, die an den Programmen der Rainforest Alliance/des SAN teilnehmen, produzieren mehr auf gleicher bereits landwirtschaftlich genutzter (!) Fläche bei gleichzeitig geringerem Eintrag und Mitteleinsatz. Die Produktivitätssteigerung beträgt 20% und mehr. Auch bei den wichtigsten und allgegenwärtigen Exportfrüchten – Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Palmöl, Bananen, Ananas – verzeichnen sie eine höhere Produktivität bei gleichzeitig geringerem Kostenaufwand. Die Landwirte verdienen mehr Geld und schützen gleichzeitig die Umwelt. Den Arbeitern auf den Farmen gewähren sie die ihnen zustehenden Rechte. Wildtiere kommen zurück in landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Wasserläufe sind sauberer. Abholzung wird gestoppt, und es kommt zu Wiederbewaldung.

Wer regelmäßig unseren Frog Blog liest, weiß: Wir arbeiten mit Wissenschaftlern, anderen NGOs und fortschrittlichen Erzeugern sowie Unternehmen zusammen, die alle dabei mithelfen, dass die Landwirte in den Tropen und Subtropen die Herausforderungen einer Landwirtschaft im Anthropozän stemmen. Das gilt für den Klimawandel, die schwindende Artenvielfalt, unbeständige Märkte, Versagen auf Regierungsseite und erschwerten Kreditzugang. Wir wissen, dass wir angesichts der Schwere dieser Probleme weitaus mehr tun müssten. Deshalb sind Anregungen und vor allem Unterstützung von Ihrer Seite jederzeit willkommen. Achten Sie darauf, welche Aktivitäten am heutigen Welternährungstag in Ihrer Umgebung stattfinden. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich durch Ihr Handeln bei einem Farmer zu bedanken!

One thought on “Welternährungstag 2013 – heute am 16. Oktober

  1. Eine faire Bezahlung ist nicht nur bei uns in Deutschland sondern gerade in den unterentwickelten Ländern Afrika das A+O für Prosperität. Schön, dass sich die Mitarbeiter der Rainforest Alliance für einen sozialen Ausgleich einsetzen. Daumen hoch für den Frosch!!

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