Biodiversität/On Tour/Rainforest Alliance/Tourismus

Den Riesenottern auf der Spur

„36 Grad — Und es wird noch heißer…“ Der Hochsommer bleibt Deutschland treu. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit fühlen sich ganz exotisch an. Selbst nachts gibt es kaum Abkühlung. Mit diesem Tropen-Empfinden entführen wir nochmals in das peruanische Amazonasgebiet – an den Fluss Madre de Dios und den benachbarten Lago Sandoval. Der Sandovalsee ist berühmt für seine Population an Riesenottern. Lobo del Rio, Flusswolf, werden die eleganten, bis zu zwei Meter langen Schwimmer genannt, die sich von Süßwasserfischen ernähren. Doch vor einigen Jahren waren die Otter schon mal fast aus der Gegend verschwunden. Dafür verantwortlich war ein gänzlich unsensibler Tourismus, der den Tieren zu dicht aufs Fell rückte, und anderes Wirtschaften, das die Lebensräume der Otter bedrohte. Dank der Initiative verschiedener Organisationen ist die Lage heute schon viel besser geworden, aber noch nicht völlig geheilt.  Auch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) leistet in der Gegend um Puerto Maldonado schon seit einer Reihe von Jahren wichtige Arbeit zum Erhalt des Lebensraumes der Riesenotter, die aktuell sogar noch verstärkt wird. (Hier geht es zu einem umfassenden Bericht im ZGF-Gorilla: http://www.zgf.de/?id=65&projectId=59&language=de).

Riesenotter werden auch  Lobo del Rio, Flusswolf, genannt.

Riesenotter werden auch Lobo del Rio, Flusswolf, genannt.

Neben der Forschungsarbeit war für die ZGF vor allem erfolgreiches Verhandeln mit den Tour-Veranstaltern zentral. Sie verpflichteten sich letztlich freiwillig, auf den Gewässern – so auch auf dem Lago Sandoval – nur begrenzte Routen zu befahren, den Tieren nicht hinterherzujagen, nur motorlose Boote zu verwenden und nur zu bestimmten Tageszeiten unterwegs zu sein. Für den Erfolg unerlässlich war auch die Weiterbildung der Touristenführer – sie also zu Verbündeten für den Naturschutz und zu wahren Fans ihrer einzigartigen, artenreichen Heimat zu machen.

Heute unterhalten zahlreiche Lodges selbst leistungsfähige Informationszentren, bilden die Menschen der Region – darunter ehemals illegale Goldschürfer und -wäscher – zu kompetenten Gästeführern für Touristen weiter, die sich für den Erhalt ihres Stücks vom Amazonas stark machen. Naturfreunde sollten bei einer Reise in den Tieflandregenwald Perus am Madre de Dios und tiefer hinein in die unberührt wirkenden Regenwaldgebiete unbedingt auf ökologisch und sozial verantwortliche Lodge-Betreiber achten. Eine gute, engagierte (aber auch nicht ganz billige) ist die Inkaterra Reserva Amazonica Lodge, bei der auch schon Stars wie Mick Jagger als UNESCO-Botschafter auf Entdeckungstour gingen. Rainforest Alliance Verified-Unterkünfte und -Touranbieter wurden darauf überprüft, dass sie einem nachhaltigeren Tourismus Rechnung tragen. Zwar sagen Kritiker, der „nachhaltigste Tourismus“ sei „gar kein Tourismus“. Doch eines ist klar: Wenn die Goldwäscher am Madre de Dios und die vielfältigen Holzschlagunternehmen ungestört walten könnten, wie sie wollten, würde der Wald in hohem Tempo dezimiert, würden Gewässer durch den Eintrag von Quecksilber uneingeschränkt und auf lange Zeit vergiftet (wobei diese Bedrohung nachwievor nicht gelöst ist), wären zahlreiche Tier- und Pflanzenarten längst ausgestorben. Doch es gibt auch Rückschläge:  Jüngst berichtete uns Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der ZGF, wie der illegale Goldabbau zum Beispiel die als „Pampas“ bezeichnete Region, entlang der Interoceanica Richtung Cusco, zerstört. Eine unvorstellbar große Fläche sei zu einer wahren Wüste geworden.

Infos zu verantwortungsvollem Reisen in die Tropen Mittel- und Südamerikas gibt es hier: www.sustainabletrip.org; und für Peru auch beim deutschen, spezialisierten Reisebüro Solecu-Tours in Buxtehude, das Interessierte bestens berät und tolle individuelle Reiseerlebnisse zusammenstellt.

Einer der Gäste war so begeistert von den Erlebnissen, dass er kurz nach der Ankunft in Deutschland schrieb:

„Während unseres Fußmarschs zum Lago Sandoval konnten wir übrigens zahlreiche bunte Vögel beobachten, darunter Gelbbrust-Aras, die mit ihrer blau-gelben Zeichnung einfach nur umwerfend schön sind. Wir haben auch viel über die besonderen Bedingungen zum Gedeihen von Paranuss-Bäumen (Brazil Nut-Trees) in der Gegend gelernt. Die Rainforest Alliance hat Dorfgemeinschaften am Madre de Dios geholfen, Erzeugergemeinschaften für eine nachhaltige Paranuss-Wirtschaft zu organisieren und damit dazu beigetragen, den Regenwald zu schützen. Auf dem Lago Sandoval selbst ist es zu dem magischen Ereignis gekommen, auf das  Touristen immer hoffen: Wir haben die Gruppe der Riesenotter auf dem See gesehen. Und: Sie sind einfach auf unser Boot zugeschwommen, als wollten sie uns in Augenschein nehmen, und letztlich unter unserem Boot hindurchgetaucht, um dann im Wald wieder zu verschwinden. Und als sei das nicht genug, stattete uns auch noch ein Klammeraffe einen neugierigen Besuch ab. Wahnsinn!“

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